Autofahrer spüren es bei jedem Tankstopp: Der im Februar 2026 ausgebrochene Iran-Krieg hat die Ölpreise und damit Benzin und Diesel mehrfach kräftig nach oben getrieben. Preise von deutlich über zwei Euro je Liter sind zur Regel geworden. Der Tankstellen-Interessenverband hält künftig sogar rund drei Euro für möglich.

Mitte September 2026 kostete ein Barrel Brent-Öl laut Reuters rund 100 US-Dollar – zuletzt war dieser Wert im Mai erreicht worden. Für Europa und Deutschland ist Brent die maßgebliche Referenzsorte. Rohöl wird an internationalen Terminbörsen gehandelt; Angebot, Nachfrage, Lagerbestände und geopolitische Risiken bestimmen den Preis. Zwischen dem Fass Öl und der Zapfsäule liegen allerdings noch Raffinerien, Transport, Lagerung sowie die Margen von Mineralölkonzernen und Tankstellen.

Was im Spritpreis steckt

Der Preis an der Tankstelle setzt sich aus drei großen Bereichen zusammen: Steuern und Abgaben, Beschaffungskosten sowie Deckungskosten. Zu den Steuern gehören Mehrwertsteuer, Energiesteuer und CO₂-Abgabe. Die Beschaffungskosten hängen vom Rohölpreis, vom Dollarkurs und von Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt ab. Bei den Deckungskosten schlagen unter anderem Transport, Tankstellenpacht, Vermarktung, Verwaltung und der Gewinn von Mineralölkonzernen und Tankstellenbetreibern zu Buche.

Rund die Hälfte des Spritpreises entfällt laut BR24 auf Steuern und Abgaben. Die Mehrwertsteuer beträgt 19 Prozent. Die Energiesteuer ist der größte einzelne Steueranteil: Bei Super E10 sind es 65,45 Cent je Liter, bei Diesel 47,04 Cent.

Der CO₂-Preis lag 2026 laut ADAC zwischen 55 und 65 Euro je Tonne. Dadurch verteuerte sich Benzin um 15,7 bis 18,6 Cent je Liter, Diesel um 17,3 bis 20,5 Cent. Im Juli 2026 lag der durchschnittliche Steuer- und Abgabenanteil bei Benzin bei etwa 57 Prozent und bei Diesel bei etwa 47 Prozent. 2025 waren es noch rund 64 Prozent beziehungsweise 56 Prozent.

Dass Tanken in Ländern wie Polen oder Luxemburg teilweise günstiger ist, liegt unter anderem an einer Mehrwertsteuer von 17 Prozent, staatlich festgelegten Höchstpreisen und einer niedrigeren Energiesteuer. Ein Blick über die Grenze kann sich also lohnen – sofern der Umweg nicht mehr kostet als die Ersparnis.

Warum der Preis an der Säule hinterherhinkt

Steigende Ölpreise werden laut ADAC-Experte Christian Laberer meist schnell an die Kunden weitergegeben. Sinken die Notierungen, reagieren die Tankstellenpreise langsamer. ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann nennt diesen Mechanismus „Rakete-und-Feder“. Der ADAC spricht auch vom „Rockets and Feathers“-Effekt.

An den Terminmärkten können Konflikte oder angekündigte Sanktionen innerhalb von Stunden eingepreist werden. Bis solche Bewegungen an deutschen Tankstellen ankommen, vergehen typischerweise einige Tage bis zwei Wochen. Preissenkungen werden häufig langsamer weitergegeben als Preissteigerungen – eine Erfahrung, die beim Blick auf die Anzeigetafel nicht gerade gute Laune macht.

Der Rohölpreis wirkt sich zudem prozentual abgeschwächt, aber in absoluten Cent-Beträgen deutlich auf den Literpreis aus, weil Energiesteuer und Mehrwertsteuer in Deutschland laut ADAC regelmäßig mehr als 50 Prozent des Endpreises ausmachen.

Krieg, Sanktionen und die Angst vor Engpässen

Der Ukraine-Krieg zeigte bereits, wie empfindlich der Markt reagiert. Russland war vor 2022 ein bedeutender Lieferant europäischer Raffinerien. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 verhängten EU und G7 unter anderem ein Einfuhrverbot für russisches Rohöl auf dem Seeweg sowie einen Preisdeckel von 60 US-Dollar pro Barrel für russisches Öl bei Exporten in Drittländer.

Russland leitete seine Exporte verstärkt nach Indien und China um. Europa bezog Öl zunehmend aus dem Nahen Osten, aus Norwegen und den USA. Die neuen Lieferwege waren länger und verursachten zusätzliche Kosten. Trotz der Sanktionen erzielte Russland laut n-tv Wirtschaft weiterhin hohe Einnahmen, weil der globale Ölpreis hoch blieb und die Exporte nach Asien zunahmen.

