Der Wohnungsbau in Deutschland kommt im Jahr 2026 etwas in Bewegung. Im August wurden 20.600 Wohnungen genehmigt, 6,8 % mehr als im Vorjahresmonat. Von Januar bis August stieg die Zahl der Genehmigungen um 12,1 % auf 169.400 Wohnungen. Das klingt erst einmal nach Rückenwind – in der Baupraxis bleibt die Luft allerdings dünn.

Für neue Wohngebäude wurden in den ersten acht Monaten 137.500 Wohnungen genehmigt, 12,7 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders deutlich legten die Mehrfamilienhäuser zu: Ihre Genehmigungszahl stieg im Jahresverlauf um 14,5 %. Doch Bauverbände und Fachleute verweisen gleichzeitig auf die weiterhin geringe Bautätigkeit, fehlende Planungssicherheit sowie steigende Bau- und Finanzierungskosten.

Mehr Genehmigungen, aber Start auf niedrigem Niveau

Felix Pakleppa vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe wertet die Entwicklung als positives Signal. Der Anstieg gehe jedoch von einem historisch niedrigen Niveau aus, betonte er. Dem jährlichen Bedarf von rund 320.000 Wohnungen stehe weiterhin eine zu geringe Bautätigkeit gegenüber.

Wie weit Genehmigung und Fertigstellung auseinanderliegen können, macht Tim-Oliver Müller vom Hauptverband der Bauindustrie deutlich: Eine im Jahr 2026 genehmigte Wohnung werde frühestens Ende 2028 fertig. Kostensteigerungen bei Baumaterialien und höhere Finanzierungskosten führten dazu, dass Investoren und Bauherren Projekte verzögerten. Auf den Baustellen fehlt also nicht unbedingt der Plan – oft fehlt schlicht der wirtschaftliche Spielraum.

Der Bestand genehmigter, aber noch nicht gebauter Wohnungen ist laut Müller von 522.700 im Jahr 2015 auf 760.700 gestiegen. Als Ursache nannte er die zu große Differenz zwischen Kosten- und Marktmieten. Das rechnet sich vielerorts nicht mehr, selbst wenn die Baugenehmigung längst auf dem Tisch liegt.

Mehrfamilienhäuser treiben den Zuwachs

Nach Gebäudetypen entfielen in den ersten acht Monaten 2026 insgesamt 90.600 genehmigte Wohnungen auf Mehrfamilienhäuser – ein Plus von 14,5 %. Bei Zweifamilienhäusern wurden 10.000 Wohnungen genehmigt, 21,7 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Auf Einfamilienhäuser entfielen 31.500 Wohnungen, ein Anstieg von 7,8 %. Bei Wohnheimen gab es dagegen einen Rückgang um 2,0 %.

Auch Umbauten spielen eine sichtbare Rolle. Durch Umbaumaßnahmen im Bestand wurden von Januar bis August 29.100 Wohnungen genehmigt, 10,1 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Allein im August stiegen diese Genehmigungen um 18,2 %. Zusätzlich entstanden 2.900 Wohnungen in neuen Nichtwohngebäuden.

Die Juli-Zahlen von Destatis zeigen, wie sich der Trend im Jahresverlauf aufgebaut hat: In diesem Monat wurden 22.500 Wohnungen genehmigt, 1,9 % beziehungsweise 400 Wohnungen mehr als im Juli 2025. Davon entfielen 18.400 auf Neubauwohnungen, ein Plus von 0,8 % beziehungsweise 100 Wohnungen. Durch den Umbau bestehender Gebäude kamen 4.100 Wohnungen hinzu, 7,0 % beziehungsweise 300 mehr als im Juli des Vorjahres.

Von Januar bis Juli 2026 wurden insgesamt 148.800 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden genehmigt. Das waren 12,9 % beziehungsweise 17.000 Wohnungen mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Neubau von Wohngebäuden wurden 121.200 Wohnungen genehmigt, 13,5 % beziehungsweise 14.400 mehr.

  • In Einfamilienhäusern wurden 27.900 Wohnungen genehmigt, 9,7 % beziehungsweise 2.500 mehr.
  • Auf Zweifamilienhäuser entfielen 8.900 Wohnungen, ein Plus von 25,0 % beziehungsweise 1.800 Wohnungen.
  • Mehrfamilienhäuser kamen auf 79.700 Wohnungen, 15,1 % beziehungsweise 10.500 mehr.
  • Bei Wohnheimen wurden 4.700 Wohnungen genehmigt, 6,2 % beziehungsweise 300 weniger.

In neuen Nichtwohngebäuden wurden im Zeitraum Januar bis Juli 2.700 Wohnungen genehmigt, 25,0 % beziehungsweise 500 mehr. Dazu zählen beispielsweise Hausmeisterwohnungen in Schulen oder Wohnungen über Gewerbeflächen. Durch den Umbau bestehender Wohn- und Nichtwohngebäude kamen 24.900 genehmigte Wohnungen hinzu, 8,9 % beziehungsweise 2.000 mehr als ein Jahr zuvor.

Auftragsmangel und Zinsen bremsen die Branche

Der Blick in die Unternehmen ist weniger freundlich als der Blick auf die Genehmigungsstatistik. Laut Ifo-Institut lag der Anteil der Bauunternehmen mit Auftragsmangel im September unverändert bei 41,3 %. Gleichzeitig stieg der Anteil der Unternehmen mit stornierten Projekten von 13,4 % im August auf 14,1 % im September.

Ifo-Experte Klaus Wohlrabe bezeichnete die schwache Auftragslage als zentrale Herausforderung. Für eine nachhaltige Erholung müssten mehr genehmigte Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden. Die Unternehmen blickten wegen erwarteter höherer Finanzierungskosten skeptischer auf die kommenden Monate.

Als zusätzlicher Belastungsfaktor wurde eine EZB-Zinserhöhung auf 2,50 % im September 2026 genannt. Materialengpässe spielen laut Ifo derzeit keine wesentliche Rolle; das Hauptproblem liegt bei der Finanzierung. Das ist für Bauherren weniger sichtbar als ein leerer Lieferwagen, wirkt aber oft genauso hartnäckig.

Der Hauptverband der Bauindustrie fordert deshalb eine Aufstockung der EH55-Plus-Förderung für bereits genehmigte Neubauprojekte. Nach Angaben des Artikels soll die Förderung bis Ende 2026 weiterlaufen. Tim-Oliver Müller warnte zugleich vor einer weiteren Förderlücke ab Anfang 2027 und verlangte, diese bis zum Start einer neuen Förderlandschaft Mitte 2027 zu schließen.

Bei den Destatis-Zahlen ist außerdem etwas Statistik-Handwerk mitzudenken: Die Auswertung basiert auf den bis August bei den Statistischen Landesämtern eingegangenen Meldungen. Baugenehmigungen können durch Nachmeldungen später als im tatsächlichen Erteilungsmonat in die Statistik einfließen; verspätete Meldungen werden in späteren Berichtsmonaten berücksichtigt. Detaillierte Ergebnisse und Zeitreihen stehen in den GENESIS-Online-Tabellen 31111 und 31131 zur Verfügung.

Für die Bauindustrie bleibt damit ein merkwürdiges Bild: Die Genehmigungen steigen, während viele Projekte weiter warten. Auf dem Papier wächst der Stapel – auf den Baustellen fehlt trotzdem häufig das Geräusch laufender Maschinen.

Quelle: bau.bi | Quelle: Destatis