Steigende Großhandelspreise setzen Deutschlands Bauwirtschaft unter Druck
Am 14.10.2026 richtet sich der Blick auf die Baupreise – und zugleich auf einen Großhandelsmarkt, der spürbar in Bewegung ist. In Deutschland stiegen die Großhandelspreise im September um 8,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Schon im August hatten die Preise laut dem Bericht infolge des Kriegs im Nahen Osten angezogen, im September legte der Anstieg noch einmal kräftiger zu.
Das wirkt bis in viele Bereiche hinein, auch wenn Lebensmittel im Großhandel nicht durchgehend teurer wurden. Mehrere Produkte waren dort sogar günstiger erhältlich. Als Symbolbild zeigt der Bericht einen Obst- und Gemüsemarkt in Berlin – volle Kisten, geschäftiges Treiben, und irgendwo dazwischen die Frage, was am Ende bei Handel, Handwerk und Kundschaft hängen bleibt.
Ein älterer Vergleich zeigt ein anderes Bild
Ein Blick auf die Destatis-Daten aus dem September 2023 macht deutlich, wie schnell sich das Preisbild drehen kann: Damals lagen die Großhandelsverkaufspreise 4,1 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Das war der stärkste Rückgang gegenüber einem Vorjahresmonat seit Mai 2020, als ein Minus von 4,3 Prozent gemessen wurde. Gegenüber August 2023 stiegen die Großhandelspreise allerdings um 0,2 Prozent.
Als wesentlicher Grund für den Rückgang im Jahresvergleich galt ein Basiseffekt. Im Vorjahr waren die Preise infolge des Kriegs in der Ukraine stark gestiegen. Sinkende Jahresraten bedeuteten also nicht automatisch, dass Waren plötzlich billig wurden – sie wurden lediglich mit einem außergewöhnlich hohen Vorjahresniveau verglichen.
Besonders stark fielen im September 2023 die Preise für Altmaterialien und Reststoffe mit 22,7 Prozent, Getreide, Rohtabak, Saatgut und Futtermittel mit 21,9 Prozent sowie chemische Erzeugnisse mit 20,8 Prozent. Mineralölerzeugnisse verbilligten sich gegenüber September 2022 um 19,8 Prozent, Erze, Metalle und Metallhalbzeug um 14,9 Prozent. Im Monatsvergleich zeigte sich bei Mineralölerzeugnissen aber die Gegenbewegung: Gegenüber August 2023 stiegen sie um 2,9 Prozent.
Teurer als ein Jahr zuvor waren dagegen Obst, Gemüse und Kartoffeln mit 19,7 Prozent. Zucker, Süßwaren und Backwaren legten um 13,4 Prozent zu, lebende Tiere um 10,5 Prozent und Getränke um 8,4 Prozent. Am Berliner Obst- und Gemüsemarkt hätte sich diese Entwicklung vermutlich nicht lange erklären lassen – die Preisschilder sprechen ohnehin ihre eigene Sprache.
Der Index zwischen 2022 und 2023
Der Großhandelspreisindex beruhte in dieser Zeit auf dem Basisjahr 2015 = 100. Im September 2022 lag der Index bei 138,6 Punkten, 19,9 Prozent über dem Vorjahreswert und 1,6 Prozent über dem Vormonat. Im Januar 2023 wurden 134,7 Punkte erreicht, mit einer Jahresrate von plus 10,6 Prozent und einem Monatsanstieg von 0,2 Prozent.
| Monat | Index | Veränderung zum Vorjahr | Veränderung zum Vormonat |
|---|---|---|---|
| Februar 2023 | 134,9 | +8,9 % | +0,1 % |
| März 2023 | 135,2 | +2,0 % | +0,2 % |
| April 2023 | 134,6 | -0,5 % | -0,4 % |
| Mai 2023 | 133,1 | -2,6 % | -1,1 % |
| Juni 2023 | 132,8 | -2,9 % | -0,2 % |
| Juli 2023 | 132,5 | -2,8 % | -0,2 % |
| August 2023 | 132,7 | -2,7 % | +0,2 % |
| September 2023 | 132,9 | -4,1 % | +0,2 % |
Mit dem Berichtsmonat April 2024 wurde der Großhandelspreisindex auf das Basisjahr 2021 umgestellt. Die ersten Ergebnisse auf neuer Basis sollten im Mai 2024 veröffentlicht werden. Weitere Zeitreihen und Informationen sind über die Destatis-Datenbank GENESIS-Online sowie den Statistischen Bericht zur Statistik der Großhandelsverkaufspreise verfügbar.
Was die aktuelle Entwicklung für den Bau bedeutet
Für die Bauwirtschaft sind solche Bewegungen mehr als Zahlenkolonnen. Metallhalbzeug, chemische Erzeugnisse, Mineralölprodukte und andere Vorleistungen tauchen in Lieferketten auf, lange bevor auf der Baustelle der erste Akkuschrauber surrt. Ändern sich die Einkaufspreise, kann das Angebote, Nachkalkulationen und Materialentscheidungen unter Druck setzen. Ein paar Prozent hier, ein Aufschlag dort – und die Rechnung schaut plötzlich anders aus.
Die aktuellen Angaben von Trading Economics weisen für Deutschland im September 2026 einen Großhandelspreisindex von 127,30 Punkten aus, nach 124,90 Punkten im August 2026. Von 1968 bis 2026 lag der Durchschnitt bei 79,95 Punkten. Das Allzeithoch wurde im September 2026 mit 127,30 Punkten erreicht; das Rekordtief stammt aus dem Juli 1968 und lag bei 36,90 Punkten.
Für das Ende des dritten Quartals wird ein Wert von 126,53 Punkten erwartet. Den Prognosen zufolge könnten die Großhandelspreise 2027 bei etwa 129,94 Punkten und 2028 bei 132,80 Punkten liegen. Auf den Baustellen bleibt damit vorerst vieles in Bewegung: Liefertermine, Materiallisten, Taschenrechner – und der kurze Blick aufs Preisschild, bevor der nächste Auftrag rausgeht.