Im Frühjahr 2022 lag Brent zeitweise über 130 US-Dollar je Barrel. In Deutschland kostete Superbenzin vielerorts mehr als 2,20 Euro je Liter, Diesel überschritt ebenfalls die Marke von zwei Euro. Der zeitweise Tankrabatt von Juni bis August 2022 und sinkende Rohölpreise brachten später Entlastung.

Im Nahen Osten genügt oft schon die Sorge vor einer Unterbrechung. Rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls passieren die Straße von Hormus zwischen Iran und der Arabischen Halbinsel. Angriffe auf Tanker oder Förderanlagen und militärische Eskalationen können die Märkte unmittelbar bewegen. Händler und Raffinerien sichern sich über Terminkontrakte ab; der geopolitische Risikoaufschlag kann je nach Eskalationsniveau 3 bis 15 US-Dollar pro Barrel betragen – auch dann, wenn tatsächlich noch kein Tropfen ausfällt.

Rekordpreise und politische Gegenwehr

Zur Entlastung senkte die Bundesregierung im Mai und Juni 2026 die Energiesteuer vorübergehend um etwa 17 Cent je Liter. Dieser sogenannte Tankrabatt wurde zunächst nicht verlängert. Danach zogen die Spritpreise weiter an.

Am 16. September 2026 erreichten sie laut ADAC neue Höchststände: Super E10 kostete durchschnittlich 2,314 Euro je Liter, Diesel 2,453 Euro. Der ADAC erklärte, der gestiegene Ölpreis und der Euro-Dollar-Wechselkurs rechtfertigten dieses Niveau nur teilweise. Vor allem bei Raffinerien und im Großhandel bestehe weiterer Erklärungsbedarf.

Gefordert wird deshalb mehr Transparenz bei der Preisbildung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Bundesregierung erklärte dagegen, die Preisgestaltung liege vollständig bei Mineralölkonzernen und Tankstellenbetreibern und werde von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Das Bundeskartellamt beobachtet die Entwicklung und kündigte an, gegen sachlich nicht gerechtfertigte Preiserhöhungen vorzugehen.

Am 18. September 2026 beschlossen Bund und Länder eine erneute Energiesteuersenkung für Benzin und Diesel. Bundestag und Bundesrat stimmten am 25. September 2026 der Umsetzung zum 1. Oktober 2026 zu. Das Entlastungspaket soll die Kraftstoffpreise bis Jahresende um etwa 17 Cent je Liter senken.

Parallel will die Bundesregierung mit der Mineralölwirtschaft über einen zeitlich begrenzten Spritpreisdeckel verhandeln. Spätestens zum 1. Januar 2027 soll er nach Vorbildern aus Luxemburg oder Belgien eingeführt werden.

Was Pendler und Betriebe jetzt tun können

Wer täglich zur Arbeit fährt, merkt kleine Preisänderungen erstaunlich schnell. Ein Beispiel: Ein Pendler mit Mittelklassewagen fährt 17.600 Kilometer pro Jahr – 80 Kilometer täglich an 220 Arbeitstagen – und verbraucht bei sieben Litern Superbenzin je 100 Kilometer rund 1.232 Liter. Bei 1,75 Euro je Liter entstehen 2.156 Euro Kosten. Steigt der Preis auf 1,95 Euro, werden daraus 2.402,40 Euro. Die Mehrbelastung beträgt 246,40 Euro im Jahr; Versicherung, Wartung und Finanzierung sind dabei nicht berücksichtigt.

Noch kräftiger schlägt es bei einer Flotte zu. 20 Diesel-Lieferwagen mit jeweils 30.000 Kilometern Jahresfahrleistung und einem Verbrauch von 2.400 Litern kommen zusammen auf 48.000 Liter. Bei 1,65 Euro je Liter kostet das 79.200 Euro, bei 1,90 Euro bereits 91.200 Euro. Macht 12.000 Euro mehr – und plötzlich wird Kraftstoffkostenplanung zur Chefsache.

Der ADAC rät, kurz vor 12 Uhr zu tanken und die Preise verschiedener Tankstellen zu vergleichen. Üblicherweise können die Unterschiede bis zu sieben Cent je Liter betragen. Preisvergleichs-Apps greifen auf Echtzeitdaten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe zurück; Apps des ADAC oder „TankenApp“ zeigen günstigere Tankstellen in der Umgebung. Häufig ist Tanken laut ADAC auch abends zwischen 18 und 22 Uhr bis zu 10 Cent je Liter günstiger als morgens.

Flottenbetreiber können Kraftstoffkarten etwa von DKV, UTA oder Esso Card mit Mengenrabatten einsetzen. Zusätzlich liefern diese Karten Verbrauchsauswertungen. Mittelfristig helfen spr