Rheinland-Pfalz gibt beim neuen Tankrabatt bundesweit am meisten weiter
Seit heute, dem 1. Oktober 2026, greift bundesweit der neue Tankrabatt. Benzin und Diesel werden steuerlich um rund 17 Cent je Liter entlastet – zunächst bis zum 31. Dezember. An vielen Zapfsäulen ist der Rückgang tatsächlich angekommen, auch wenn die Preise weiterhin kräftig ins Portemonnaie schneiden.
Eine Blitzanalyse des SWR zeigt, dass die Entlastung weitgehend an die Autofahrer weitergegeben wurde. Wie stark es abwärtsging, hängt allerdings vom Bundesland und vom einzelnen Ort ab. Für die Auswertung verglichen SWR-Datenjournalisten die Preise von rund 15.000 Tankstellen: einmal am Vortag und einmal am 1. Oktober, jeweils um 5 Uhr morgens.
Rheinland-Pfalz liegt beim Preisrückgang vorn
Bundesweit kostete Super E10 am 1. Oktober im Durchschnitt 2,08 Euro pro Liter – 12 Cent weniger als am Vortag, als noch 2,20 Euro verlangt wurden. Diesel verbilligte sich um 13 Cent auf 2,23 Euro je Liter.
Deutlicher fiel der Rückgang in Rheinland-Pfalz aus. E10 kostete dort im Mittel 2,04 Euro, Diesel 2,21 Euro. Beide Sorten waren damit jeweils 15 Cent günstiger als am Tag zuvor. Die rechnerische Steuerersparnis von knapp 17 Cent wurde dort also nahezu vollständig weitergereicht.
Auch in Baden-Württemberg sanken die Preise, wenn auch nicht ganz so stark wie in Rheinland-Pfalz. Der Rückgang lag trotzdem über dem bundesweiten Durchschnitt. Nach Angaben des ADAC-Preisportals konnten Autofahrer in mehreren Städten wieder für weniger als zwei Euro pro Liter E10 tanken, darunter Stuttgart, Ulm, Mainz und Kaiserslautern.
Ganz billig wurde das Tanken dadurch freilich nicht. Die Kraftstoffpreise blieben insgesamt hoch, die Entlastung war an den Tankstellen aber messbar. Für viele dürfte das schon beim Blick auf die Rechnung spürbar sein – ein kleinerer Stich, immerhin.
Was bei Pendlern in Baden-Württemberg ankommt
Für die drei Monate vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember wird für Berufspendler in Baden-Württemberg eine durchschnittliche Ersparnis von rund 30 Euro pro Person berechnet. Die Modellrechnung geht von 20 Kilometern einfachem Arbeitsweg und 63 Arbeitstagen aus. Daraus ergeben sich etwa 2.500 Kilometer Fahrleistung.
Bei einem Verbrauch von sieben Litern je 100 Kilometer werden dafür rund 175 Liter Kraftstoff benötigt. Multipliziert mit einer Ersparnis von etwa 17 Cent je Liter bleiben ungefähr 30 Euro übrig.
Hochgerechnet auf alle rund 4,3 Millionen Autopendler im Land ergibt sich eine rechnerische Entlastung von etwa 129 Millionen Euro. Die Zahl ist aus mehreren Angaben abgeleitet: Baden-Württemberg hatte 2025 rund 6,41 Millionen Erwerbstätige, bei einem angenommenen Autoanteil von 65 Prozent sind das etwa 4,3 Millionen Menschen. Tatsächlich legen Berufspendler im Schnitt etwas mehr als 15 Kilometer bis zur Arbeit zurück; für die Beispielrechnung wurden vereinfachend 20 Kilometer angesetzt.
Der Beschluss der Bundesregierung gilt bis zum 31. Dezember. Die Energiesteuer sinkt bei Benzin und Diesel um rund 14 Cent je Liter; einschließlich Mehrwertsteuer entspricht das laut Bundesregierung einer Entlastung von etwa 17 Cent. Der Bundesrat stimmte der Maßnahme zu, nachdem Bundestag und Bundesrat sie kurz vor dem letzten September-Wochenende auf den Weg gebracht hatten. Aral kündigte an, die Steuersenkung vollständig an die Kunden weiterzugeben.
Zwischen Erleichterung und Skepsis
Viele Autofahrer, Pendler und Unternehmen begrüßen die kurzfristige Hilfe, bleiben aber skeptisch. Marcel Effenberg fährt täglich 120 bis 140 Kilometer und gibt monatlich rund 250 bis 300 Euro für Kraftstoff aus. Er rechnet mit 20 bis 30 Euro Entlastung, hält den Tankrabatt aber nicht für eine dauerhafte Lösung. Stattdessen fordert er Maßnahmen, die Deutschland unabhängiger von fossilen Energieträgern machen.
Auch unter den befragten Autofahrern gehen die Einschätzungen auseinander. Ines Herzog hofft auf eine spürbare Entlastung, bezweifelt aber, dass die Preise dauerhaft niedrig bleiben. Frank Petich findet den Rabatt grundsätzlich richtig, kritisiert jedoch den späten Zeitpunkt: Bei Preisen von bis zu 2,20 Euro pro Liter hätte die Maßnahme seiner Ansicht nach stärker geholfen. Rene Borchert sagt, Kraftstoff bleibe selbst nach einem Abzug von 17 Cent bei Preisen über zwei Euro je Liter zu teuer.
