Team Germany holt bei den WorldSkills 2026 in Shanghai 22 Auszeichnungen
Team Germany hat bei den WorldSkills 2026 in Shanghai 22 Auszeichnungen gewonnen. Zwei Goldmedaillen, eine Silbermedaille, drei Bronzemedaillen, 15 Exzellenzmedaillen und eine weitere Silbermedaille im Sonderwettbewerb „Speed Programming“ stehen zu Buche. Im Medaillenspiegel bedeutete das Platz 11 von 70 teilnehmenden Ländern und Regionen.
Mehr als 1.400 Teilnehmer aus über 70 Ländern und Regionen traten in 64 Disziplinen an. Deutschland war mit 31 Teams dabei und erreichte 1,03 durchschnittliche Medaillenpunkte pro Disziplin. Das Ranking berücksichtigt damit auch, an wie vielen Wettbewerben ein Land teilnimmt.
Gold für Holz und Stahlbeton
Tobias Kelz aus Stötten am Auerberg in Bayern holte Gold im Möbelschreiner-Handwerk. Mit 731 von 800 Punkten lag er gerade einmal einen Punkt vor dem Zweitplatzierten. Seine Aufgabe: ein Möbelstück aus Massivholz und Plattenwerkstoffen, dazu 22 verschiedene Eckverbindungen, die präzise sitzen mussten. Einzelne Werkstückteile wurden zunächst bewertet und erst danach zum Möbel zusammengesetzt. Kelz wurde buchstäblich auf den letzten Drücker fertig – unmittelbar vor Ablauf der Zeit.
Der Weg nach Shanghai führte über Landes- und Bundeswettbewerbe. Anfang 2026 gewann Kelz außerdem einen Auswahlwettbewerb; zur Vorbereitung absolvierte er mehrere Trainingswochen an der Holzfachschule Bad Wildungen. Im Wettbewerb dürfte es nach Holz, Leim und ordentlich Konzentration gerochen haben. Viel Luft zum Pfuschen blieb jedenfalls nicht.
Auch im Beton- und Stahlbetonbau ging Gold nach Bayern. Tim Arnold aus Gößweinstein und Jakob Distler aus Ebermannstadt setzten sich gegen acht Teams aus aller Welt durch. Für den Weltmeistertitel mussten die Zweierteams unter Zeitdruck fünf Module errichten, einschalen und betonieren: eine Wandkreuzung mit herzförmiger Aussparung und einem Hexagon, eine sechsstufige Treppe in Form einer chinesischen Gartenbrücke, einen Tisch auf hexagonaler Basis, einen Bewehrungskorb sowie eine Betonstele mit WorldSkills-Logo und der Jahreszahl 26.
Silber, Bronze und starke Nerven
Florian Dorer aus Furtwangen im Schwarzwald gewann Silber im Zimmererhandwerk. Er belegte Platz zwei unter 16 Teilnehmern. Gefordert war ein Pavillon in Holzständerbauweise mit Balkenlage als Unterbau, vier Wänden mit integrierter Tür und Strebe sowie einem Walmdach mit schrägem Giebel.
Dorer hatte drei Jahre lang insbesondere Geometrie trainiert. Die Aufgabe in Shanghai war dann praxisnäher als erwartet und ähnelte stärker einer Baustellensituation. Nach Angaben des Teamleiters passte Dorer seine Arbeitsweise an und arbeitete schnell und präzise. Drei Jahre Geometrie – und dann entscheidet am Ende doch auch das Gefühl dafür, was auf der Baustelle gerade gebraucht wird.
Bronze ging an Lucas Rother aus Aachen in Nordrhein-Westfalen und Luke Finn Zamponi aus Haiger in Hessen in „Cyber Security“. Beide erhielten zusätzlich die „Best-of-Nation“-Medaille für die höchste Punktzahl im deutschen Team und damit als beste deutsche Teilnehmer. Marc-Aurel Spalek aus Chemnitz und Lennard Weitzmann aus Hohenstein-Ernstthal, beide aus Sachsen, holten Bronze in „Landschaftsgärtner*in“. Elias Sichler aus Stuttgart, Baden-Württemberg, wurde Dritter in „Water Technology“.
16 Exzellenzmedaillen und ein weiteres Silber
Eine Exzellenzmedaille wird für mindestens 700 von 800 Punkten vergeben. 16 deutsche Teilnehmer erhielten diese Auszeichnung in 15 Wettbewerben:
- Lars Wagner – Anlagenmechaniker SHK
- Finn Gücker – Bauschreiner
- Daniel Meyr – CNC-Drehen
- Chiara Lammenett – Digital Construction
- Leo Kloft – Elektroinstallation
- Noah Seiler – Fahrzeuglackierer
- Niko Schleicher – Fliesenleger
- Timo Jansen – Kälte- und Klimatechnik
- Hannes Wirsing – Kfz-Mechatronik
- Lara Riedmair – Konditorin
- Leonhard Eham – Maurer
- Markus Lober und Luis Preissinger – Mechatronik
- Nils Jakubzick – Mobile App Development
- Dennis Hilfinger – Software Applications Development
- Miklas Schmidt – Web Technologies
Dennis Hilfinger gewann außerdem Silber im Sonderwettbewerb „Speed Programming“. Das Bundesbildungsministerium gratulierte den deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor Ort. WorldSkills Germany bewertete den Auftritt als erfolgreich und verwies auf die Bedeutung der dualen Ausbildung.
