Isabella Webers Plan gegen Unsicherheit: Grundpreise sichern, Wohnkosten entlasten
Am 3.10.2026 richtet sich der Blick nach Baupreise – und damit auf eine Frage, die beim Einkauf, bei der Miete und auf der Baustelle gleichermaßen ankommt: Wie kann Wirtschaftspolitik den Alltag wieder berechenbarer machen? Die Ökonomin Isabella Weber fordert dafür eine grundlegende Änderung der deutschen Wirtschaftspolitik. Ihr Ziel: dem Erstarken rechter Parteien entgegenzuwirken.
Weber beschreibt Deutschland als von einer mehrfachen Wirtschafts- und Staatskrise betroffen. Viele Menschen erlebten Orientierungslosigkeit und fehlende Zukunftsperspektiven. Forschungen seit den 1930er-Jahren zeigten einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Unsicherheit, Krisen und wachsender Unterstützung für rechtsextreme Kräfte, sagt sie. Menschen, die AfD wählen, litten häufig unter finanzieller Unsicherheit und suchten eine Alternative zum bestehenden Zustand.
Grundnahrungsmittel mit Höchstpreisen absichern
Ihr Vorschlag setzt bei den Dingen an, die täglich auf dem Einkaufszettel landen: Der Staat solle Höchstpreise für einen Warenkorb mit Grundnahrungsmitteln wie Getreide, Reis und Öl festlegen. Zusätzlich müsse er große Vorräte dieser Lebensmittel anlegen, damit die Preise in Krisenzeiten stabil gehalten werden können.
Auch große Supermarktketten sollten sich nach Webers Vorstellung an den stabilisierten Preisen ausrichten. Als Ausgleich könnten die Unternehmen Subventionen und Steuervergünstigungen erhalten. Übergewinne dürften sie dabei jedoch nicht erzielen. Eine Preisregulierung für eine große Zahl beliebiger Produkte hält Weber dagegen nicht für das Ziel – 97 Kaugummisorten müsse man nicht staatlich ordnen.
„Antifaschistische Wirtschaftspolitik“
Weber nennt ihr Konzept „antifaschistische Wirtschaftspolitik“. Dahinter steht die Forderung, Grundbedürfnisse für alle zu sichern. Der Staat solle bezahlbaren Wohnraum, stark vergünstigten Nahverkehr und günstige Lebensmittel bereitstellen. Wirtschaftspolitik dürfe sich also nicht ausschließlich an Marktmechanismen orientieren.
Gerade beim Wohnen berührt der Ansatz die Baupreise unmittelbar: Wenn Grundstücke, Material, Energie und Finanzierung teurer werden, schlägt das irgendwann auf Mieten und Kaufpreise durch. Weber liefert dazu keine einzelne Maßnahme für die Bauwirtschaft, stellt aber die grundlegende Frage, welche Kosten der Staat abfedern sollte, bevor Unsicherheit weiter wächst.
Als Beispiele für politisch erfolgreiche Konzepte nennt die Ökonomin den New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani und die Berliner linke Spitzenkandidatin Elif Eralp. Mamdani sei es gelungen, eine politische Alternative anzubieten, die allgemein nachvollziehbar sei und nicht nur als „links“ eingeordnet werde.
Beratung rund um den Globus
Isabella Weber lehrt an der University of Massachusetts Amherst und berät Parteien und Regierungen weltweit. Ihre Forderungen zielen weniger auf die Kontrolle jedes einzelnen Preisschilds als auf eine begrenzte Absicherung zentraler Lebensbereiche: volle Regale, kalkulierbare Grundkosten, leistbares Wohnen und ein Nahverkehr, der nicht schon vor Monatsende das Haushaltsbudget auffrisst.
Ob sich Höchstpreise, staatliche Vorräte, Subventionen und Steuervergünstigungen praktisch verbinden lassen, wäre eine politische und wirtschaftliche Großbaustelle. Sicher ist nur: Für viele Haushalte beginnt die Debatte nicht bei abstrakten Marktmechanismen, sondern beim Blick auf den Kassenzettel – und bei der bangen Frage, was die nächste Krise mit den Preisen macht.
