Für Fahrgäste im Großraum Nürnberg wird der Jahreswechsel teurer: Zum 1. Januar 2027 erhöht der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) seine Ticketpreise durchschnittlich um 5,86 Prozent. Wer morgens noch schnell zur Haltestelle läuft, wird davon zunächst wenig merken – beim Kauf eines klassischen Tickets fällt der Unterschied aber durchaus auf.

Die jährliche Anpassung folgt einem Mobilitätsindex. Darin berücksichtigt der VGN sowohl erwartete Kostensteigerungen der Verkehrsunternehmen als auch die Einkommensentwicklung privater Haushalte. Als Kostentreiber nennt der Verbund gestiegene Personalkosten, höhere Stations- und Trassenpreise im Schienenverkehr sowie erwartete Preissteigerungen bei Anschaffung und Wartung von Bussen und Bahnen.

Einzelfahrten und Tagesticket werden teurer

Betroffen ist laut VGN allerdings nur ein kleinerer Teil der Verkäufe. Klassische Tickets – also Einzel-, Mehrfahrten- und Zeitkarten – bringen noch rund ein Viertel der Fahrgeldeinnahmen ein.

Preisstufe Erwachsene ab 1. Januar 2027 Kinder ab 1. Januar 2027
K 2,20 Euro, 10 Cent mehr 1,10 Euro
A 4,10 Euro, 20 Cent mehr 2,00 Euro, 10 Cent mehr
B 3,50 Euro, 20 Cent mehr 1,70 Euro, 10 Cent mehr
C 3,30 Euro, 20 Cent mehr 1,60 Euro, 10 Cent mehr

In kleineren Stadtverkehren der Preisstufen D bis F steigen die Preise für Erwachsene und Kinder jeweils um 10 Cent. Das verbundweit gültige Tagesticket Plus wird um 1,60 Euro teurer und kostet künftig 28,10 Euro.

Das 365-Euro-Ticket für Schülerinnen, Schüler und Auszubildende bleibt dagegen unverändert. Den Preis legt der Freistaat Bayern fest. Auf den Preis des Deutschlandtickets hat der VGN ebenfalls keinen Einfluss.

Finanzierung bleibt ein empfindlicher Punkt

Die Fahrgeldeinnahmen decken nach Angaben des VGN nur 29 Prozent der Kosten des Verkehrsangebots. Bund und Länder hätten die Ausgleichsleistungen für das Deutschlandticket nicht an die Kostenentwicklung angepasst, erklärt der Verbund. Die daraus entstehende Finanzierungslücke müsse deshalb teilweise über höhere Fahrpreise von den Fahrgästen getragen werden.

Das Deutschlandticket selbst kostet ab dem 1. Januar 2027 monatlich 66,80 Euro statt bisher 63 Euro. Die Erhöhung um 3,80 Euro wird mit gestiegenen Personal-, Energie- und allgemeinen Kosten begründet. Für 2027 sind außerdem 63,46 Euro für das Jobticket und 40,08 Euro für das Semesterticket vorgesehen.

Erstmals wurde der Preis nicht politisch ausgehandelt, sondern mithilfe einer Preisformel berechnet. Ein Preisindex bildet anhand statistischer Daten die Entwicklung der Personal- und Energiekosten ab. Steigt die Inflation stärker, zieht auch der Ticketpreis stärker an. Zusätzlich fließt ein, dass die jährlichen Ausgleichszahlungen von Bund und Ländern über drei Milliarden Euro festgeschrieben sind und nicht automatisch mitwachsen.

Mehr als 14 Millionen Nutzer, mehr Streit

Festgelegt wird der Preis vom „Koordinierungsrat Deutschlandticket“, in dem Bund, Länder, kommunale Spitzenverbände und die Verkehrsbranche vertreten sind. Das Verfahren soll die jährlichen politischen Streitereien über die Finanzierung vermeiden und den Fortbestand des Tickets sichern. Rund 14,5 Millionen Menschen nutzen das Angebot derzeit für den bundesweiten Regional- und Nahverkehr. Kündigen lässt es sich monatlich.

Seit seiner Einführung ist der Preis schrittweise gestiegen: zunächst auf 49 Euro, danach auf 58 Euro und zuletzt auf 63 Euro. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen hält die Preisfestlegung für notwendig. Für die Information der Kunden und die Umstellung des Vertriebs werden laut VDV rund drei Monate benötigt – viel Zeit bleibt also nicht, wenn in den Kundenzentren nicht plötzlich alles knirschen soll.

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger erklärte, das Ticket bleibe trotz der Erhöhung ein attraktives Angebot für klimafreundliche Mobilität. Bund und Länder hätten die Finanzierung bis 2030 gesichert; nun solle der Nutzerkreis weiter wachsen. Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht die Sache anders und forderte stattdessen einen Rabatt für Deutschlandticket-Nutzer.

Auch der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Oliver Krischer kritisierte die Erhöhung. Die Bundesregierung habe im Koalitionsvertrag Preisstabilität versprochen, sagte er. Den automatisierten Preismechanismus bezeichnete Krischer als nachteilig für den Erfolg des Tickets. Mehr Nutzer könnten langfristig zu stabileren Preisen beitragen, argumentierte er. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, kurz BUND, schloss sich der Kritik an: Die Bundesregierung stelle 2,5 Milliarden Euro für einen weiteren Tankrabatt bereit, halte das Deutschlandticket aber nicht preisstabil.

Baustellen auf fränkischen Bahnstrecken

Parallel zur Preisdebatte bleibt die Lage auf mehreren Bahnstrecken in Franken angespannt. Zwischen Würzburg und Bamberg kommt es noch bis Mitte Oktober zu Zugausfällen. Im November sind die Landkreise Aschaffenburg und Main-Spessart betroffen. Wer dort unterwegs ist, braucht neben dem Ticket derzeit also auch etwas Geduld – und gelegentlich einen Plan B.