Ökonom Henning Vöpel hält es zudem für ungewiss, ob die Steuersenkung vollständig bei den Verbrauchern ankommt. Mineralölkonzerne könnten einen Teil der Entlastung als zusätzlichen Gewinn behalten. Die meisten Befragten begrüßen den Schritt deshalb eher als kurzfristige Hilfe – nicht als Antwort auf die hohen Energiepreise oder auf die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern.
Bereits im Frühjahr hatte es einen zweimonatigen Tankrabatt gegeben. Nach dem Ende Ende Juni stiegen die Preise wieder. Bei Super E5 und E10 kam die damalige Steuersenkung nahezu vollständig an, beim Diesel wurden durchschnittlich 12 Cent je Liter weitergegeben, obwohl die Steuer um 16,7 Cent gesenkt worden war.
Logistik braucht Diesel, aber nicht auf Dauer
Besonders unter den hohen Kraftstoffpreisen leidet die Logistikbranche. Bei der UNITAX Pharmalogistik GmbH in Großbeeren zählen Diesel und Kühltechnik zu den wichtigsten Kostenfaktoren. Geschäftsführer Bernd Schmider bezeichnet den Dieselpreis als einen der Hauptkostentreiber, weil höhere Kraftstoffpreise auch die Transportkosten nach oben drücken.
Schmider erwartet durch den Tankrabatt kurzfristige Hilfe, sieht ihn aber nur als vorübergehende Maßnahme. Langfristig sollten Zukunftstechnologien stärker gefördert werden. UNITAX hat sich dem 1,5-Grad-Ziel verpflichtet und will bis 2032 vollständig auf Elektrofahrzeuge umsteigen und weitgehend CO₂-neutral arbeiten.
Auch Tankstellenbetreiber bewerten den Rabatt kritisch. Daniel Kaddik vom Bundesverband Freier Tankstellen bezeichnete ihn als Verlustgeschäft. Tankstellen erzielen laut Kaddik inzwischen nur noch einen kleineren Teil ihres Umsatzes mit Kraftstoffen; mitunter sei der Gewinn an einer Tasse Kaffee höher als an einer Tankfüllung.
Der ADAC fordert außerdem, die sogenannte 12-Uhr-Regel an Tankstellen abzuschaffen. Die tägliche einmalige Preiserhöhung mache Preise zwar besser vorhersehbar, habe sie aber nicht gesenkt. DIW-Präsident Marcel Fratzscher hält eine Energiepreispauschale für wirksamer, weil die Betroffenen selbst entscheiden könnten, wofür sie das Geld verwenden. Die Bundesregierung lehnte Direktzahlungen und allgemeine Steuererleichterungen ab – ein Tankrabatt komme schneller bei Autofahrern an.
Preisdeckel als nächster Schritt?
Union und SPD wollen die hohen Spritpreise mit zwei Maßnahmen abfedern: kurzfristig mit dem erneuten Tankrabatt, mittelfristig mit Gesprächen über einen staatlichen Spritpreisdeckel. Die Bundesregierung will mit der Mineralölwirtschaft über einen Höchstpreis für Benzin und Diesel sprechen. Spätestens zum 1. Januar 2027 soll er eingeführt werden, als Vorbilder gelten Luxemburg und Belgien.
Der Höchstpreis könnte sich an den Ölpreisen sowie an Transport- und Vertriebskosten orientieren und soll nicht dauerhaft gelten. Anfang 2027 sollen zudem weitere Hilfen für besonders betroffene Bürger – vor allem Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen – sowie für Unternehmen geprüft werden.
Ein Preisdeckel unterhalb des Marktpreises könnte die Preise an den Tankstellen sofort drücken. Gleichzeitig drohen Versorgungsprobleme, wenn sich Verkauf und Import nach Deutschland nicht mehr lohnen. Offen ist auch, ob der Staat oder die Mineralölkonzerne die Differenz zum Marktpreis tragen würden. Anbieter könnten Kraftstoffe stattdessen in andere Länder verkaufen.
Laut ifo Institut schafft der Tankrabatt keinen Anreiz zum Spritsparen. Kritiker bemängeln, dass vor allem Vielfahrer und Besitzer verbrauchsstarker Autos profitieren. Umweltschützer fordern langfristig eine geringere Abhängigkeit Deutschlands vom Öl. Grünen-Fraktionsvize Andreas Audretsch bezeichnete die Neuauflage als „Wahnsinn“ und verwies auf mögliche Gewinne der Ölkonzerne beim früheren Rabatt. Der Deutsche Bauernverband begrüßt dagegen die kurzfristige Senkung der Energiesteuer.
Die Bundesregierung veranschlagt für den Tankrabatt insgesamt 2,5 Milliarden Euro. Die Länder sollen 1,25 Milliarden Euro übernehmen, der Bund die andere Hälfte. Der zweimonatige Tankrabatt im Frü
