In Italien werden Benzin und Diesel vorübergehend günstiger. Die vier großen Mineralölkonzerne Eni, IP, Q8 und Tamoil senken ihre Kraftstoffpreise freiwillig – auf Bitte von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, die sich öffentlich bei den Unternehmen bedankte. Für Autofahrer klingt das erst einmal erfreulich: An manchen Eni-Tankstellen bildeten sich nach Einführung der neuen Preise lange Schlangen.

Eni führte den Preisdeckel Anfang der Woche ein. Superbenzin kostet höchstens 1,99 Euro pro Liter, Diesel maximal 2,19 Euro. Zuvor lagen die Preise laut italienischen Medien rund 17 Cent je Liter höher. Der teilstaatliche Konzern betreibt etwa 3.900 Tankstellen und ist damit Italiens größter Kraftstoffanbieter.

Preisgrenze bis Ende Oktober

Auch Italia Petroli, Italiens zweitgrößter Tankstellenbetreiber, will die freiwillige Obergrenze schrittweise an rund 3.500 Tankstellen umsetzen. Q8, die italienische Tochter des kuwaitischen Ölkonzerns KPC, schloss sich ebenfalls an. Tamoil erklärte, die Maßnahme solle die Kraftstoffpreise dämpfen und die Mobilität der Bürger sichern. Q8 verwies auf den Verbraucherschutz und die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Eni spricht von einem Solidaritätsbeitrag angesichts geopolitisch gestiegener Treibstoffkosten.

Eni, IP und Q8 kontrollieren gemeinsam etwa die Hälfte des italienischen Tankstellenmarktes; nach den Angaben aus der anderen Quelle kommen Eni, IP und Q8 zusammen sogar auf etwa 55 Prozent. Die privaten Preisobergrenzen gelten zunächst bis Ende Oktober. Eine Verlängerung bis Jahresende ist möglich. Italiens größte Kraftstoffanbieter kündigten außerdem an, in den kommenden Wochen keine oder nur begrenzte Preiserhöhungen vorzunehmen.

Für Eni ist das kein kleiner Verzicht. Bei einem anhaltenden Preisniveau wie zuletzt würde der Konzern rund 17 Cent je Liter aufgeben und dadurch etwa 100 Millionen Euro Einnahmen im Monat verlieren. Die Unternehmen könnten insgesamt auf mehrere Hundert Millionen Euro verzichten. Trotzdem stieg die Eni-Aktie nach Bekanntgabe des Preisdeckels an der Börse um rund drei Prozent. Als Grund gilt unter anderem, dass Eni seine Gewinne wegen der hohen Preise zuletzt deutlich steigern konnte. Der bereinigte Nettogewinn des Konzerns wuchs im ersten Halbjahr 2026 um 43 Prozent auf mehr als 3,6 Milliarden Euro.

Staat zieht sich teilweise zurück

Parallel fährt der italienische Staat seine Unterstützung zurück. Der Diesel-Steuerrabatt wurde von 12,2 auf 6,1 Cent pro Liter halbiert. Die Regelung läuft am 5. Oktober aus; der jüngste Steuerabschlag auf Diesel endet damit im Oktober. Danach ist eine „flexible Verbrauchssteuer“ geplant. Ihre Sätze sollen sich an der Preisentwicklung orientieren, feste Obergrenzen sind nicht vorgesehen.

Die staatliche Beobachtungsstelle für Kraftstoffpreise meldete zuletzt trotz des geringeren Steuerrabatts leicht gesunkene durchschnittliche Benzin- und Dieselpreise. Mehrfach hatte die italienische Regierung wegen stark gestiegener Kraftstoffkosten Steuern gesenkt oder vorübergehend ausgesetzt. Auf einen staatlichen Preisdeckel und eine Übergewinnsteuer verzichtete die Regierungskoalition bislang – stattdessen drängte Meloni die Mineralölunternehmen zu freiwilligen Preissenkungen.

Genau darin steckt der politische Nebeneffekt. In Italien wird über eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne diskutiert. Der freiwillige Preisdeckel könnte helfen, eine solche Abgabe ebenso zu verhindern wie einen gesetzlichen Preisdeckel. Der Energieexperte Simone Tagliapietra vom Thinktank Bruegel bezeichnete den freiwilligen Höchstpreis für Eni als kostengünstiger als staatliche Maßnahmen. Der Konzern verdient derzeit vor allem im Raffineriegeschäft kräftig – und kann sich den Einnahmeverzicht offenbar leisten.

Kritik von kleineren Tankstellen

Kleinere Tankstellenbetreiber sehen die Sache naturgemäß weniger entspannt. Betriebe ohne eigene Raffinerien können mögliche Verluste im Tankstellengeschäft nicht durch höhere Gewinne im Raffineriebereich ausgleichen. Der Verband unabhängiger Energieversorger Assopetroli-Assoenergia fordert laut Rai deshalb, die Preisobergrenze auch auf Großhandelseinkäufe auszuweiten.

Aus Sicht des Verbands ist die derzeitige Regelung marktverzerrend: Kleinere Anbieter könnten die Preise der großen Konzerne nicht erreichen, während Eni, IP und Q8 mit den niedrigeren Endkundenpreisen zusätzliche Marktanteile gewinnen könnten. Tomaso Duso vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung erklärte gegenüber der Tagesschau, Konzerne wie Eni verdienten derzeit sehr viel an ihren Raffinerien, während die Margen an den Tankstellen gering seien. Sie verzichteten daher womöglich nur auf vergleichsweise kleine Tankstellenerträge und profitierten weiterhin von hohen internationalen Preisen.

Warum Deutschland nicht einfach nachziehen kann

Ein staatlich finanzierter Tankrabatt gilt wegen der angespannten italienischen Staatsfinanzen als eher unwahrscheinlich. In Deutschland führte die Regierung unter Friedrich Merz dagegen einen neuen Tankrabatt ein. Er kostet den Staat knapp 2,5 Milliarden Euro an Steuereinnahmen.

Das italienische Modell ließe sich auf Deutschland trotzdem nicht einfach übertragen. Eni befindet sich zu 30 Prozent in staatlichem Besitz, wodurch die italienische Regierung direkten Einfluss hat. Die großen deutschen Tankstellenketten sind vollständig privat. Eine abgestimmte Preisbegrenzung könnte hier zudem gegen EU-Kartellrecht verstoßen. Dazu kommt die kleinteiligere Marktstruktur: Aral, Deutschlands größter Anbieter, hält laut Wirtschaftsverband En2x knapp 15 Prozent Marktanteil. In Italien kommen Eni, IP und Q8 gemeinsam auf etwa 55 Prozent.

Damit ist es in Deutschland deutlich schwieriger, dass ein marktstarker Anbieter vorangeht und andere Tankstellen zum Nachziehen bewegt. Was in Italien an den Zapfsäulen nach wenigen Tagen lange Warteschlangen auslöste, wäre hier rechtlich und wirtschaftlich ein viel holprigerer Weg – eher Stau als Schnellspur.