In Münster entstehen Dinge, die nicht bloß praktisch sind, sondern Haltung zeigen. Zwei Absolventen der Akademie für Gestaltung der Handwerkskammer Münster haben beim Landeswettbewerb „DesignTalente Handwerk NRW 2026“ dafür jetzt jeweils 3.000 Euro Preisgeld bekommen.

Tischlermeister Johannes Bremer aus Herten wurde für seinen Stuhl „Pokus“ im Bereich „Möbel & Außenelemente“ ausgezeichnet. Tischler Jonas Finkeldei aus Lippstadt erhielt den Preis im Bereich „Wohn- und Einrichtungskultur“ für seinen Beistelltisch „Vitiva“. Verliehen wurden die Auszeichnungen bei der Eröffnung der 34. Landesausstellung in der Handwerkskammer zu Köln. Der Wettbewerb wird vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert.

Viele Arbeiten kommen aus Münster

Bremer und Finkeldei haben an der HWK-Akademie den Abschluss „Gestalter im Handwerk“ erworben. Die Akademie auf Haus Kump in Münster verbindet handwerkliche Ausbildung mit Gestaltung und qualifiziert Handwerkerinnen und Handwerker für anspruchsvolle gestalterische Aufgaben.

Wie stark die Münsteraner Bildungseinrichtung in der Ausstellung vertreten ist, zeigt eine Zahl: 19 der 51 ausgestellten Arbeiten sind mit der Akademie verbunden. Damit stammt mehr als ein Drittel der Exponate aus ihrem Umfeld. Zu sehen sind Möbel, Einrichtungsgegenstände, Schmuck, Mode, Skulpturen und Druckmedien. Die 51 Exponate bleiben bis zum 24. Oktober 2026 ausgestellt.

Der Wettbewerb richtet sich an Handwerkerinnen und Handwerker bis 30 Jahre aus ganz Nordrhein-Westfalen. Eine Fachjury wählte herausragende Arbeiten aus fünf Themenbereichen aus; vergeben wurden fünf Preise und ein Sonderpreis.

Abschluss in Haus Kump

Schon am 11. Juli 2026 war Haus Kump Schauplatz eines wichtigen Termins: Bei der Abschlussveranstaltung des Lehrgangs „Designer:in (HWK)“ wurden die Preisverleihung und die Ausstellungseröffnung miteinander verbunden. Rund 190 Gäste kamen, 39 Absolvent:innen schlossen ihre dreijährige Aufstiegsfortbildung ab.

Katharina Semmler, Leiterin des HBZ Münster, begrüßte die Gäste und gratulierte den Absolvent:innen. Danach sprachen Manfred Heilemann, Leiter der Akademie, und Jan Eisermann, Vorsitzender der Prüfungskommission. Sie erläuterten auch ein Abschiedsgeschenk für die Absolvent:innen. Die Abschlussklassen stellten ihre Projekte vor und erhielten ihre Zeugnisse. Anna Claas sprach im Namen beider Klassen über die drei Jahre an der Akademie und überreichte Geschenke an die Dozierenden.

Der Förderverein der Akademie für Gestaltung vergibt zweimal jährlich Preise für herausragende Abschlussprojekte. Die gleichwertigen Auszeichnungen sind jeweils mit 500 Euro dotiert und werden durch die Volksbank im Münsterland eG finanziert. Die Prüfungskommission übernimmt dabei die Funktion der Fachjury.

Dietmar Dertwinkel, Vorsitzender des Fördervereins und Vorstand der Volksbank im Münsterland, sowie Constanze Unger als Juryvertreterin überreichten die Preise an Amelie Dörflinger und Frauke Rotte, Tischlerinnen und Designerinnen (HWK) aus Münster. Ihr Umnutzungskonzept „Zwischen Erhalt und Wandel“ bezieht sich auf das fiktive Beispiel der St.-Petri-Kirche in Münster.

