Iran-Krieg treibt Ölpreis und Baukosten in die Höhe
Am 7. Oktober 2026 reicht ein Blick auf die Zapfsäulen, um zu merken, dass der Krieg zwischen den USA und Iran nicht irgendwo weit weg bleibt. Seit Ende Februar stocken die Gespräche über eine Waffenruhe, während die Spritpreise steigen. Für verschuldete und ölimportabhängige Länder ist das weit mehr als ein Ärgernis an der Tankstelle: Kenia, Pakistan, Sierra Leone, Tansania und Äthiopien trifft der Angebotsschock besonders hart.
Auslöser des aktuellen Rückgangs sind laut den vorliegenden Berichten der Krieg der USA unter Präsident Donald Trump gegen den Iran und die Bedrohung der Meerenge Bab al-Mandab durch die Huthi-Miliz. Teureres Rohöl macht Treibstoff unmittelbar teurer. Indirekt steigen auch die Kosten für Düngemittel und Lebensmittel. Je ärmer ein Land, desto größer ist meist der wirtschaftliche Schock – bis hin zur Frage, ob Familien überhaupt noch genug zu essen haben.
Ein gefährlicher Weg von der Tankstelle auf die Straße
In Syrien blockierten am 13. September Menschen im Nordosten die wichtige Straße zwischen Hasaka und Deir ez-Zor. Der Konfliktmonitor ACLED registrierte am selben Tag landesweit 36 weitere Proteste. Anlass waren deutliche Erhöhungen der Diesel- und Benzinpreise durch die syrische Regierung.
ACLED-Analyst Muaz Al Abdullah führt die Proteste auf den wirtschaftlichen Druck zurück, der durch die Ausweitung staatlicher Kontrolle auf Gebiete entstanden sei, die zuvor von den Demokratischen Kräften Syriens und der kurdisch geführten Autonomen Verwaltung kontrolliert wurden. Die Bevölkerung könnte dadurch die Regierungsfähigkeit und die Fähigkeit der neuen Regierung infrage stellen, ihre Bedürfnisse zu erfüllen.
Auch in Guatemala blockierten Lastwagenfahrer im September Schnellstraßen, um gegen hohe Spritpreise zu protestieren. In Südasien, besonders in Pakistan, stellten Fachleute seit dem US-Angriff auf den Iran Ende Februar deutlich mehr Proteste fest. Viele Regierungen versuchten seit Beginn des Iran-Kriegs, die Bevölkerung mit kostspieligen Maßnahmen ruhigzuhalten.
Konfliktforscher Tim Wegenast von den Universitäten Konstanz und Luzern beobachtet dabei veränderte Voraussetzungen für Aufstände. Bewaffnete Gruppen hätten größere Anreize, Ölreserven gewaltsam zu kontrollieren; Konflikte um diese Reserven könnten zunehmen. Besonders verletzlich seien ölimportabhängige Staaten, wenn sie hoch verschuldet sind und Preissteigerungen nicht durch staatliche Maßnahmen abfedern können. Ohne ausreichende Mittel für Subventionen drohten Proteste.
Ghana und Kenia fördern unter anderem Dünger staatlich. Wie lange die Haushalte solche Subventionen noch finanzieren können, ist offen. Zugleich verteuert die Aufwertung des US-Dollars gegenüber vielen Währungen die Importe zusätzlich, weil Anleger in Krisenzeiten Geld in der US-Währung anlegen. Wenn Regierungen Subventionen nicht mehr bezahlen können, wächst der Unmut weiter. Als schlimmstes Szenario gelten Umstürze wie beim Arabischen Frühling 2010, dem ebenfalls starke Preissteigerungen vorausgingen.
In sogenannten Anokratien, also Staaten mit semidemokratischen Strukturen, beobachtet Wegenast als Reaktion auf Proteste eine mögliche Einschränkung von Freiheitsrechten. Im Globalen Süden gelten semidemokratische oder politisch nicht gefestigte Regierungen bei Preisschocks als besonders instabil.
Hormus, Bab al-Mandab und ein nervöses Saudi-Arabien
Die Straße von Hormus ist für Handelsschiffe nicht mehr sicher passierbar. Normalerweise laufen dort rund 20 Prozent des weltweiten Energiehandels, darunter täglich etwa 21 Millionen Barrel Öl und jährlich mehr als 80 Millionen Tonnen Flüssigerdgas. An ihrer schmalsten Stelle ist die Meerenge etwa 34 Kilometer breit und verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman; sie liegt zwischen Iran und Oman.
Ende Februar 2026 nahm die Sperrung rund 20 Prozent des weltweiten Ölangebots vom Markt. Die Schiffsdurchfahrten gingen um 95 Prozent zurück. Nach israelisch-amerikanischen Angriffen schloss die iranische Revolutionsgarde die Passage. Wood Mackenzie bezeichnete die Sperrung als größte Bedrohung für die globalen Energiemärkte seit Jahrzehnten. Mehr als 11 Millionen Barrel täglicher Golfproduktion wurden gekürzt, rund 20 Prozent des weltweiten LNG-Angebots waren nicht zugänglich.
