Für Lindt & Sprüngli wird 2026 zäher als gedacht. Der Schweizer Schokoladenhersteller senkt wegen der Konsumflaute, hoher Kakaopreise und eines heißen Sommers erneut seine Umsatzprognose. Statt eines organischen Wachstums von 4 bis 6 Prozent erwartet der Konzern nun stagnierende Umsätze oder im besten Fall ein Plus von 2 Prozent. Ursprünglich waren sogar 6 bis 8 Prozent angepeilt.

An der Börse kam das gar nicht gut an: Die Aktie fiel am Dienstag um 8 Prozent auf 78,60 Franken. Analysten der Bank Vontobel sehen durch die zweite Prognosekorrektur innerhalb von sechs Monaten den Ruf des Unternehmens als verlässlichen Prognosegeber beschädigt. Das Gewinnziel bleibt dagegen stehen. Die EBIT-Marge soll 2026 gegenüber dem Vorjahr um 20 bis 40 Basispunkte steigen.

Teure Schokolade, vorsichtige Kundschaft

Konzernchef Adalbert Lechner verweist auf historisch hohe Kakaopreise, die deutliche Preiserhöhungen notwendig gemacht hätten. Genau diese höheren Preise bremsen nun die Nachfrage: Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit reagieren Verbraucher preissensibler, Auftragsvolumen bleiben hinter den Erwartungen zurück – vor allem im saisonalen Geschäft.

Besonders schwach lief es in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die extreme Sommerhitze in Europa belastete den Umsatz der gesamten Schokoladenindustrie; bei Temperaturen, bei denen selbst der Einkauf zur schweißtreibenden Angelegenheit wird, wandert mancher Schokoriegel eben nicht in den Einkaufskorb. In Nordamerika und Asien entwickelte sich das Geschäft hingegen robust und verzeichnete Zuwächse.

Lindt will stärker kleinere Verpackungsgrößen anbieten und hat einen Einstellungsstopp verhängt. Gleichzeitig setzt der Konzern auf eine angepasste Preisstrategie, höhere Markeninvestitionen, Innovationen und konsequentes Kostenmanagement. Eine starke Bilanz und weiterhin robuster Free Cashflow sollen zusätzlich helfen.

Ganz so düster blickt Lechner nicht nach vorn: Für 2027 erwartet er eine Erholung der Nachfrage und wieder positives Volumenwachstum. Die Kakaopreise sind gegenüber ihren historischen Höchstständen bereits gesunken, weshalb sich der Kostendruck in den kommenden Monaten schrittweise normalisieren soll. Die mittel- bis langfristigen Ziele ab 2028 bleiben bestätigt: organisches Umsatzwachstum von 6 bis 8 Prozent und eine jährliche Verbesserung der EBIT-Marge um 20 bis 40 Basispunkte.

Der Kakao-Schock wirkt nach

Wie heftig der Rohstoffmarkt ausgeschlagen hat, zeigen die Zahlen: Zwischen Januar 2023 und Januar 2025 stiegen die Kakaopreise um 365 Prozent. Im Dezember 2024 wurden in New York 12.931 US-Dollar je Tonne erreicht, im Februar 2026 fielen die Preise dann auf unter 3.000 US-Dollar. Im Supermarkt kam dieser Absturz bislang allerdings nicht entsprechend an. Hersteller verweisen unter anderem auf bereits abgeschlossene Preisabsicherungen.

Der weltweite Schokoladenmarkt wird für 2025 auf 129,6 Milliarden US-Dollar geschätzt. Bis 2035 soll er wertmäßig jährlich durchschnittlich um 3 Prozent auf 175,7 Milliarden US-Dollar wachsen. Treiber sind vor allem Premiumprodukte und die Expansion in Schwellenländer – nicht wesentlich größere Mengen in den Einkaufswagen.

Europa war 2024 mit 48 Prozent des weltweiten Schokoladenumsatzes der größte Markt, gefolgt von Nordamerika mit 23 Prozent, Asien-Pazifik mit 13 Prozent, Lateinamerika mit 9 Prozent, Nahost und Afrika mit 5 Prozent sowie Australasien mit 2 Prozent. Europa nimmt 58 Prozent der weltweiten Kakaoproduktion auf und ist zugleich der größte Kakaoimporteur. Während Schokolade in europäischen Haushalten häufig als regelmäßiges Alltagsprodukt gekauft wird, spielen Impulskäufe in Nordamerika und Asien eine größere Rolle.

Die fünf größten Anbieter – Mars, Mondelez, Ferrero, Hershey und Nestlé – kontrollierten 2025 zusammen 38 Prozent des Weltmarkts. Mars führte mit 12 Prozent. Milchschokolade stellt weltweit etwa 59 Prozent des Marktes, Zartbitterschokolade gewinnt an Bedeutung, während weiße Schokolade ein kleineres Segment bleibt, vor allem für Konditorei- und personalisierte Produkte.

