Wer heute, am 3. Oktober 2026, in Polen tankt, kann zunächst deutlich günstiger davonkommen. Ab Samstag gelten bis einschließlich 5. Oktober staatlich festgelegte Höchstpreise: Benzin 95 kostet höchstens 6,73 Złoty je Liter, Benzin 98 maximal 7,59 Złoty und Diesel 7,88 Złoty.

Beim NBP-Wechselkurs vom 1. Oktober – 4,3770 Złoty je Euro – entsprechen diese Beträge ungefähr 1,54 Euro für Benzin 95, 1,73 Euro für Benzin 98 und 1,80 Euro für Diesel. Das klingt an der Zapfsäule erst einmal ordentlich. Allerdings handelt es sich um Obergrenzen. Tankstellen dürfen also billiger verkaufen.

Was die Tankfüllung jetzt kostet

Ende September lagen die polnischen Durchschnittspreise noch bei etwa 8,19 Złoty für Benzin 95 und 9,14 Złoty für Diesel. Wer einen 50-Liter-Tank füllt, hätte bei den neuen Höchstpreisen rechnerisch folgende Differenz:

Kraftstoff Ende September Neue Obergrenze Ersparnis
Benzin 95 409,50 Złoty 336,50 Złoty 73 Złoty
Diesel 457,00 Złoty 394,00 Złoty 63 Złoty

Das sind beim aktuellen Wechselkurs rund 14 bis 17 Euro. Die tatsächliche Ersparnis hängt aber vom Preis ab, der vorher an der jeweiligen Tankstelle stand. Eine billige Station an der Grenze kann also anders rechnen als eine teure Autobahntankstelle.

Zum Vergleich: Der ADAC meldete für Deutschland am 2. Oktober Wochenmittelwerte von etwa 2,26 Euro je Liter Benzin und 2,41 Euro je Liter Diesel. Gegenüber den polnischen Höchstpreisen ergibt sich daraus rechnerisch ein Abstand von rund 72 Cent je Liter bei Benzin und 61 Cent bei Diesel. Bei 50 Litern wären das etwa 36 Euro beziehungsweise gut 30 Euro.

Ob sich dafür eine zusätzliche Fahrt nach Polen lohnt, ist eine andere Rechnung. Entfernung, Verbrauch, Wechselkurs und der konkrete Preis vor Ort spielen hinein. Bei 4,3770 Złoty je Euro entsprechen 6,73 Złoty zwar ungefähr 1,54 Euro. Wird der Złoty stärker, wird das Tanken für Deutsche teurer; bei einem schwächeren Złoty wird es günstiger.

Preisbremse mit Steuerpaket

Hinter der neuen Runde des Programms „Ceny Paliwa Niżej“ (CPN) steckt eine Kombination aus drei Maßnahmen: Die Mehrwertsteuer auf betroffene Kraftstoffe sinkt von 23 auf 8 Prozent, die Verbrauchsteuersätze werden reduziert, und der Staat legt maximale Verkaufspreise fest.

Die konkreten Höchstpreise gelten nicht automatisch bis Jahresende. Sie werden nach einem gesetzlich festgelegten Mechanismus regelmäßig neu festgelegt. Steigen Rohöl- oder Großhandelspreise, können auch höhere zulässige Tankstellenpreise folgen; sinkende Marktpreise können die Obergrenzen weiter drücken. Die reduzierten Mehrwert- und Verbrauchsteuern gelten dagegen bis Ende Dezember.

Finanzminister Andrzej Domański erwartete bis Ende der Woche eine Preissenkung um umgerechnet etwa 23 Cent je Liter. Aktuell wurden in Polen noch Durchschnittspreise von etwa 2,05 Euro für Superbenzin und 2,06 Euro für Diesel genannt. Zwischen Durchschnittspreis, gesetzlicher Obergrenze und dem tatsächlichen Preis an der Zapfsäule kann es also ein bisserl unübersichtlich werden.

Autofahrer sollten deshalb den aktuellen Höchstpreis, den tatsächlichen Tankstellenpreis, den EUR/PLN-Wechselkurs und den Preis im eigenen Land nebeneinanderlegen. Gegenüber dem Preisniveau Ende September ergeben sich bei 50 Litern rechnerisch etwa 63 bis 73 Złoty beziehungsweise 14 bis 17 Euro weniger. Im Vergleich mit den deutschen ADAC-Mittelwerten liegen rund 30 bis 36 Euro drin.

Streit um die Übergewinnsteuer

Finanziert werden soll das neue Spritpreispaket der Mitte-links-Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk auch über eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne. Präsident Karol Nawrocki unterschrieb das entsprechende Gesetzesprojekt am 1. Oktober. Sämtliche Einnahmen aus der Steuer sollen nach seinen Angaben zur Senkung der Treibstoffpreise verwendet werden.