Saudi-Arabien fördert rund zehn Millionen Barrel Öl pro Tag und ist damit nach den USA der zweitgrößte Ölproduzent. Weil die USA einen großen Teil ihrer Förderung selbst verbrauchen, bleibt Saudi-Arabien der wichtigste Ölexporteur weltweit; etwa sieben Millionen Barrel verlassen das Land täglich.
Wegen des Kriegs meidet Riad die Straße von Hormus teilweise und nutzt die mehr als 1.200 Kilometer lange Ost-West-Pipeline zum Roten Meer. Von dort wird das Öl per Schiff durch Bab al-Mandab nach Asien oder durch den Suez-Kanal nach Europa gebracht. Die saudischen Exporte über den Pipeline-Endhafen am Roten Meer haben sich laut Internationaler Energieagentur seit Kriegsbeginn mehr als verdoppelt.
Doch auch diese Ausweichroute ist unter Druck. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen bedrohen Bab al-Mandab und kündigten an, keine saudischen Handelsschiffe passieren zu lassen. Die Meerenge ist an ihrer schmalsten Stelle etwa 20 Kilometer breit und damit enger als Hormus. Eine Kontrolle durch die Huthi könnte laut dem Institute for the Study of War die Einrichtung eines sicheren Schiffskorridors erheblich erschweren – für Iran wäre das ein zusätzliches Druckmittel.
Die Ost-West-Pipeline wurde durch Angriffe beschädigt und ist derzeit außer Betrieb. Die Behörden bezeichneten die Stilllegung als Vorsichtsmaßnahme. Normalerweise kann die Leitung bis zu sieben Millionen Barrel Öl täglich zum Roten Meer pumpen. CNN und das Wall Street Journal berichteten unter Berufung auf Satellitenbilder, vermutlich seien Pumpstationen getroffen worden und dort Brände ausgebrochen. Wie groß die Schäden sind und wie lange die Reparaturen dauern, ist unklar.
Saudi-Arabien machte mehrere im Irak gestartete Drohnen für die Angriffe verantwortlich. Das saudische Außenministerium kündigte zunächst keine Vergeltungsmaßnahmen an und forderte die irakische Regierung zum Handeln auf. Bagdad verurteilte den Angriff und untersucht dessen Urheber.
US-Präsident Donald Trump machte wahrscheinlich Iran für den Drohnenangriff auf die Pipeline verantwortlich. Nach eigenen Angaben führte die US-Regierung Gespräche mit den Huthi. Trump sagte, die Huthi wollten nicht gegen die USA kämpfen und ließen die meisten Schiffe passieren. Außerdem erklärte er, mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman gesprochen zu haben. US-Medien berichteten, bin Salman habe wegen des Huthi-Vormarschs um militärische Unterstützung gebeten. Die USA lehnten ein direktes militärisches Eingreifen laut diesen Berichten ab, wollen Saudi-Arabien aber weiterhin mit nachrichtendienstlichen Informationen unterstützen.
Am Montag ist im Oman ein Krisentreffen der Golfstaaten mit Iran zur Situation in der Straße von Hormus geplant. Der iranische Präsident Massud Peseschkian kündigte ein Abkommen zwischen Oman und Iran über neue Schiffsrouten an, das der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation übergeben werden soll. Peseschkian erklärte, Iran befinde sich nicht im Krieg mit Saudi-Arabien und die Huthi hätten eigene Probleme. Die Jemen-Expertin Nadwa Dausari meint dagegen, Iran versuche, die Huthi ähnlich wie die Hisbollah als Verhandlungsmasse einzusetzen. Die Huthi handelten jedoch unabhängiger von Iran und wollten vor allem ihre Macht im Jemen sichern und ausbauen.
Ölpreis, Baukosten und die Rechnung am Ende der Lieferkette
Der Brent-Ölpreis stieg innerhalb eines Monats um mehr als 60 bis 65 Prozent auf 146 US-Dollar je Barrel. Die Unterbrechung war drei- bis fünfmal größer als das arabische Ölembargo von 1973. Hamad Hussain erwartet, dass der Ölpreis wegen der Huthi-Offensive und der Pipelineschäden auf bis zu 120 US-Dollar pro Barrel steigen könnte; ein längerer Konflikt könnte laut weiteren Analysten noch höhere Preise bringen. Der Preis liegt bislang unter dem Jahreshoch von etwa 126 Dollar Ende April. Brent-Öl mit Lieferung im November kostete zuletzt zeitweise fast 110 Dollar pro Barrel, während der Preis im Februar vor dem Krieg bei etwa 70 Dollar lag.
Diesel- und Kerosinpreise könnten laut Wood Mackenzie im schlimmsten Fall knapp 300 US-Dollar je Barrel erreichen. Für Deutschland bedeutet das zunächst höhere Benzin- und Dieselpreise. Super E10 war zuletzt auf einen Rekordwert von 2,22 Euro pro Liter gestiegen und nahm danach weiter zu. Im Erzgebirge wurden am Samstag Dieselpreise zwischen 2,55 und
