Vion zerlegt sein Deutschlandgeschäft und setzt auf die Niederlande
Vion Food Group hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem Nettoverlust von 61,2 Millionen Euro abgeschlossen. Allein 33 Millionen Euro entfielen auf nicht aktivierte latente Steueransprüche, zusätzlich drückten Restrukturierungskosten auf das Ergebnis. Operativ sieht die Lage allerdings weniger düster aus: Das normalisierte EBITDA stieg um 12 Prozent auf 58,1 Millionen Euro, das normalisierte EBIT drehte von minus 5,7 Millionen auf 1,2 Millionen Euro.
Auch der Umsatz legte zu – um 1,3 Prozent auf 4,17 Milliarden Euro. Hauptgrund waren höhere Preise. Das erste Halbjahr lief unter anderem wegen zusätzlicher Exportnachfrage aus den Niederlanden positiv, nachdem die Maul- und Klauenseuche (MKS) in Deutschland für Bewegung am Markt gesorgt hatte. Ab dem Sommer wurde es rauer: China erhob Importzölle auf EU-Schweinefleisch. Für Vion lag der Zoll bei 19,8 Prozent und damit ungefähr doppelt so hoch wie für wichtige niederländische Wettbewerber. Gleichzeitig drückte ein Überangebot in Europa auf die Preise. Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Spanien im November verschärfte die Lage; die Folgen sind weiterhin spürbar.
Deutschlandgeschäft wird Stück für Stück verkauft
Im Rindfleischgeschäft belasteten hohe Einkaufspreise die Margen. Parallel dazu zieht sich Vion aus Deutschland zurück. Nachdem das Bundeskartellamt Mitte 2025 den Gesamtverkauf an Tönnies untersagt hatte, werden die Standorte seit Februar 2026 einzeln veräußert.
Buchloe ging an die irische ABP, Crailsheim an Boeser Frischfleisch. Für Waldkraiburg ist der Verkauf an OSI vorgesehen, die kartellrechtliche Freigabe steht aber noch aus. Hilden wurde geschlossen. Auch die Beteiligung am Standort im niedersächsischen Holdorf soll verkauft worden sein – bestätigt ist das bislang nicht.
Der Food-Service-Bereich soll im vierten Quartal an die niederländische Group of Butchers gehen. Zum Geschäftsfeld gehört insbesondere die Salomon FoodWorld GmbH mit Produktionsstandorten in Großostheim und Holzwickede. Der Verkauf braucht noch die kartellrechtliche Genehmigung. Salomon FoodWorld stellt unter anderem Burger-Patties und Convenience-Produkte für Großküchen und die Systemgastronomie her. Group of Butchers rechnet durch die Übernahme mit Synergien und zusätzlichen Wachstumsmöglichkeiten; das Unternehmen produziert Lebensmittel handwerklich und betreibt bereits mehrere deutsche Standorte, unter anderem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.
Vion begründet den Schritt mit besseren Wachstumsperspektiven für Food Service unter einem neuen Eigentümer. Mit dem Verkauf bezeichnet das Unternehmen den letzten wesentlichen Schritt seiner Neuausrichtung als abgeschlossen. Künftig will sich Vion auf die Kernmärkte in den Benelux-Ländern konzentrieren und das Geschäft ausschließlich aus den Niederlanden steuern.
Der Rückzug kommt nach einem deutlichen Bedeutungsverlust in Deutschland. 2023 war Vion mit 5,3 Millionen Schlachtungen noch das drittgrößte Schlachtunternehmen Deutschlands, hinter Tönnies und Westfleisch. 2024 beschloss der Konzern den Rückzug und verkaufte unter anderem Schlachtstandorte an die EG Südbayern. Die Schlachtzahlen an den verbliebenen Vion-Standorten gingen danach deutlich zurück. Im ISN-Ranking 2024 lag Vion mit 2,4 Millionen Schlachtungen auf Platz 4. Nach dem Scheitern einer Übernahme durch die Premium Food Group wurden weitere Unternehmensteile an verschiedene Käufer verteilt – Crailsheim an Boeser Frischfleisch, Buchloe an ABP und Waldkraiburg an OSI.
Apeldoorn macht dicht
In den Niederlanden steht ebenfalls eine Standortveränderung an. Die Schließung des Schweineschlachthofs in Apeldoorn wurde am Vortag bekanntgegeben. Dort werden maximal 30.000 Schweine pro Woche verarbeitet. Der Grund ist der schrumpfende Schweinebestand in den Niederlanden. Die Mengen sollen künftig auf Boxtel, Groenlo und Scherpenzeel verteilt werden.
Für Mäster im Norden der Niederlande bedeutet das längere Transportwege. Ein Detail, das in Bilanzen schnell untergeht, bei den Betroffenen aber ziemlich direkt auf der Landkarte liegt.