Ganz glatt lief die Sache nicht. Nawrocki hatte einen ersten Gesetzesversuch im Sommer per Veto verhindert. Unter öffentlichem Druck unterzeichnete er die neue Fassung nun, legte sie am 2. Oktober aber zugleich dem Verfassungsgericht zur nachträglichen Prüfung vor – trotz verfassungsrechtlicher Bedenken. Das Gesetz gilt zunächst trotzdem, die Regierung kann die Sondersteuer also umsetzen.

Bis August summierten sich die Mindereinnahmen aus den bisherigen Mehrwert- und Verbrauchsteuersenkungen laut Finanzministerium auf rund 4,7 Milliarden Złoty. Die Sondersteuer auf außergewöhnliche Gewinne der Kraftstoffbranche soll einen Teil dieser Kosten gegenfinanzieren. Ob das tatsächlich gelingt, lässt sich erst anhand der realen Einnahmen beurteilen. In die fiskalische Bilanz gehören außerdem der tatsächliche Ausfall bei den Kraftstoffsteuern und mögliche zusätzliche Kosten der Preisobergrenzen.

Mineralölunternehmen erzielen derzeit insbesondere wegen des Irankriegs höhere Gewinne. Genau dort setzt die Debatte an. Auch in Deutschland wird seit Monaten über eine Übergewinnsteuer für Mineralölunternehmen diskutiert: Bundeskanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, beide CDU, lehnen sie ab. Die SPD unter Vizekanzler Lars Klingbeil befürwortet eine Einführung. Ein Vorstoß des deutschen Finanzministers auf EU-Ebene wurde von EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis vorläufig abgelehnt; Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) forderte für diesen Fall eine nationale Lösung.

Was eine Übergewinnsteuer leisten kann – und was nicht

Gemeint ist eine zeitlich befristete Sondersteuer auf außergewöhnlich hohe Gewinne, die deutlich über dem normalen Gewinn liegen. Sie soll Zufallsgewinne abschöpfen, die etwa durch Krieg, Knappheit oder starke Marktverwerfungen entstehen. In der aktuellen Diskussion geht es vor allem um zusätzliche Gewinne der Mineralölkonzerne infolge der hohen Tankstellenpreise.

Befürworter verweisen auf Fairness gegenüber Verbraucherinnen und Verbrauchern, zusätzliche Staatseinnahmen und die Möglichkeit, Entlastungen für Haushalte und Unternehmen ohne neue Schulden zu finanzieren. Der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt, Mineralölkonzerne dürften die Krise nicht für Extragewinne zulasten der Verbraucher nutzen.

Kritiker halten dagegen, dass sich Übergewinne schwer eindeutig definieren und berechnen lassen. Die Grenze zwischen normalem Gewinn und Übergewinn könne rechtlich angreifbar sein. Außerdem könne eine solche Steuer Unternehmen verunsichern und Investitionen bremsen. Nach Ansicht der Mineralölwirtschaft wären dringend notwendige Investitionen in deutsche Raffinerien gefährdet, was den Industriestandort schwächen könnte.

Billiger an der Zapfsäule wird Benzin oder Diesel durch die Steuer allerdings nicht unmittelbar. Sie senkt weder den Rohölpreis noch automatisch die Preise an Tankstellen. Die zusätzlichen Staatseinnahmen könnten aber Hilfen für besonders betroffene oder einkommensschwache Haushalte finanzieren, ebenso andere Maßnahmen wie eine Erhöhung der Pendlerpauschale.

Die EU führte nach Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 bereits eine entsprechende Abgabe für Energiekonzerne ein. Nach Angaben der EU-Kommission wurden für die Steuerjahre 2022 und 2023 schätzungsweise 28,661 Milliarden Euro eingenommen. Das Geld floss überwiegend in Hilfen für Energieverbraucher, insbesondere für einkommensschwache Haushalte. Die Umsetzung war komplex und fiel in den einzelnen EU-Staaten unterschiedlich aus.

Deutschland besteuerte nach dem EU-Energiekrisenbeitragsgesetz den Gewinnanteil, der mehr als 20 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2018 und 2019 lag. Auf diesen Überschuss wurden 33 Prozent fällig, zusätzlich zu Einkommen-, Körperschaft- und Gewerbesteuer. Bei einem durchschnittlichen Gewinn von 1,0 Millionen Euro wurde 2022 also nur der Anteil über 1,2 Millionen Euro zusätzlich besteuert. War der Durchschnitt der vorherigen Jahre null oder negativ, wurde der gesamte Gewinn des jeweiligen Jahres herangezogen.</p