Im Medaillenspiegel lag Deutschland auf Rang elf. China, das in allen 64 Disziplinen antrat, gewann 41 Gold-, elf Silber- und vier Bronzemedaillen sowie sechs Exzellenzmedaillen und kam auf 3,30 Punkte. Dahinter folgten Korea mit 1,76 Punkten, die Schweiz mit 1,50 und Frankreich mit 1,47 Punkten.
Von Shanghai nach Düsseldorf und Japan
2027 richtet Deutschland gemeinsam mit Luxemburg die EuroSkills aus. Austragungsorte sind Düsseldorf und Luxemburg. Erwartet werden rund 150.000 Besucherinnen und Besucher sowie 800 Fachkräfte aus Europa. Die nächsten WorldSkills finden vom 15. bis 20. November 2028 in Aichi, Japan, statt.
Der Wettbewerb passt gut zur Bauindustrie, obwohl längst nicht nur auf Baustellen gearbeitet wird. Die WorldSkills sind ein Leistungsvergleich in nicht-akademischen Berufen für junge Menschen bis maximal 22 beziehungsweise 23 Jahre. Teilnehmer werden über nationale Vorentscheidungen und Meisterschaften ausgewählt; die Qualifikationswettbewerbe organisieren die jeweiligen nationalen Verbände. Bis Anfang der 1990er-Jahre hieß die Veranstaltung auf Deutsch „Internationaler Berufswettbewerb“, geläufig sind auch „Berufsolympiade“ und „Berufsweltmeisterschaft“.
WorldSkills International wurde 1946 gegründet, hat seinen Sitz in Amsterdam in den Niederlanden und wird von Präsident Chris Humphries sowie CEO David Hoey geführt. Die Organisation beschäftigt 19 Menschen und vereint 86 nationale Mitgliedsverbände. Ihr Zweck ist es, das Profil und die Anerkennung von Fachkräften zu stärken und ihre Bedeutung für das Wirtschaftswachstum zu verdeutlichen. Die Website lautet worldskills.org.
Ausgetragen wird der Wettbewerb seit 1950. Bis 1957 fanden alle Veranstaltungen in Madrid statt; 1958 ging es erstmals außerhalb Spaniens nach Brüssel. 1970 folgte in Tokio der erste Wettbewerb außerhalb Europas. Bis 1971 wurde jährlich veranstaltet, seitdem findet er in ungeraden Jahren im zweijährlichen Turnus statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand zunächst die Völkerverständigung im Vordergrund, heute geht es stärker um Leistungstransfer.
Die Anfänge waren beinahe improvisiert: 1950 beauftragte Francesco Albert Vidal die Organisation eines Wettbewerbs für Spanien und Portugal. Jugendliche aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Marokko und der Schweiz reisten anfangs unangekündigt und auf eigene Kosten an. Spanien und Portugal gelten als Begründer des Wettbewerbs.
Die Austragungsorte zeigen, wie weit sich die Veranstaltung entwickelt hat: 1961 war Duisburg an der Reihe, mit dem Eingang zur Firma Rheinstahl für Wettbewerbe in stahlverarbeitenden Berufen. 1973 folgte München, 1978 Busan, 1981 Atlanta, 1985 Osaka, 1988 Sydney, 1991 Amsterdam, 1999 Montreal, 2001 Seoul, 2007 Shizuoka, 2011 London, 2013 Leipzig, 2015 São Paulo, 2017 Abu Dhabi, 2019 Kasan, 2022 ein virtueller Wettbewerb wegen der COVID-19-Pandemie, 2024 Lyon und nun 2026 Shanghai.
Heute nehmen 82 Länder beziehungsweise Regionen teil. Es gibt Wettbewerbe in mehr als 50 Berufen mit rund 1.600 Teilnehmern; aktuell werden Weltmeisterschaften in 52 Disziplinen ausgetragen. Die Disziplinen werden wegen veränderter Ausbildungsprofile laufend angepasst, und nicht alle Landesverbände treten in sämtlichen Disziplinen an. Deutschland beteiligt sich beispielsweise in 40 Disziplinen. Zusätzlich gibt es Demonstrationswettbewerbe, etwa für Gipser und Stahlbauschlosser.
Seit 2008 findet mit EuroSkills in geraden Jahren eine europäische Meisterschaft statt. Veranstalter ist World
