G7 berät über Dieselrisiken für Baustellen und Energiewende
Steigende Energiepreise beschäftigen längst nicht mehr nur Tankstellen, Speditionen und Pendler. Auch am Bau wird genau hingeschaut: Diesel treibt Maschinen, Lieferverkehr und Baustellenlogistik an. Jede Nachricht über mögliche Engpässe landet deshalb ziemlich schnell auf dem Taschenrechner. Heute, am 2.10.2026, beraten die Staats- und Regierungschefs der G7 über die weltweite Energiesituation.
Das virtuelle Treffen richtet der französische Präsident Emmanuel Macron aus. Frankreich hat in diesem Jahr den Vorsitz der G7 inne; Deutschland gehört neben Frankreich und den USA zu dem Zusammenschluss. Auf europäischer Ebene laufen parallel Gespräche darüber, wie mögliche Maßnahmen koordiniert werden können. Macron sprach außerdem mit dem kanadischen Regierungschef Mark Carney.
Berlin mahnt zur Ruhe
Die Bundesregierung reagierte zuvor zurückhaltend auf die US-Forderung nach einer Freigabe von Dieselreserven. Regierungssprecher Sebastian Hille sagte, die Märkte dürften nicht weiter verunsichert werden. Die Versorgungssicherheit habe höchste Priorität. Zugleich blieben die USA ein verlässlicher Partner, auch bei Kraftstofflieferungen. Alle Beteiligten sollten besonnen handeln.
Der Hintergrund: US-Präsident Donald Trump hatte in der Vorwoche angekündigt, einen Exportstopp für Diesel zu prüfen. Ein solcher Stopp könnte auch europäische Länder treffen. Trump zufolge könnte eine Unterbrechung der US-Dieselausfuhren die Kraftstoffpreise in den Vereinigten Staaten leicht senken. US-Finanzminister Scott Bessent hielt einen vollständigen oder teilweisen Exportstopp für möglich.
Für Europa wäre das kein kleiner Nebensatz. Die USA waren in den vergangenen Jahren nach dem Nahen Osten Europas wichtigster Diesellieferant. Fällt ein Teil dieser Mengen weg, kann das auch hierzulande Folgen haben. Laut Bundesregierung liegen die hohen Kraftstoffpreise derzeit vor allem an der Lage im Nahen Osten und der damit verbundenen Angebotsverknappung.
Reserven nur gemeinsam mit der IEA
Die Freigabe von Kraftstoffreserven erfolgt grundsätzlich im Rahmen der Internationalen Energieagentur (IEA). Sie ist freiwillig und koordiniert. Deutschland liegen derzeit keine neuen Anforderungen der IEA vor; eine vergleichbare Freigabe hatte es zuletzt im Frühjahr gegeben.
Eine Sprecherin der EU-Kommission erklärte zugleich die grundsätzliche Bereitschaft der Europäischen Union, strategische Ölreserven im Rahmen eines gemeinsamen IEA-Vorgehens freizugeben. Das klingt zunächst nach einem Plan, ist aber noch keine konkrete Freigabe einzelner Bestände.
Macron sprach mit Trump über die globale Energieversorgung, ein gemeinsames Vorgehen gegen steigende Kraftstoffpreise und die weltweite Verfügbarkeit von Raffinerieprodukten. Die G7-Staaten hätten ein gemeinsames Interesse an einem koordinierten Vorgehen ohne Exportbeschränkungen, betonte der französische Präsident. Der Ölpreis war Anfang September nach knapp zwei Monaten wieder über 100 US-Dollar je Barrel gestiegen.
Für die Bauwirtschaft bleibt damit vieles eine Frage der Lieferketten. Ein Diesel-Lkw kommt nicht nur mit Baustoffen zur Baustelle, auch Bagger, Radlader und Generatoren hängen oft am Kraftstoff. Wird Diesel knapp oder teurer, taucht das früher oder später in Transportpauschalen, Nachträgen und Baupreisen auf. Nicht sofort, nicht überall – aber meistens dort, wo ohnehin knapp kalkuliert wurde.
Energiefrage bleibt auch eine Klimafrage
Der World Energy Outlook 2025 der IEA zeigt, wie weit die aktuelle Versorgungspolitik und die langfristige Klimapolitik miteinander verknüpft sind. Die globalen energiebedingten CO₂-Emissionen erreichten 2024 mit 38 Gigatonnen (Gt) einen Rekordwert.