Frankreich zeigt, wie der Preisdruck ankommt

Frankreich ist für Lindt & Sprüngli der viertgrößte Markt. 2023 erzielte das Unternehmen dort rund 430 Millionen Euro Umsatz, ein Plus von 5,3 Prozent. Der französische Schokoladenmarkt wurde 2023 auf etwa 3,5 Milliarden Euro geschätzt; ungefähr die Hälfte entfiel auf Tafelschokolade. 99,3 Prozent der französischen Haushalte kauften mindestens einmal pro Jahr Schokolade.

Bei Tafelschokolade stieg der Umsatz von 1,33 Milliarden Euro Mitte 2023 auf 1,43 Milliarden Euro Mitte 2024 und 1,66 Milliarden Euro Ende April 2025. Das wertmäßige Wachstum lag bei 2,0, 8,3 beziehungsweise 17,3 Prozent. Die Mengenentwicklung betrug zunächst minus 4,2 Prozent, dann minus 0,2 Prozent und zuletzt plus 3,4 Prozent. Der Durchschnittspreis kletterte von 11,46 Euro je Kilogramm Mitte 2023 auf 14,12 Euro Ende April 2025 – innerhalb von zwei Jahren um mehr als 23 Prozent.

Handelsmarken kamen 2025 bei Tafelschokolade auf einen wertmäßigen Marktanteil von 27,6 Prozent, 29,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Ihr durchschnittlicher Preis lag bei etwa 10 Euro je Kilogramm, nationale Marken kosteten fast 16 Euro. Letztere wuchsen wertmäßig um 13,3 Prozent. Die Inflation teilt das Kaufverhalten: Preisorientierte Kunden greifen häufiger zur Handelsmarke, wohlhabendere bleiben eher Premium-Marken treu.

In Super- und Hypermärkten entfielen nach Volumen 34,3 Prozent auf Tafelschokolade, 29,3 Prozent auf Schokoladenaufstriche, 14,9 Prozent auf Riegel, 12,6 Prozent auf Schokoladenkonfekt und 9 Prozent auf Frühstücksprodukte. 2016 lag Konfekt noch bei 27 Prozent, Aufstriche bei 19 Prozent. Der Anteil der Aufstriche stieg seither um 10 Prozentpunkte. Nutella steht dabei unter anderem im Wettbewerb mit Nocciolata von Rigoni di Asiago.

Auch das Saisongeschäft knirscht. Ostern steht in Frankreich für 11,5 Prozent, Weihnachten für 8,5 Prozent des jährlichen Schokoladenumsatzes. Zu Ostern 2025 erzielte saisonale Schokolade 435,5 Millionen Euro Umsatz, 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig sank der Anteil der kaufenden Haushalte von 58,7 auf 54,7 Prozent. Formschokoladen machten 31 Prozent der Ostersaison aus, entsprechend 134,8 Millionen Euro; saisonale Spezialitäten erzielten 106,9 Millionen Euro, permanente Spezialitäten 45,4 Millionen Euro.

Vom Shop bis zur Kakaoparzelle

Lindt & Sprüngli besteht seit über 180 Jahren und hat Wurzeln in Zürich. Produziert wird an 12 eigenen Standorten in Europa und den USA. Der Vertrieb läuft über 41 Tochtergesellschaften und Zweigniederlassungen sowie rund 100 Distributoren. Dazu kommen rund 650 eigene Shops und etwa 15.500 Mitarbeitende. 2025 setzte der Konzern 5,92 Milliarden Schweizer Franken um. Das Lindt & Sprüngli Farming Program ist seit 2008 Standard für die verantwortungsvolle Kakaobeschaffung.

In Frankreich zählen Barry Callebaut, Cémoi, Ferrero, Lindt & Sprüngli, Mondelez, Mars und Nestlé zu den Unternehmen mit Produktionskapazitäten. Mittelständische Akteure sind unter anderem Valrhona, Weiss und Abtey. Der französische Sektor umfasst 91 Unternehmen, davon 90 Prozent KMU, und beschäftigt direkt rund 30.000 Menschen.

Die EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten gilt seit dem 30. Dezember 2024 für große Unternehmen und seit dem 30. Juni 2025 für Kleinst- und Kleinunternehmen. Kakao aus Gebieten, die nach dem 31. Dezember 2020 entwaldet wurden, darf nicht eingeführt werden. Bei Verstößen drohen Geldbußen von mindestens 4 Prozent des Jahresumsatzes. Die Regel hat Investitionen in die Rückverfolgbarkeit beschleunigt.

Der Anteil zertifizierten Kakaos liegt in Deutschland bei 100 Prozent, in der Schweiz bei 82 Prozent und in Frankreich bei 63 Prozent. Fair-Trade-Kakao erreicht in Deutschland