Bayer baut für 2,2 Milliarden Dollar einen modularen Pharmacampus in Ohio
Bayer will in New Albany im US-Bundesstaat Ohio 2,2 Milliarden US-Dollar in einen neuen Pharma-Produktionsstandort stecken. Die Ankündigung erfolgte am 2. Oktober 2026 gemeinsam mit Ohio-Gouverneur Mike DeWine und JobsOhio. Einen Tag später, am 3. Oktober 2026, berichtete der Deutschlandfunk darüber.
Im New Albany International Business Park sollen rund 600 hochwertige Dauerarbeitsplätze entstehen. Während der Bauphase werden etwa 1.500 weitere Arbeitsplätze erwartet. Geplant ist ein flexibler, modularer Campus, auf dem Bayer pharmazeutische Wirkstoffe und fertige Arzneimittel herstellen will – unterstützt durch digitale und automatisierte Technologien.
Zwei Ausbaustufen bis 2034
Das erste Modul für die Wirkstoffproduktion soll 2031 in Betrieb gehen. Für 2034 ist ein zweites Modul zur Herstellung fertiger Arzneimittel vorgesehen. Die Anlagen sollen Bayer-Produkte in den Bereichen Onkologie sowie bei Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen unterstützen und zugleich die Versorgungssicherheit mit Medikamenten in den USA erhöhen.
Bayer-Vorstandschef Anderson bezeichnete die Vereinigten Staaten als langjährigen wichtigen Produktionsstandort des Konzerns. Das neue Werk soll Teil eines US-amerikanischen Kooperationsnetzwerks werden, das akademische Forschung mit fortschrittlicher pharmazeutischer Produktion verbindet. Die Ohio State University hat bereits Interesse an Forschungskooperationen mit Bayer bekundet.
Zum Netzwerk des Ohio Discovery Corridor gehören neun medizinische Forschungs- und Bildungseinrichtungen in Cleveland, Columbus und Cincinnati: Case Western Reserve University, Cincinnati Cancer Center, Cincinnati Children’s, Cleveland Clinic, Cleveland State University, Nationwide Children’s Hospital, Ohio State University, University Hospitals und University of Cincinnati. JobsOhio und der Bundesstaat Ohio haben laut dem Artikel mehr als 400 Millionen US-Dollar in den Ausbau dieses Netzwerks investiert.
Ausbildung beginnt vor dem Werk
Für die Standortwahl war nach Angaben der Projektbeteiligten die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte ein zentraler Faktor. Bayer will deshalb für die Ausbildung von Bioproduktionsbedienern und Technikern das Ohio Life Science Training Center nutzen. Das Ausbildungszentrum wird derzeit gebaut und soll im Sommer 2027 eröffnet werden.
JobsOhio investiert bis zu 30 Millionen US-Dollar in das Zentrum. Knapp 8 Millionen US-Dollar steuern New Albany, der Bundesstaat Ohio und die New Albany Company bei. Vorgesehen ist eine 35-Millionen-Dollar-Einrichtung im New Albany International Business Park – laut Artikel die erste ihrer Art in Ohio. An der Ausbildungspipeline sind JobsOhio, Ohio Life Sciences, die Stadt New Albany und Columbus State beteiligt.
Der Standort bringt vorbereitete Gewerbeflächen sowie Zugang zu Strom, Wasser und weiterer Infrastruktur mit. CNBC bezeichnete Ohio 2026 als führenden US-Bundesstaat für Unternehmensstandorte. Im Business Park sind bereits unter anderem Amgen, Hims & Hers, American Regent und Pharmavite vertreten. Die dort ansässigen Life-Science-Unternehmen beschäftigen laut Artikel bereits mehr als 2.660 Menschen. Amgen plant zusätzlich eine Erweiterung um 350 Arbeitsplätze in New Albany, die 2027 eröffnet werden soll.
Der Ohio Discovery Corridor bietet Zugang zu rund 39.000 Absolventen in MINT-Fächern pro Jahr, zu einem Forschungsumfeld, das jährlich mit 1 Milliarde US-Dollar durch die NIH finanziert wird, sowie zu akademischen und industriellen Kooperationsmöglichkeiten. Für ein Pharmawerk klingt das trocken – in der Praxis entscheidet genau so etwas oft darüber, ob eine große Produktionsanlage nur auf dem Papier gut aussieht oder später auch genügend Leute an den Maschinen stehen.
Steuerhilfe und ein schwieriger Preismarkt
Bayer will beim Ohio Department of Development eine Steuervergünstigung zur Schaffung von Arbeitsplätzen beantragen. Zusätzlich ist Unterstützung durch JobsOhio geplant. Einzelheiten sollen veröffentlicht werden, sobald eine endgültige Vereinbarung abgeschlossen ist.
In den vergangenen fünf Jahren investierte Bayer nach Angaben aus Ohio mehr als 7 Milliarden US-Dollar in Forschung, Entwicklung und Produktion in den USA. Das Projekt ist Teil der langfristigen Wachstumsstrategie und soll die Innovations- und Produktionskapazitäten für den US-Pharmamarkt stärken.
Der Ausbau fällt in eine politisch angespannte Zeit. Medikamente sind in den USA teilweise fast dreimal so teuer wie in anderen Industrieländern. US-Präsident Trump fordert Pharmakonzerne deshalb auf, ihre Preise zu senken, und andere Länder dazu, ihre Medikamentenpreise zu erhöhen. Ein neuer Produktionsstandort löst diesen Preisstreit nicht automatisch, er verschiebt aber einen Teil der Debatte auf die Frage, wo und unter welchen Bedingungen Arzneimittel künftig hergestellt werden.
Bayer beschäftigte im Geschäftsjahr 2025 weltweit rund 88.000 Menschen. Der Konzern erzielte 2025 einen Umsatz von 45,6 Milliarden Euro und gab 5,8 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus. Bayer weist zugleich darauf hin, dass Aussagen zu künftigen Entwicklungen auf Annahmen und Prognosen beruhen und von den tatsächlichen Ergebnissen abweichen können. Bis 2031 ist schließlich noch einiges an Baustellenlärm, Genehmigungen und Feinarbeit zu bewältigen.
