Am 18. September 2026 hat EnBW am Konzernsitz in Karlsruhe einen neuen Schnellladepark eröffnet. Der Standort liegt an der Ecke Gerwigstraße/Ostring in der Oststadt, nahe Geschäften sowie den Autobahnen A5 und A8. Gebaut wurde der öffentliche Ladepark an der Durlacher Allee – praktisch für alle, die unterwegs schnell Strom brauchen und nicht erst lange suchen wollen.

Zwölf High-Power-Charging-Ladepunkte sind zunächst in Betrieb. Eine Erweiterung auf bis zu 20 Ladepunkte ist vorgesehen. Mit bis zu 480 Kilowatt setzt EnBW an diesem Standort erstmals diese Leistungsklasse ein. Rechnerisch können einzelne Elektroautos in 20 Minuten bis zu 640 Kilometer zusätzliche Reichweite laden. Mehrere hundert Kilometer in wenigen Minuten – das klingt erstmal nach einer Kaffeepause, die plötzlich ziemlich viel bewirkt.

Sitzen, laden, weiterfahren

Der Ladepark soll rund um die Uhr geöffnet sein und wird mit Ökostrom aus vollständig erneuerbaren Energien betrieben. Für die Ladepause gibt es einen jederzeit zugänglichen Aufenthaltsbereich mit Sitzmöglichkeiten sowie Getränke-, Snack- und Kaffeeautomaten. Eine automatisierte WC-Anlage gehört ebenfalls dazu. Zusätzlich ist ein Testbereich geplant, in dem im lokalen Ladelabor geprüfte Produkte unter Realbedingungen getestet werden können.

Teilüberdacht wird die Anlage mit einer Photovoltaikanlage, deren Spitzenleistung bei 16 Kilowatt liegt. Schon beim Bau will EnBW, soweit technisch und wirtschaftlich möglich, elektrische Baumaschinen und Baugeräte einsetzen. Eine temporäre Solaranlage mit Speicher soll kleinere elektrische Geräte auf der Baustelle versorgen. Für nicht elektrifizierbare Geräte ist HVO-Kraftstoff vorgesehen. Dadurch sollen bis zu etwa 50 Tonnen CO₂ eingespart und zugleich die Baustellenlärmemissionen reduziert werden. Die Erfahrungen aus dem Projekt sollen später in weitere Bauvorhaben einfließen.

Was das Laden kostet

Mit dem EnBW-mobility+-Tarif L fällt eine Grundgebühr von 11,99 Euro pro Monat an. Regulär kostet die Kilowattstunde ab 39 Cent, im Vorteilstarif sind es 35 Cent. Wer ohne EnBW-Tarif lädt, zahlt 79 Cent pro Kilowattstunde.

Die Ladeplätze sind ausdrücklich keine Parkplätze. Wer sein Fahrzeug länger als vier Stunden angeschlossen lässt, muss mit einer Blockiergebühr von 10 Cent pro Minute rechnen. Bei maximal 12 Euro pro Ladevorgang ist diese Gebühr gedeckelt. Ein schneller Einkauf nebenan ist also drin – ein halber Arbeitstag eher nicht.

Karlsruhe im größeren Ladenetz

Staatssekretär Raimund Haser zufolge gibt es in Baden-Württemberg rund 36.000 Ladepunkte, darunter etwa 6.500 Schnellladepunkte. Ein Ladepunkt ist dabei jeweils ein Anschluss für ein Elektroauto; eine Ladesäule oder Ladestation kann mehrere solcher Anschlüsse haben. EnBW bezeichnet sich als Betreiber des größten Schnellladenetzes Deutschlands. Im Durchschnitt liegt dem Unternehmen zufolge alle 50 Kilometer ein EnBW-Schnellladepunkt. Auch bei einem erwarteten starken Anstieg der Zahl von Elektrofahrzeugen will EnBW künftig 20 Prozent der benötigten Schnellladeinfrastruktur bereitstellen.

Der Ausbau ist kein Nebenschauplatz. Öffentliche Ladepunkte sind für den Betrieb von Elektroautos erforderlich, und ihre Zahl in Deutschland wächst kontinuierlich. Die Bundesregierung verfolgt das Ziel eines flächendeckenden Netzes mit einer Million Ladepunkten bis 2030. Für das Eigenheim werden Ladeeinrichtungen meist als Wallbox bezeichnet – wer dort laden kann, braucht unterwegs entsprechend seltener eine öffentliche Säule.

