Bauwirtschaft im Rückwärtsgang trotz Milliarden für Infrastruktur und Verteidigung
Am 8. Oktober 2026 richten sich viele Blicke auf die Baupreise – und auf die Frage, ob die deutsche Wirtschaft nach Jahren voller Bremsmanöver endlich wieder Tritt fasst. Die Bundesregierung rechnet für das laufende Jahr mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent. Für 2027 werden 1,1 Prozent erwartet, 2028 noch 0,6 Prozent.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sagt, die Talsohle sei durchschritten, die Wirtschaft wachse wieder. Ganz ohne Stolpern geht es aber nicht. Trotz Nahostkonflikt und gestiegener Energiepreise hat sich die Wirtschaft im ersten Halbjahr kräftig erholt. Getragen wurde die Belebung vor allem von schuldenfinanzierten Investitionen in die Infrastruktur, höheren Verteidigungsausgaben und Impulsen aus dem Außenhandel. Weitere Reformen seien nötig, um die Erholung zu verstärken.
Zwischen Staatsgeld und vorsichtigen Unternehmen
Beim privaten Konsum bleibt die Stimmung eher auf Sparflamme. Zwar steigen die Reallöhne, doch höhere Energiepreise drücken auf die Kaufkraft – besonders Benzin und Diesel schlagen direkt an der Kasse und an der Tankstelle durch. Für 2026 erwartet das Ministerium deshalb nur 0,3 Prozent Wachstum beim privaten Konsum. Der Staatskonsum soll dagegen um 2,6 Prozent zulegen.
Die privaten Investitionen dürften sich erst im Verlauf des kommenden Jahres schrittweise erholen. Eine Creditreform-Umfrage unter rund 1.200 Unternehmen zeigt, wie zäh die Lage ist: Die Investitionsbereitschaft deutscher Firmen ist so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Die Stimmung im Mittelstand hellt sich nur langsam auf, während die Belastungen hoch bleiben und die Insolvenzzahlen steigen.
Im September nahm die Zahl der Firmenpleiten laut dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle zu. Für das vierte Quartal erwartet das IWH zwar rückläufige Insolvenzzahlen – allerdings weiterhin auf außergewöhnlich hohem Niveau. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer fordert deshalb wirtschaftspolitische Reformen. Nach ihrer Einschätzung beruht der Aufschwung derzeit vor allem auf steigenden Exporten in den EU-Binnenmarkt, schuldenfinanzierten Staatsausgaben aus Sondervermögen und höheren Verteidigungsinvestitionen.
Das Institut der deutschen Wirtschaft kommt für 2026 auf ein reales BIP-Wachstum von knapp 1,2 Prozent und liegt damit etwas unter der Regierungsprognose. Das starke erste Halbjahr wurde auch dort vor allem von steigenden Exporten und staatlichen Impulsen getragen. Im zweiten Halbjahr verliert die Dynamik: Export-Sondereffekte laufen aus, hohe Energiepreise belasten den Konsum, die Beschäftigung geht zurück und private Investitionen bleiben verhalten.
Was das für Bau und Investitionen bedeutet
Gerade die Bauwirtschaft hat weiterhin schwer zu schleppen. Ihre preis- und saisonbereinigte Bruttowertschöpfung lag im zweiten Quartal 2026 rund 22 Prozent unter dem Niveau von 2019. Die Industrieproduktion stieg im ersten Halbjahr zwar, blieb aber knapp fünf Prozent unter dem Stand vor Pandemie und geopolitischen Schocks. Ein Teil der Schwäche wurde durch den Dienstleistungssektor aufgefangen, vor allem durch Staatsleistungen sowie Informations- und Kommunikationsdienste.
Die Zuwächse bei Industrie und Exporten konzentrierten sich auf wenige Bereiche, darunter Chemie- und Elektroindustrie. Versorgungssicherheitsmotive haben diese Entwicklung teilweise begünstigt; dauerhaft muss das nicht sein. Lieferkettenprobleme, Niedrigwasser und Logistikprobleme auf europäischen Flüssen können ebenso dazwischenfunken wie die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten. Hinzu kommen Risiken für Rohstoffversorgung, Rohstoffpreise und internationale Lieferketten, Handelskonflikte und Protektionismus sowie Unsicherheiten bei Energieversorgung, Finanzmarktstabilität und dem wirtschaftspolitischen Kurs in Deutschland.
Die Investitionstätigkeit ist klar geteilt: Der Staat legt zu, private Investoren halten sich zurück. Die Bruttoanlageinvestitionen lagen im ersten Halbjahr 0,5 Prozent unter dem bereits schwachen Vorjahresniveau, die Bauinvestitionen sogar 2,2 Prozent darunter. Ausrüstungsinvestitionen stiegen nach drei Rückgangsjahren um 0,8 Prozent, unter anderem wegen militärischer Ausrüstung. Auch Investitionen in Forschung und Entwicklung, Software und Datenbanken entwickelten sich positiv.
