Auf dem Bau dürften viele derzeit zweimal hinschauen, bevor sie eine Bestellung auslösen: Die Verkaufspreise im Großhandel lagen in Deutschland im September 2026 durchschnittlich 8,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Gegenüber August kamen noch einmal 1,9 Prozent dazu. Das teilte das Statistische Bundesamt mit.

Der Sprung kam nicht aus heiterem Himmel, fiel aber kräftig aus. Im August hatte die Teuerungsrate bei 6,8 Prozent gelegen, im Juli bei 5,3 Prozent. Einen höheren Anstieg gab es zuletzt im Februar 2023 mit 9,5 Prozent. Für Betriebe, die ohnehin mit knappen Kalkulationen, langen Lieferzeiten und hohen Finanzierungskosten hantieren, ist das keine Kleinigkeit.

Energie und Metalle treiben die Preise

Als maßgeblichen Grund nennen die Statistiker die Auswirkungen der Kriegshandlungen im Iran und im Nahen Osten. Besonders Energieprodukte und Vorleistungsgüter wie Metalle verteuerten sich. Bei Mineralölerzeugnissen lagen die Preise im September 2026 sogar 48,8 Prozent über dem Vorjahresmonat; gegenüber August stiegen sie um 10,5 Prozent. Das schlägt schnell durch – beim Transport, bei Maschinen, auf der Baustelle und letztlich auch beim Heizöl im Tank.

Der wieder aufgeflammte Konflikt zwischen den USA und dem Iran ließ die weltweiten Ölpreise steigen. Benzin, Diesel und Heizöl wurden ebenfalls deutlich teurer. Wer morgens mit dem Transporter zur Baustelle fährt oder Material über mehrere Stationen anliefert, merkt solche Ausschläge nicht erst in einer Statistik, sondern an der Zapfsäule.

Auch bei Metallen zog es an: Nicht-Eisen-Erze, -Metalle und Metallhalbzeug kosteten im Jahresvergleich 24,9 Prozent mehr, binnen eines Monats waren es 2,1 Prozent. Chemische Erzeugnisse verteuerten sich gegenüber September 2025 um 16,4 Prozent und gegenüber August um 1,7 Prozent. Datenverarbeitungs- und periphere Geräte lagen 12,1 Prozent über dem Vorjahreswert, ihr Monatsplus betrug 0,8 Prozent.

Getreide rauf, Fleisch teilweise runter

Nicht nur der industrielle Einkauf wurde teurer. Die Preise für Getreide, Rohtabak, Saatgut und Futtermittel stiegen im Großhandel binnen Jahresfrist um 19,3 Prozent, gegenüber August um 6,5 Prozent. Das kann für Bauunternehmen zunächst nach einem Nebenschauplatz klingen. Im Alltag hängen die Kosten aber an vielen Ecken zusammen – von Kantinen und Lieferdiensten bis zu allgemeinen Betriebs- und Transportausgaben.

Ein gemischteres Bild zeigen die Rückgänge bei einigen Waren. Lebende Tiere waren 15,1 Prozent günstiger als im September 2025, legten gegenüber August allerdings um 5,0 Prozent zu. Milch, Milcherzeugnisse, Eier, Speiseöle und Nahrungsfette verbilligten sich im Jahresvergleich um 9,7 Prozent, verteuerten sich zum Vormonat aber um 0,6 Prozent. Bei Fleisch und Fleischwaren stand ein Minus von 6,0 Prozent zum Vorjahr einem Plus von 1,4 Prozent gegenüber August gegenüber. Die Richtung kann sich also von Monat zu Monat drehen – ein bisschen wie eine Baustellenplanung bei verspäteten Lieferungen.

Was bei Verbrauchern und Zinsen ankommt

Großhandelspreise landen nicht automatisch und sofort im Portemonnaie. Preisveränderungen können zeitverzögert und nur teilweise an Verbraucher weitergegeben werden. Trotzdem stiegen die deutschen Verbraucherpreise im September um 3,3 Prozent – so stark wie seit Ende 2023 nicht mehr.

In der Euro-Zone hat die gestiegene Inflation die Spekulationen über weitere Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank angeheizt. Die EZB erhöhte den Leitzins 2026 bereits zweimal; aktuell liegt er bei 2,50 Prozent. Für Oktober wurde zunächst keine weitere Erhöhung erwartet, viele Experten rechneten mit dem nächsten Schritt im Dezember. Für Bauherren und Unternehmen bleibt das unangenehm greifbar: Kredite, Zwischenfinanzierungen und Investitionen werden nicht leichter.

Michael Herzum von Union Investment bezeichnete den Inflationsanstieg allerdings als sichtbar, aber nicht breit angelegt. Die höhere deutsche Inflationsrate sei deshalb kein starkes Argument für eine sofortige EZB-Zinserhöhung. Das klingt weniger dramatisch, als sich die Zahlen beim Blick auf Metall, Diesel oder Heizöl anfühlen.

Für den Bau heißt das am 14.10.2026: Angebote müssen mit Vorsicht kalkuliert werden, gerade dort, wo Energie und Metalle eine große Rolle spielen. Der Großhandel meldet 8,7 Prozent mehr als vor einem Jahr, die Monatskurve zeigt weitere 1,9 Prozent nach oben – und auf vielen Höfen stehen die Paletten trotzdem nicht einfach billiger herum.