Für Verbraucher bleibt eine unzureichende Ladeinfrastruktur trotzdem ein wichtiger Grund gegen den Kauf eines Elektroautos. Außerdem zählt nicht nur die Zahl der Anschlüsse, sondern auch deren Leistung: Je höher sie ist, desto kürzer dauert der Ladevorgang. Bislang dominieren Normalladepunkte mit bis zu 22 Kilowatt, während die Zahl der Schnellladepunkte in den verschiedenen Leistungsklassen weiter zunimmt.

Im Januar 2026 lag die durchschnittliche Ladeleistung je öffentlichem Ladepunkt in Deutschland bei rund 42,19 Kilowatt. Damit stieg sie stärker als im Vorjahr. Bei der Gesamtzahl öffentlicher Ladepunkte lag Deutschland in Europa hinter den Niederlanden auf Platz zwei. Nordrhein-Westfalen hatte im Januar 2026 die meisten öffentlichen Ladepunkte; im Vorjahr war Bayern führend. Die höchste durchschnittliche Ladeleistung wurde in Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet.

Wie viele Anschlüsse tatsächlich gebraucht werden, hängt auch vom Alltag der Fahrer ab. Wird überwiegend zu Hause geladen, reichen weniger öffentliche Ladesäulen. In Regionen, in denen Menschen stärker auf öffentliches Laden angewiesen sind, steigt der Bedarf. Im März 2026 lag die durchschnittliche Zahl der Ladevorgänge je öffentlichem Ladepunkt bei High-Power-Charging-Ladepunkten im Fernverkehr am höchsten.

Beim Verhältnis von gemeldeten Elektroautos zu Schnellladepunkten zeigen sich ebenfalls deutliche Unterschiede: In Thüringen kamen etwa 31,8 Elektroautos auf einen Schnellladepunkt – der niedrigste Wert. Im Saarland waren es rund 102,8 Fahrzeuge, der höchste Wert. Deutschlandweit lag der Durchschnitt bei rund 70,6 Elektroautos je Schnellladepunkt.

Mehr als Strom aus der Säule

Beim Laden geht es künftig nicht zwingend nur um die Richtung Steckdose zu Autobatterie. Bidirektionales Laden ermöglicht, gespeicherten Strom aus der Batterie an Geräte, das Haus oder das öffentliche Stromnetz abzugeben. Bei Vehicle-to-Load beziehungsweise Vehicle-to-Device wird über eine Schuko-Steckdose im oder am Fahrzeug ein externes Gerät geladen. Vehicle-to-Home bedeutet, dass ein an eine Wallbox angeschlossenes Elektroauto Energie in das Hausnetz speist. Bei Vehicle-to-Grid fließt der Strom zurück ins öffentliche Netz.

Gerade Vehicle-to-Grid könnte helfen, Schwankungen bei der Stromversorgung aus erneuerbaren Energien auszugleichen. Für eine großflächige Anwendung sind allerdings noch technologische, wirtschaftliche und rechtliche Schritte nötig. Unter deutschen Elektroautofahrern ist die Bereitschaft, bidirektionales Laden zu nutzen, bereits hoch.

International bleibt China mit deutlichem Abstand das Land mit den meisten Ladepunkten. Rund die Hälfte aller Elektroautos weltweit ist dort unterwegs. In Europa sind die Niederlande besonders gut ausgestattet: 2025 wurden dort rund 200.000 Ladepunkte mehr gezählt als in Deutschland und Frankreich. Auch im Verhältnis zum Elektroauto-Bestand gehörten die Niederlande im EU-Vergleich zu den Ländern mit der besten Ausstattung. Deutschland lag beim Verhältnis von Elektroautos je Ladepunkt über dem EU-Durchschnitt.

Die Einordnung zur Ladeinfrastruktur stammt aus einem am 26. Mai 2026 von René Muschter veröffentlichten Artikel. In Karlsruhe stehen derweil die ersten Fahrzeuge an den neuen Säulen, irgendwo läuft Kaffee aus dem Automaten in einen Pappbecher, und hinter der Teilüberdachung blinkt die Anzeige schon wieder auf Grün.