Montabaurs neues Verbandsgemeindehaus: 45 Millionen Euro und sechs Jahre bis zum Einzug
In Montabaur biegt das neue Verbandsgemeindehaus auf die Zielgerade ein. Weitgehend fertig ist das Gebäude bereits; am 17. November 2026 soll die Verwaltung dort ihren Betrieb aufnehmen. Bis dahin bleiben Restarbeiten, und auch juristisch ist das Bauprojekt noch nicht ganz abgeschlossen.
In seiner letzten Sitzung im bisherigen Rathaus zog der Verbandsgemeinderat zunächst vorläufig Bilanz. Die Zahlen fallen höher aus als einst geplant: Voraussichtlich rund 45 Millionen Euro wird das gesamte Projekt kosten. Davon entfallen 28,5 Millionen Euro auf die reinen Baukosten. Hinzu kommen unter anderem der Grundstückskauf, Honorare für Planung und Bauleitung sowie Rückstellungen für Ausgleichszahlungen an die Stadt, weil vorgesehene Parkplätze nicht gebaut wurden.
Teurer und später als vorgesehen
2018 war noch mit knapp 38 Millionen Euro Gesamtkosten gerechnet worden. Damit liegt das Vorhaben voraussichtlich rund 20 Prozent über dem damaligen Budget. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum stiegen die Baukosten für Nichtwohngebäude in Deutschland laut Baukostenindex um 63 Prozent.
Auch beim Zeitplan lief einiges anders. Vom Spatenstich im September 2020 bis zur Schlüsselübergabe dauerte das Projekt sechs Jahre – ursprünglich waren drei Jahre Bauzeit vorgesehen. Die Corona-Pandemie, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Energiekrise und die Flutkatastrophe im Ahrtal wirkten ebenso hinein wie Lieferengpässe bei Baumaterial. Dazu kamen höhere Material-, Energie- und Personalkosten, mangelhafte Leistungen einzelner Firmen und ein Feuchteschaden.
Der Bauzeitenplan geriet dadurch aus dem vorgesehenen Ablauf. Nachfolgende Gewerke konnten ihre vereinbarten Termine teilweise nicht mehr einhalten, die Projektleitung musste wiederholt nachsteuern. Das klingt trocken, bedeutet in der Praxis aber viel Abstimmung, neue Termine und vermutlich etliche Telefonate, die niemand vermisst.
Rechtliche Fragen sind noch offen
Mit mehreren Firmen bestehen weiterhin rechtliche Auseinandersetzungen über gegenseitige Forderungen. Der Streitwert beträgt insgesamt 2,3 Millionen Euro. Je nach Ausgang könnten die endgültigen Gesamtkosten also noch niedriger ausfallen.
Finanziert wurde das Projekt ohne Kreditaufnahme aus dem Haushalt. Nach Angaben der Verwaltung flossen im selben Zeitraum außerdem Mittel in Schulen, Feuerwehren und weitere kommunale Projekte. Die ersten Planungen für das Gebäude liegen rund zehn Jahre zurück und basierten auf einer umfassenden Bedarfsanalyse.
Seitdem hat sich die Verwaltung verändert. Sie wurde neu strukturiert und übernahm zusätzliche Aufgaben – etwa bei Schulen und Kindertagesstätten, im Bereich Asyl, beim Klimaschutz und Energiemanagement, in der Hochwasservorsorge sowie bei der Digitalisierung. Das neue Haus musste also nicht nur Wände und Schreibtische aufnehmen, sondern auch ein deutlich breiteres Aufgabenfeld.
Arbeitsplätze mit Spielraum
Vorgesehen sind rund 200 Büroarbeitsplätze für 215 Mitarbeiter. Viele Beschäftigte arbeiten in Teilzeit und können sich Arbeitsplätze teilen. Falls die Belegschaft künftig wächst, lassen sich Archive oder Besprechungsräume als Büros nutzen. Einheitliche Raumdimensionen sollen diese Umnutzung erleichtern.
Für Besucher gibt es im Foyer eine zentrale Anlaufstelle. Dort werden Anliegen aufgenommen und an die zuständigen Ansprechpartner weitergeleitet. Bürgerbüro und Standesamt arbeiten weiterhin mit Terminbuchung. Spontane Besuche bleiben möglich, können aber mit Wartezeit verbunden sein.
Die Verwaltung soll am 17. November 2026 in das neue Gebäude einziehen und dort ihren Betrieb aufnehmen. Vorher stehen noch Restarbeiten an – und die juristische Nachbereitung des Bauprojekts hat bereits begonnen.
Baukosten im größeren Maßstab
Wie sich Baupreise einordnen lassen, zeigen unter anderem die Kostendaten-Angebote des BKI. Dort stehen Downloads für den Neubau 2026, den Altbau 2026 und Freianlagen 2025 zur Verfügung. Prof. Dr.-Ing. Bernd Dahlgrün von der HafenCity Universität Hamburg nutzt BKI-Daten zu Baukosten und Bauzeiten im Neu- und Altbau. Prof. Dr.-Ing. Andreas Link von der Hochschule Mainz bezeichnet BKI als Quelle wichtiger Kosten- und Planungsdaten für die Projektentwicklung. Auch Studierende arbeiten damit, etwa bei Machbarkeitsstudien.
Für Fragen zu den Kostendaten gibt es eine Fach-Hotline unter +49 711 954 854-41 sowie die E-Mail-Adresse hotline-kp@bki.de. Zusätzlich stehen ein Kontaktformular und eine TeamViewer-Option zur Verfügung. Als Ansprechpartner werden Daniel Borutta-Adolphs, Dipl.-Ing. Architekt, Patrick Jeske, Martin Mösl, Dipl.-Ing. Dr.-techn. M.A. Architekt, Thomas Schmid, Dipl.-Ing. Landschaftsarchitektur, Tanja Vogt, Dipl.-Ing. (FH) Architektur, und Tabea Stanfield, Bachelor of Arts, genannt.