Für das Gesamtjahr 2026 werden bei den Bruttoanlageinvestitionen 0,5 Prozent Wachstum erwartet. Bei Ausrüstungen sollen es 1,8 Prozent sein, bei sonstigen Anlagen 2,5 Prozent. Die Bauinvestitionen dürften dagegen um 1 Prozent sinken. Hauptgrund ist der rückläufige Wohnungsbau, weil Bau- und Finanzierungskosten wieder steigen. Für die Branche heißt das: weniger Spielraum, mehr Rechnen, längere Atempausen.
Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität wirkt 2026 erstmals ein volles Jahr auf die staatlichen Ausgaben. Seit Jahresbeginn können auch Länder und Kommunen über ihren Anteil verfügen. Vorgesehen sind mehr als 58 Milliarden Euro – knapp 12 Prozent des Gesamtvolumens von 500 Milliarden Euro über zwölf Jahre. Der Fiskalimpuls zeigt sich vor allem bei den staatlichen Investitionen; wie viel Geld im laufenden Jahr tatsächlich abfließt, bleibt abzuwarten.
Auch Verteidigung und Sicherheit treiben die Ausgaben. Das staatliche Finanzierungsdefizit steigt infolge der kreditfinanzierten Ausgabenexpansion auf rund 4 Prozent des BIP, die Schuldenstandsquote bis Jahresende auf etwa 66 Prozent. Die Staatsquote bleibt bei mehr als 50 Prozent.
Außenhandel hält noch dagegen
Nach drei Jahren rückläufigen Warenhandels kam es im ersten Halbjahr 2026 überraschend zu einem Anstieg. Die realen Warenexporte lagen im zweiten Quartal teilweise wegen Lagerbestandseffekten 5 Prozent über dem Vorjahr. Gesamte Ausfuhren und Einfuhren stiegen im ersten Halbjahr jeweils um 2,1 Prozent. Für 2026 werden reale Exportzuwächse von 2,8 Prozent und ein Importplus von 2 Prozent erwartet.
Die positiven Versorgungseffekte dürften allerdings nachlassen. Hohe Produktionskosten, Protektionismus bei Industriegütern und der hohe chinesische Wettbewerbsdruck – verschärft durch Wechselkursverzerrungen und Subventionen – bleiben der deutschen Exportwirtschaft im Nacken. Die DIHK sieht die steigenden EU-Exporte dennoch als einen der wichtigsten Gründe für die derzeitige Belebung.
Auch die Weltwirtschaft blieb im ersten Halbjahr trotz des Irankrieges widerstandsfähig. Die Weltproduktion lag im zweiten Quartal 2,4 Prozent über dem Vorjahresquartal. Gleichzeitig verursachte die Sperrung der Straße von Hormus einen historischen Angebotsschock auf dem globalen Öl- und Gasmarkt. Besonders heikel war der weltweite Mangel an verarbeiteten Mineralölprodukten wie Diesel. Zusammen mit höheren Versicherungsprämien stiegen die Handelskosten.
In der Golfregion und in Nordafrika brach die globale Industrieproduktion im Frühjahr um mehr als 25 Prozent ein, in anderen Regionen blieb sie stabil. Im Juni lag sie weltweit 2,1 Prozent über dem Vorjahresmonat. Der Welthandel übertraf preisbereinigt den Wert des Vorjahresmonats um 7,5 Prozent. Handelsumlenkungen seit Beginn des Ukrainekriegs 2022 stützen den Warenaustausch, ebenso Technologietrends bei künstlicher Intelligenz und grüner Energieinfrastruktur, die vor allem in Asien die Nachfrage nach Technologiegütern erhöhen.
Nach einem Urteil des US Supreme Court im Februar 2026 verloren einige US-Zölle ihre Gültigkeit. Neue US-Zölle auf anderer Rechtsgrundlage führten dennoch zu einem niedrigeren effektiven Zollniveau als 2025. Für 2026 werden weltweit 2,3 Prozent Wirtschaftswachstum und 5 Prozent mehr Welthandel prognostiziert.
Arbeitsmarkt, Energie und die Rechnung am Monatsende
Die Folgen kommen bei den Menschen nicht gleichmäßig an. Der Staatskonsum stieg im ersten Halbjahr um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der private Verbrauch wuchs preisbereinigt nur um 0,3 Prozent. Höhere Rohstoffpreise verursachten erneut Kaufkraftverluste. Bei einer Inflation von gut 2,5 Prozent wird auch für das Gesamtjahr ein reales Konsumwachstum von lediglich 0,3 Prozent erwartet. Ein eingetrübtes Wirtschaftsklima und Sorgen um die Beschäftigung machen die Kauflust nicht gerade munter.
Die VGR-Revision korrigierte die Zahl der Erwerbstätigen um bis zu 100.000 nach unten. Das Niveau wurde angepasst, der seit Mitte 2025 beobachtete Verlauf änderte sich jedoch kaum: Saisonbereinigt ist seither ein stabiler Rück