Die Finanzierung ist für weitere drei Jahre gesichert. Sie soll den Umbau des Unternehmens ermöglichen. Wachstum erhofft sich Vion unter anderem von Kettenkonzepten wie Good Farming Star und der Bio-Marke De Groene Weg. Der Umsatz des De-Groene-Weg-Webshops stieg um 40 Prozent.
Vom Tierkörperverwerter zum internationalen Fleischkonzern
Vion N.V., auch Vion Food Group genannt, hat seinen Sitz in Boxtel in den Niederlanden. Die Aktiengesellschaft wurde 1934 gegründet, CEO ist Ronald Lotgerink, CFO Tjarda Klimp. Zum Stand 31. Dezember 2021 beschäftigte der Konzern durchschnittlich 12.281 Menschen, einschließlich Beschäftigter von Subunternehmen, und erzielte damals 4,6 Milliarden Euro Umsatz. Eigentümer ist die Stiftung Administratiekantoor SBT; der deutsche Unternehmenssitz befindet sich in Buchloe.
Vion zählt weltweit zu den größten Fleischunternehmen und war der drittgrößte Schlachtkonzern in Deutschland. Der Konzern verfügt über Produktionsstandorte in Deutschland, den Niederlanden und Belgien sowie Verkaufsbüros weltweit. Heute arbeitet er in den Bereichen Beef, Pork, Food Service und Retail. Angeboten werden Schweine- und Rindfleisch, daraus hergestellte Produkte und pflanzliche Fleischalternativen. Abnehmer sind der Lebensmitteleinzelhandel, die Fleischwarenindustrie, der Großverbraucherhandel und die Gastronomie.
Die Geschichte begann allerdings nicht mit Burger-Patties, sondern mit Tierkörpern: 1934 gründete der Bauernverband Noordbrabantse Christelijke Boerenbond (NCB) das Unternehmen Destructor NCB zur Beseitigung von Tierkörpern. In den 1980er- und 1990er-Jahren expandierte es durch Übernahmen in Produkte aus Schlachtnebenprodukten, vor allem Gelatine, und wurde in Sobel N.V. umbenannt.
1990 fusionierte die NCB mit der Christelijke Boeren- en Tuindersbond (CBTB) zur Zuidelijke Land- en Tuinbouw Organisatie (ZLTO). 2002 beschloss die ZLTO den Einstieg in die Fleischindustrie. Sobel N.V. wurde in die Holding Best Agrifund N.V. überführt, zusätzlich entstand die Tochterholding Bestmeat Company N.V.
2003 übernahm Bestmeat zunächst das deutsche Schlachtunternehmen Moksel in Buchloe, später das niederländische Fleischunternehmen Dumeco und Ende des Jahres die Norddeutsche Fleischzentrale (NFZ/Nordfleisch), damals der zweitgrößte deutsche Fleischkonzern und größte deutsche Schweineschlachter. 2004 folgte Hendrix Meat, eine Tochter von Nutreco, 2005 das deutsche Unternehmen Südfleisch. Best Agrifund wurde 2004 in Sovion N.V. und 2006 in VION Food Group umbenannt. Der Umsatz stieg von rund 760 Millionen Euro im Jahr 2002 auf mehr als 7 Milliarden Euro im Jahr 2007.
2008 kamen das englische Unternehmen J&J Tranfield und das schottische Lamm- und Geflügelfleischunternehmen Grampian für mehr als 400 Millionen Euro hinzu. 2010 übernahm Vion den niederländischen Rinderschlachter Weyl Beef.
Standorte, Marken und alte Baustellen
In den 2010er-Jahren verkaufte Vion mehrere Tochterunternehmen, um sich auf die Fleischverarbeitung in Deutschland und den Niederlanden zu konzentrieren. 2009 ging die australische Tatiara Meat Company an die JBS-Tochter Swift Australia, 2012 das britische Schweinegeschäft an die 2 Sisters Food Group. 2014 wurde Lutz Fleischwaren verkauft, damit Vion den Schwerpunkt auf das Schlachtgeschäft legen konnte. Lutz Fleischwaren meldete 2017 Insolvenz an; Vion und Tönnies übernahmen anschließend verschiedene Standorte. Vion kaufte Otto Nocker in Germaringen sowie sechs Fleisch- und Frischemärkte von Lutz zurück. Germaringen wurde 2020 geschlossen.
Geschlossen wurden außerdem Lübeck und Lüneburg 2006, Anklam und Frankfurt am Main 2015, Riedlingen und Zeven 2017, Bad Bramstedt 2023 sowie Emstek 2024. Die Betriebe in Ahlen und Altenburg sollten im Januar 2024 vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden an Tönnies verkauft werden. Der Schlachthof in Perleberg sollte an den Schlachter Uhlen aus Lengerich gehen. Der Standort Emstek wurde geschlossen.
Insgesamt verfügt Vion
