Tankrabatt senkt Spritpreise – in Leipzig fällt E10 auf 1,94 Euro
Der Tankrabatt hat an diesem Morgen spürbar Bewegung an die Zapfsäulen gebracht. Ab Mitternacht fielen die Preise für Benzin und Diesel deutlich, und auch am Morgen setzte sich der Rückgang fort. Laut gängigen Tankportalen lagen die bundesweiten Durchschnittspreise zunächst etwa 10 bis 11 Cent je Liter niedriger.
Der ADAC ermittelte um 8 Uhr für Super E10 im Schnitt 2,062 Euro pro Liter. Das waren 14,5 Cent weniger als am Mittwoch. Diesel kostete durchschnittlich 2,209 Euro je Liter – 15,2 Cent weniger als am Vortag. Wer früh losfuhr, konnte also durchaus ein paar Euro sparen; der Geruch nach Benzin blieb trotzdem derselbe.
In Leipzig rutschte E10 unter zwei Euro
Regional fiel Super E10 teilweise unter die Marke von 2 Euro. Solche Angebote gab es besonders häufig in München, Stuttgart und Leipzig. In Berlin waren sie seltener, in Hamburg und Köln kaum zu finden.
In Leipzig sank der E10-Preis bis zum Vormittag vereinzelt auf 1,94 Euro je Liter. Auch Super wurde dort teilweise für weniger als 2 Euro angeboten. Das klingt im ersten Moment nach einem kleinen Lichtblick, an der Kasse macht sich der Unterschied bei einem vollen Tank aber deutlich bemerkbar.
Seit Einführung der 12-Uhr-Regel gilt der Morgen als vergleichsweise günstige Tankzeit. Spät am Vormittag geben die Preise häufig noch ein wenig nach. Mittags drehen sie allerdings oft kräftig nach oben – um mehr als 20 Cent pro Liter. Der ADAC wollte deshalb beobachten, wie sich die Preise nach 12 Uhr entwickeln.
Steuernachlass nicht automatisch an der Zapfsäule
Seit Mitternacht gilt für Benzin und Diesel, die Tanklager und Raffinerien verlassen, ein Steuernachlass von 16,7 Cent je Liter. Eine vollständige Weitergabe an die Verbraucher war jedoch nicht garantiert. Tankstellen sind nicht verpflichtet, ihre Preise genau um diesen Betrag zu senken.
Die Bundesregierung hatte den Tankrabatt wegen der hohen Spritpreise eingeführt. Der September war bis dahin der teuerste Tankmonat und wirkte sich auch auf die Inflationsrate aus. Für Handwerksbetriebe, Baustellenfahrzeuge und Pendler ist das keine Zahl aus einer Statistik, sondern eine Rechnung, die regelmäßig auf dem Tisch liegt.
Entlastung bis Ende 2026 geplant
Bund und Länder haben sich wegen der hohen Spritpreise auf einen Tankrabatt und einen Spritpreisdeckel geeinigt. Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen sollen insgesamt um rund 2,5 Milliarden Euro entlastet werden. Der Bund will die Energiesteuer auf Benzin und Diesel vom 1. Oktober bis Ende 2026 um 14 Cent pro Liter senken. Einschließlich Umsatzsteuer ergibt sich eine Entlastung von 17 Cent pro Liter.
Von Anfang Mai bis Ende Juni hatte bereits ein Tankrabatt in ähnlicher Höhe gegolten. Die Länder sollen sich nun mit 1,25 Milliarden Euro über einen Umsatzsteuerfestbetrag beteiligen. Für besonders betroffene Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen sollen weitere zielgerichtete Maßnahmen geprüft werden. Außerdem sollen die Voraussetzungen für einen einkommensbezogenen Direktauszahlungsmechanismus geschaffen werden.
Der Zeitpunkt für die Einführung des Spritpreisdeckels ist noch offen. Spätestens soll er am 1. Januar 2027 kommen. Als Vorbilder gelten Regelungen in Luxemburg und Belgien. Vorgesehen ist ein Höchstpreis für Benzin und Diesel, der sich unter anderem an den Ölpreisen, den Transport- und Vertriebskosten sowie einer Händlermarge orientiert. Der Deckel soll die Versorgungssicherheit gewährleisten und missbräuchliche Preisaufschläge verhindern.
Die SPD fordert den Preisdeckel seit längerem. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte sich dagegen ausgesprochen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete die geplante Entlastung angesichts angespannter Haushalte als erheblich. Menschen, die täglich auf das Auto angewiesen seien, kämen wegen der Tankstellenpreise an ihre Belastungsgrenze, erklärte er.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) kündigte an, gegen hohe Aufschläge an den Zapfsäulen vorzugehen. Die Bundesregierung wolle Krisengewinne der Mineralölkonzerne an die Bürger zurückgeben. Die Verhandlungen zwischen Kanzler Merz und Koordinatoren der SPD- und CDU-geführten Länder hatten bereits am Donnerstagabend begonnen.
Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) erklärte, die Preise würden kurzfristig gesenkt und durch den Preisdeckel langfristig weiter entlastet. Zusätzlich sprach er sich für eine Übergewinnsteuer aus, damit sich die Ölkonzerne an der Finanzierung beteiligen. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) betonte, dass die Steuersenkung auch mittelständische Unternehmen entlaste – für viele Betriebe mit Fahrzeugen ist das ein nicht ganz kleiner Posten.
EU-Blick auf mögliche Übergewinne
Die Bundesregierung begrüßt Gespräche in der EU über Maßnahmen für die Mineralölwirtschaft nach dem Vorbild des EU-Energiekrisenbeitrags von 2022. Gemeint ist eine Übergewinnsteuer, für die sich Finanzminister Klingbeil auch auf EU-Ebene einsetzt.
Der politische Druck kommt zu einer Zeit, in der die Krise im Nahen Osten die Kraftstoffpreise in Deutschland auf neue Rekordstände treibt. Diesel kostete am Donnerstag laut ADAC bundesweit durchschnittlich 2,471 Euro pro Liter – knapp zwei Cent mehr als am Vortag. Super E10 verbilligte sich nach mehreren Rekorden leicht auf durchschnittlich 2,308 Euro je Liter.
Ob der Preisnachlass an der Zapfsäule dauerhaft sichtbar bleibt, hängt damit nicht nur vom Steuerbescheid ab. Ölpreise, Lieferwege, Margen und das Verhalten der Tankstellen spielen ebenfalls hinein. Wer heute früh tankte, bekam vielerorts einen niedrigeren Preis zu sehen. Nach zwölf Uhr konnte die Rechnung allerdings schon wieder ganz anders ausschauen.
