Russischer Diesel für die USA: Warum der Deal den Weltmarkt kaum entlastet
Die USA wollen Diesel aus Russland importieren, um die hohen Kraftstoffpreise im eigenen Land zu drücken. Vereinbart sind zunächst 300.000 Barrel, im November sollen weitere 1,5 Millionen Barrel folgen. Möglich wären außerdem zusätzliche drei Millionen Barrel. Insgesamt kämen damit knapp fünf Millionen Barrel Diesel zusammen.
US-Präsident Donald Trump und der russische Präsident Wladimir Putin bestätigten die Vereinbarung. Für die Abwicklung sollen die US-Sanktionen gegen russischen Diesel bis April 2027 ausgesetzt werden. An den Tankstellen dürfte das zunächst nach wenig aussehen – und genau das sorgt bereits für Stirnrunzeln.
Wenig Diesel für einen riesigen Markt
Der tägliche Dieselverbrauch der USA liegt bei etwa 3,77 Millionen Barrel. Die geplante Menge würde dort also für weniger als zwei Tage reichen. Weltweit werden täglich etwa 25 bis 29 Millionen Barrel Diesel verbraucht. Die globale Wirkung des Abkommens gilt deshalb als begrenzt.
Die Preise reagierten zunächst leicht rückläufig, kletterten im Tagesverlauf aber wieder auf das vorherige Niveau. Meldungen über anhaltende Angriffe auf Energieinfrastruktur in Russland und der Ukraine ließen die Notierungen erneut steigen. An den Märkten reicht derzeit offenbar schon eine neue Nachricht, und die Richtung dreht wieder.
Trump erklärte, russische Lieferungen sollten die hohen Ölpreise schnell senken und damit unter anderem US-Bauern und Lkw-Fahrer entlasten. Die Dieselpreise an US-Tankstellen haben sich in den vergangenen Monaten mehr als verdoppelt. Das verteuerte auch Strom und Einzelhandel. Im September erreichte die US-Inflation den höchsten Stand seit 2022.
Politischer Streit über das Abkommen
Für die Republikaner kommt die Entwicklung zur Unzeit: Sie befürchten, dass hohe Preise und Inflation bei den bevorstehenden Zwischenwahlen Stimmen kosten könnten. Trumps Zustimmungswerte liegen laut dem Artikel auf dem niedrigsten Stand seiner zweiten Amtszeit.
Die Ukraine kritisierte den Deal scharf. Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete ihn als Unterstützung für die russischen Kriegskassen. Kiew kündigte zugleich an, seine Angriffe auf russische Energieinfrastruktur fortzusetzen. Zuvor hatten die USA die Ukraine aufgefordert, russische Raffinerien nicht weiter anzugreifen.
Eine von Trump angekündigte „Energie-Waffenruhe“ wurde bislang weder von Russland noch von der Ukraine eingehalten. Auch mehrere EU-Staaten kritisierten die Pläne. Die deutsche Bundesregierung will an den Sanktionen gegen Russland festhalten.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärte, Deutschland sei unabhängig von russischem Öl. Wegen eigener Raffineriekapazitäten importiere Deutschland zudem nur wenig Diesel. Für Bauunternehmen und Speditionen hierzulande ist das trotzdem keine völlig entfernte Nachricht: Öl wird weltweit gehandelt, und wenn Lieferketten ruckeln, spürt man das später oft im Angebot, auf der Baustelle und bei der nächsten Rechnung.
Konflikte halten den Ölmarkt unter Druck
Der Rohölpreis liegt laut Artikel etwa 60 Prozent über dem Jahresanfang. Die Straße von Hormus ist weiterhin weitgehend geschlossen; nur wenige Schiffe passieren sie. Im Iran-Krieg wurden Raffinerien in der Golfregion beschädigt. Zusätzlich belasteten Kämpfe zwischen den Huthi im Jemen und der Regierung Saudi-Arabiens den Ölmarkt.
Auch im Ukrainekrieg wurden Ölförderanlagen und Raffinerien wiederholt angegriffen. Die globalen Lieferketten für weiterverarbeitete Ölprodukte sind dadurch an mehreren Stellen unterbrochen. Es geht also nicht bloß um den Preis des Rohöls, sondern um Raffinerien, Transportwege, verfügbare Tanker und die Frage, ob aus Rohstoff am Ende tatsächlich Diesel wird.
Die G7 gaben zuletzt 100 Millionen Barrel Rohöl aus strategischen Reserven frei, um das Angebot zu erhöhen und die Preise zu senken. Nach Medienberichten geschah dies auch auf Druck der USA. Viel geholfen hat es offenbar nur begrenzt – die Unruhe bleibt.
Russland hat selbst zu wenig Kraftstoff
Während Washington auf russische Lieferungen setzt, herrscht in Russland selbst ein Kraftstoffmangel. Kriegsschäden haben die russischen Kraftstoffexporte reduziert. Russland verhängte im Juli ein Diesel-Exportverbot und verlängerte es bis Ende Oktober.
Putin räumte kürzlich eine kriegsbedingte Kraftstoffkrise ein. Medien berichten von langen Warteschlangen an russischen Tankstellen. Das Bild ist einigermaßen widersprüchlich: Auf der einen Seite soll Diesel über den Atlantik helfen, US-Preise zu drücken, auf der anderen Seite stehen in Russland Fahrzeuge vor Tankstellen Schlange.
Für den Bau in Deutschland bleibt damit vor allem die Preisfrage offen. Diesel steckt in Transporten, Baustellenfahrzeugen, Lieferketten und vielen Arbeitsabläufen – sinkt der Weltmarktpreis nicht dauerhaft, kommt der erhoffte Entlastungseffekt bei Unternehmen und Kunden kaum an. Der geplante Deal ist mengenmäßig schlicht zu klein, um einen angespannten Weltmarkt auf Dauer zu drehen.
