Die Tankrechnung wird für viele Betriebe gerade zum echten Brocken. In Deutschland kletterte der Dieselpreis regional auf bis zu 2,60 Euro je Liter. Super E10 kostete mancherorts bis zu 2,40 bis 2,45 Euro. Wer an der Zapfsäule steht, merkt das sofort – und wer einen Traktor oder Lastwagen betankt, spürt es noch ein gutes Stück heftiger.

Bei 2,60 Euro je Liter kostet eine 60-Liter-Tankfüllung rund 150 Euro. Ein Großtraktor mit 600 Litern im Tank kommt auf rund 1.560 Euro; die Tanks großer Traktoren fassen etwa 600 bis 800 Liter. Beim schweren 40-Tonnen-Lkw mit 800 bis 1.500 Litern sind rund 2.000 bis 3.900 Euro fällig. Da rattert der Taschenrechner schon vor dem Motor.

Warum Diesel und Benzin so teuer sind

Hinter dem Preissprung stehen steigende Rohölpreise sowie sehr knappe Vorräte an Destillaten wie Heizöl und Diesel in Europa und den USA. Besonders knapp ist das Dieselangebot auf dem europäischen Markt. Rohöl und vor allem Gasöl, der Ausgangsstoff für Diesel und Benzin, bleiben teuer – deshalb sind weitere Preissteigerungen möglich.

Im Tagesmittel kostete Diesel am Montag rund 2,41 Euro je Liter. Das war etwa so viel wie am Montag der Vorwoche, aber rund 25 Cent mehr als Ende August. Super E10 lag im bundesweiten Mittel bei rund 2,26 Euro je Liter, ebenfalls ungefähr auf dem Niveau der Vorwoche und rund 15 Cent über dem Preis von Ende August.

Der Tankstellenpreis setzt sich aus mehreren Teilen zusammen: Produktkosten für Rohöl, Raffinerie, Transport und Marge, Energiesteuer, CO₂-Abgabe und Mehrwertsteuer. Die Mehrwertsteuer beträgt 19 Prozent und wird auf den gesamten Preis einschließlich Steuern und Abgaben erhoben. Die Rohölkosten machen höchstens etwa die Hälfte des Tankstellenpreises aus.

Beim Diesel entfallen laut ADAC etwa 47 bis 53 Prozent auf staatliche Steuern und Abgaben. Darin stecken unter anderem 47,04 Cent Energiesteuer je Liter, etwa 17 bis 18 Cent CO₂-Abgabe, die Erdölbevorratungsabgabe und die Mehrwertsteuer. Hinzu kommen Produktkosten, Raffineriemargen, Transportkosten und Wechselkurse.

Bei Super E10 liegt der Anteil von Steuern und Abgaben bei rund 58 Prozent. Die Energiesteuer beträgt bei Benzin 65,45 Cent je Liter, bei Diesel 47,04 Cent. Dass Diesel niedriger besteuert wird, ist politisch festgelegt und begünstigt den gewerblichen Verkehr.

Tankrabatt, Preisdeckel und die 12-Uhr-Frage

Ein staatlich subventionierter Tankrabatt soll die Preise drei Monate lang senken. Bundestag und Bundesrat stimmten der Regelung zu. Im Bundestag votierten 434 von 562 Abgeordneten dafür, 128 dagegen. Der Bundesrat rief keinen Vermittlungsausschuss an. Für das Inkrafttreten zum 1. Oktober fehlt noch die Unterzeichnung durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Die Energiesteuer auf Diesel und Benzin soll um 14,04 Cent je Liter sinken. Einschließlich Mehrwertsteuer ergibt sich eine Entlastung von 16,7 Cent je Liter. Eine gesetzliche Pflicht, dass die Mineralölwirtschaft diese Steuersenkung vollständig weitergibt, gibt es allerdings nicht. Union und SPD haben zusätzlich einen Spritpreisdeckel vereinbart, der Preiserhöhungen begrenzen soll.

Der Begriff „Tankrabatt“ steht ursprünglich für die befristete Senkung der Energiesteuer vom 1. Juni bis 31. August 2022. Anlass waren stark gestiegene Kraftstoffpreise infolge der EU-Sanktionen gegen Russland nach dem russischen Überfall auf die Ukraine. Die Maßnahme gehörte zum zweiten Entlastungspaket der Bundesregierung, zu dem auch das 9-Euro-Ticket zählte. Rechtsgrundlage waren Änderungen des Energiesteuergesetzes und der Energiesteuer-Durchführungsverordnung; der Gesetzentwurf der Ampel-Fraktionen datierte vom 10. Mai 2022, der Bundestag beschloss ihn am 19. Mai 2022.