Im CPS bleiben die Emissionen ungefähr auf diesem Niveau. 2050 liegen sie rund 10 Gt unter der Modellierung dieses Szenarios von 2019. Im STEPS sinken die Emissionen bis 2050 wieder auf unter 30 Gt. Die Entwicklungspfade entsprächen einem erwarteten Temperaturanstieg bis 2100 von fast 3 °C im CPS und 2,5 °C im STEPS.
Das aktualisierte NZE-Szenario rechnet bis 2030 mit einer langsameren Emissionsminderung als frühere Ausgaben. Gründe sind die weiterhin hohen Emissionen der vergangenen Jahre und der schleppende Ausbau sauberer Energien in einigen Bereichen. Eine Überschreitung des 1,5-Grad-Ziels gilt darin als unvermeidlich; die maximale Erwärmung liegt mehrere Jahrzehnte über 1,5 °C. Bis 2100 sinkt sie wieder unter 1,5 °C – vorausgesetzt, der Energiesektor wird rasch umgebaut und CO₂-Entnahmetechnologien werden umfassend eingesetzt. Diese Technologien sind bislang allerdings noch nicht im großen Maßstab erprobt.
Ein Entwicklungspfad zur Begrenzung der schwerwiegendsten Klimarisiken bleibt laut IEA möglich. Bei wichtigen Technologien gibt es eine starke Dynamik. Zehn Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen haben allerdings einige formelle Zusagen der Staaten an Wirkung verloren. Die USA sind aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen.
Was das für Investitionen bedeutet
Die bis November 2025 im Rahmen der neuen NDC-Runde gemeldeten nationalen Klimabeiträge verbessern die im STEPS angenommene Entwicklung insgesamt nur geringfügig. Die Länder, die bis November 2025 neue NDCs vorgelegt hatten, verursachten 2024 zusammen rund 20 Gt energiebedingte CO₂-Emissionen. Bei vollständiger Umsetzung ihrer NDCs würden diese Emissionen bis 2035 auf 15–17 Gt sinken. Das entspräche einer Reduzierung um 11–25 % und läge damit auf dem Niveau des STEPS.
Es gibt außerdem Hinweise, dass sich einige Länder, insbesondere China, zu Klimazielen verpflichten, die in der Praxis problemlos übertroffen werden könnten. Auf dem Papier klingt das ordentlich; auf der Baustelle der Energiewende zählt am Ende aber, was tatsächlich ans Netz geht und welche Anlagen wirklich laufen.
Zu den bekannten und häufig kosteneffizienten Maßnahmen gehören der Ausbau von Wind-, Solar-, Wasser- und Geothermie sowie Kernenergie und anderer emissionsarmer Technologien. Hinzu kommen eine bessere Energieeffizienz, weniger Methanemissionen, die Elektrifizierung des Endverbrauchs und der Einsatz von emissionsarmem Wasserstoff. CO₂-Abscheidung, -Nutzung und -Speicherung kann dort eingesetzt werden, wo Elektrifizierung nicht praktikabel ist.
Das auf der COP28 vereinbarte Ziel, die weltweite Kapazität erneuerbarer Energien bis 2030 zu verdreifachen, wird im STEPS annähernd erreicht: Die Kapazität steigt dort auf das 2,6-Fache des Niveaus von 2022. Bei der Energieeffizienz bleibt das Tempo jedoch zurück. Die jährliche Steigerung beträgt im STEPS nur 2 % und liegt damit deutlich hinter dem im VAE-Konsens vereinbarten Ziel von 4 %.
Eine großflächige Umsetzung der Maßnahmen würde stärkere internationale Bemühungen erfordern, damit Investitionen in die Energiewende in Schwellen- und Entwicklungsländern steigen. Zusätzlich wären mehr praktische Maßnahmen nötig, damit diese Investitionen zeitnah konkrete soziale und wirtschaftliche Vorteile schaffen. Bis dahin bleibt auf vielen Baustellen vor allem eines sicher: Der Dieselpreis wird weiterhin mitgerechnet – oft schon bevor der erste Bagger anrollt.
