Baupreise stehen längst nicht mehr nur auf Baustellenschildern oder in Angeboten für Handwerker. Wenn Lebensmittel teurer werden, spüren das auch Haushalte, die ohnehin jeden Euro für Miete, Sanierung oder Neubau umdrehen müssen. Die Ökonomin Isabella Weber fordert deshalb staatlich festgelegte Höchstpreise für Grundnahrungsmittel.

Ihr Vorschlag ist bewusst begrenzt: Nicht sämtliche Produkte sollen staatlich reguliert werden, sondern ein Warenkorb mit wichtigen Lebensmitteln. Zusätzlich solle der Staat große Mengen an Getreide, Reis und Öl einlagern, um in Krisen die Preise stabilisieren zu können. Ein voller Einkaufswagen wäre damit nicht automatisch billig – aber die alltäglichen Grundlagen könnten verlässlicher bezahlbar bleiben.

Ein „Jedermann-Programm“ für den Supermarkt

Als Vorbild nennt Weber Ludwig Erhards „Jedermann-Programm“. Die Regierung könnte Supermarktketten auffordern, Grundnahrungsmittel zu stabilisierten Preisen anzubieten. Im Gegenzug wären Subventionen und Steuervergünstigungen für die Unternehmen möglich. Übergewinne sollen dabei ausgeschlossen werden.

Weber lehrt an der University of Massachusetts in Amherst und berät Parteien und Regierungen weltweit. Angesichts steigender Preise und des Erstarkens rechter Parteien fordert sie eine grundlegend andere Wirtschaftspolitik. Der Staat dürfe sich nicht ausschließlich den Märkten unterordnen, sondern müsse sich stärker an den grundlegenden Bedürfnissen der Menschen orientieren.

Dazu zählt sie bezahlbaren Wohnraum, stark vergünstigten beziehungsweise stark verbilligten Nahverkehr und günstige Lebensmittel. Gerade beim Wohnen trifft diese Forderung den Alltag vieler Menschen unmittelbar: Wo Mieten steigen und Baumaterial, Energie und Handwerkerleistungen teuer sind, bleibt für anderes immer weniger übrig.

Wirtschaftliche Unsicherheit und rechte Parteien

Deutschland befinde sich in einer „multiplen Wirtschafts- und Staatskrise“, sagt Weber. Diese führe zu Orientierungslosigkeit und fehlenden Zukunftsperspektiven beziehungsweise zu Zukunftslosigkeit. Forschungen seit den 1930er-Jahren zeigten ihrer Einschätzung nach einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Unsicherheit, Krisen und dem Zulauf zu rechtsextremen Kräften.

Viele Menschen, die AfD wählen, litten unter finanzieller Unsicherheit und suchten eine Alternative zum bestehenden Zustand, so Weber. Als Gegenmodell beschreibt sie eine „antifaschistische Wirtschaftspolitik“, die grundlegende Bedürfnisse aller Menschen konsequent erfüllt. Das klingt sperrig, meint im Kern aber etwas ziemlich Handfestes: leistbares Wohnen, günstige Wege zur Arbeit und Lebensmittel, die nicht jedes Mal ein Loch ins Haushaltsbudget reißen.

Vorbilder aus New York und Berlin

Dass solche Ansätze politisch Zustimmung finden können, zeigt Weber zufolge der Wahlerfolg von Zohran Mamdani in New York und jener der Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp in Berlin. Beide machten in ihren Wahlkämpfen vor allem die steigenden Lebenshaltungskosten zum Thema.

Mamdani plant in New York fünf städtische Supermärkte mit subventionierten Lebensmittelpreisen. Eralp will im Fall einer Wahl zur Regierenden Bürgermeisterin Hunderttausende Berliner Wohnungen vergesellschaften, um den Einfluss auf die Mietpreise zu erhöhen. Weber bezeichnet diese Politik als „gesunden Menschenverstand“, auch wenn sie als links eingeordnet werde.

Für die Debatte über Baupreise liefert das einen ungewöhnlichen Blickwinkel. Es geht nicht nur darum, was ein Quadratmeter Wohnfläche kostet, sondern auch darum, ob nach Miete, Einkauf und Mobilität noch Geld für Reparaturen, Modernisierung oder den eigenen Neubau bleibt. Der politische Streit um gedeckelte Preise beginnt damit nicht erst auf der Baustelle, sondern schon zwischen Brotre гал, Reispackung und Ölflasche im Supermarktregal.