Damals sank die Energiesteuer auf Benzin von 65,45 auf 35,90 Cent je Liter, also um 29,55 Cent. Beim Diesel ging sie von 47,04 auf 33,00 Cent zurück – genau 14,04 Cent. Der Gesetzentwurf veranschlagte Steuermindereinnahmen von 3,15 Milliarden Euro. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums lagen sie tatsächlich bei 3,4 Milliarden Euro.

Anfang Juni 2022 sanken die Tankstellenpreise zunächst sichtbar. Gleichzeitig wurde heftig diskutiert, ob Mineralölkonzerne die Steuerentlastung vollständig an die Kundinnen und Kunden weitergaben. Wirtschaftsminister Habeck plante wegen weiter steigender Preise sogar eine Verschärfung des Kartellrechts, um auch ohne nachgewiesenen Wettbewerbsverstoß in Märkte eingreifen zu können.

Spätere empirische Untersuchungen zeichneten ein anderes Bild: Das ifo-Institut kam auf eine Weitergabe von 85 bis 100 Prozent, Monika Schnitzer auf 89 bis 102 Prozent, Hans-Jörg Schmerer auf nahezu 100 Prozent. Das RWI sprach von einer Weitergabe zu sehr großen Teilen oder vollständig. Ein Vergleich deutscher und französischer Tankstellenpreise zeigte, dass der deutsche Preis im ersten Monat ungefähr im Umfang der Steuersenkung zurückging. In der zweiten Hälfte der dreimonatigen Maßnahme stiegen die Preise wieder; Ende August lag der Dieselpreis in Deutschland über dem französischen Niveau.

Ökonomen kritisierten den Tankrabatt dennoch als wenig zielgenau, als mögliche Umverteilung zugunsten höherer Einkommen und wegen negativer Anreize für den Klimaschutz. Claudia Kemfert vom DIW bezeichnete ihn als wirtschaftlich und ökologisch unsinnig, teuer, sozial ungerecht und als Verschwendung von Steuergeld. Als gezieltere Alternative galten Hilfen nur für das Güterkraftverkehrsgewerbe sowie für schlecht bezahlte Berufspendler mit großer Entfernung zum Arbeitsplatz.

Auch die Bezeichnung selbst wurde kritisiert, weil formal zunächst die Mineralölunternehmen von der Steuersenkung profitierten. Eine 2024 veröffentlichte Untersuchung von FragDenStaat ergab, dass das Bundesfinanzministerium interne Warnungen ignoriert habe, wonach die Maßnahme vor allem Ölkonzernen zugutekommen könnte.

Heute gilt außerdem die 12-Uhr-Regel: Tankstellen dürfen ihre Preise nur einmal täglich, um 12 Uhr, erhöhen. Der ADAC fordert ihre Abschaffung. Sie habe zwar die Zahl der Preisänderungen reduziert und den Zeitpunkt von Erhöhungen vorhersehbarer gemacht, die Preise seien dadurch aber nicht gesunken. Wer nach 12 Uhr tankt, kann erheblich mehr bezahlen. Auch das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung kam zu dem Ergebnis, dass die einmalige tägliche Preiserhöhung zu höheren Durchschnittspreisen führt. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung bewertete die Regelung ebenfalls negativ.

Weitere Rabatte im Jahr 2026

Wegen erneut gestiegener Kraftstoffpreise infolge des Irankriegs schlug die Regierung Merz im April 2026 eine weitere Steuersenkung vor. Die Mineralölsteuer sollte brutto um 17 Cent je Liter sinken, und zwar für zwei Monate. Zusätzlich waren steuerfreie Arbeitgeberprämien von bis zu 1.000 Euro möglich. Gegenfinanziert werden sollte das durch eine Erhöhung der Tabaksteuer.

Der Bundestag beschloss die Regelung am 24. April 2026. Sie galt vom 1. Mai bis 30. Juni 2026. Der Start fiel auf einen Feiertag und wurde durch ein Lkw-Fahrverbot am 3. Mai 2026 ergänzt. Abgerechnet wurden die Mineralölsteuer und ihre Ermäßigung im Großhandel, etwa an der Raffinerie.

Kritiker bemängelten, dass auch Haushalte ohne finanzielle Bedürftigkeit entlastet würden und eine vollständige Weitergabe durch die Mineralölkonzerne nicht sicher sei. Außerdem werde der Anreiz geschwächt, Kraftstoff zu sparen oder weniger Auto zu fahren. Das Geld könne besser in Elektromobilität und Strukturreformen fließen.

Im September 2026 wurde ein dritter Tankrabatt beschlossen, der von Oktober bis Jahresende gelten sollte. Durch eine Senkung von Energie- und Mehrwertsteuer sollte der Preis für Benzin und Diesel um bis zu 17 Cent je Liter sinken. Die erwarteten Steuermindereinnahmen wurden auf 2,485 Milliarden Euro geschätzt; die Hälfte sollte von den Ländern getragen werden.</