Ausgezeichnet wurde außerdem Mathis Fahrland, Tischler und Designer (HWK) aus Bocholt, für die „Grain Kollektion“ für die Tischlerei Fahrland in Bocholt. Lara Maria Schulze Scholle, Friseurmeisterin und Designerin (HWK) aus Gescher, erhielt einen Preis für ihr fotografisches Editorial-Magazin „zwischen uns“. Auf den Bildern zur Veranstaltung sind alle 39 Absolvent:innen und die vier Preisträger:innen zu sehen.

Hinter den Kulissen lief ebenfalls einiges: Gesa Dietrich und Christin Kruse organisierten und koordinierten mit Unterstützung von Bastian Greim und Jonas Finkeldei die Studierenden des 2. und 4. Semesters für das Ausstellungswochenende. Sie übernahmen unter anderem Catering und Cafébetrieb am Samstag und Sonntag. Am Sonntag gab es von den Studierenden selbstgebackenen Kuchen im Café Haus Kump.

Die Ausstellung war bis Donnerstag, 16. Juli 2026, geöffnet. Sonntags konnten Besucher:innen von 11 bis 17 Uhr kommen, inklusive Cafébetrieb. Von Montag bis Donnerstag galten 15 bis 18 Uhr, allerdings ohne Cafébetrieb.

Gestaltung beginnt nicht erst am Zeichentisch

Die Nachfrage nach individuell gestalteten, zeitgemäßen und zugleich praktischen Planungen und Produkten nimmt zu. Dafür braucht es mehr als eine gute Idee auf einem Blatt Papier: Beratung und Ideenentwicklung gehören ebenso dazu wie Entwurf, Konzeption und Planung, später dann Fertigung, Präsentation und Vermarktung.

Die Akademie für Gestaltung der Handwerkskammer Münster bietet dafür Fortbildungen, Seminare und Workshops zur Gestaltung im Handwerk an. Sie besteht seit 1991 und vermittelt theoretische, praktische und konzeptionelle Fähigkeiten. Auch die kreative Entwicklung der Teilnehmenden wird gefördert. Ziel ist, das Leistungsspektrum künftiger Gestalterinnen und Gestalter zu erweitern und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Für Handwerkerinnen und Handwerker gibt es drei Fortbildungswege mit einer Dauer von 1,5 bis 3 Jahren: „Gestalter:in im Handwerk“, „Designer:in (HWK)“ sowie „Meister + Designer:in (HWK)“. Nach erfolgreichem Abschluss werden die jeweiligen staatlich anerkannten Fortbildungstitel verliehen. Der Abschluss „Meister + Designer:in (HWK)“ ergänzt die dreijährige Designfortbildung um die Meistervorbereitung und Meisterprüfung im eigenen Gewerk.

Werkstätten, Beratung und digitale Medien

Zur Arbeit der Akademie gehört auch Gestaltungsberatung. Die Themen reichen von Produktgestaltung und Servicedesign über gestalterische Kooperationen bis zu Corporate Design und Selbstdarstellung des Betriebs. Auch Internetauftritte, Messeauftritte und gestalterische Weiterbildung gehören dazu.

Seit Mai 2013 befindet sich das Kompetenzzentrum für Gestaltungs- und Medientransfer (GMTZ) auf der umgebauten Hofstelle Haus Kump, Mecklenbecker Straße 252 in 48163 Münster. Das Kompetenzzentrum erweitert seit 2013 das Seminar-, Transfer- und Beratungsangebot sowie die Infrastruktur der Akademie.

In den Werkbereichen für Modellbau, Holz, Stein, Kunststoff, Textil, digitale Medien und Fotografie können die Teilnehmenden der 1,5- bis 3-jährigen Lehrgänge praktisch arbeiten. Da steht dann nicht nur ein Entwurf auf dem Bildschirm; es wird gesägt, modelliert, fotografiert und ausprobiert, bis etwas trägt – manchmal im wörtlichen Sinn.

Die Baukosten der beiden Zentren betragen etwa 10 Millionen Euro. Der Bund übernimmt 50 Prozent, das Land Nordrhein-Westfalen 15 Prozent der Baukosten.