Spritpreise auf Rekordkurs: Warum der Tankrabatt Autofahrer nicht dauerhaft entlastet
Wer dieser Tage an der Tankstelle steht, schaut zweimal auf die Anzeige. Benzinpreise erreichen erneut hohe Werte, für manche Autofahrer wird das Tanken zunehmend unerschwinglich. Und trotzdem ist das kein neues Gefühl: Ein humorvoller Rückblick des SWR führt ins Jahr 1961, als sich Autofahrer bereits über zu hohe Preise beschwerten – damals ging es um die Erhöhung von 57,5 auf 58 Pfennig.
Im September 2026 wurden an Tankstellen Rekordpreise für Benzin und Diesel verzeichnet. Die Bundesregierung beschloss deshalb Maßnahmen zur Preissenkung ab Oktober, darunter den sogenannten Tankrabatt. Er sollte die Spritpreise um 17 Cent pro Liter reduzieren. Über Tankrabatt und Spritpreisdeckel gab es Zustimmung, aber auch Kritik. Die praktische Frage blieb: Wie überbrücken Autofahrer die Zeit bis zum Inkrafttreten? Mit kleineren Tankmengen vielleicht. Oder gleich mit dem Fahrrad.
Zwischen Tankrechnung und Fahrrad
Tankstellenbetreiber Eren Sahan berichtete in einem verlinkten Beitrag über seine Erfahrungen mit steigenden Preisen und verärgerten Kunden. In einer SWR3-Umfrage zum Video von 1961 gingen die Meinungen auseinander. Einige Community-Mitglieder halten die aktuellen Preise für zu hoch und verwiesen auf die Belastung für Alleinerziehende und Berufspendler. Ein Nutzer schrieb von einem täglichen Arbeitsweg von 52 Kilometern – die Kosten summieren sich da spürbar.
Andere meinten, Sprit sei noch nicht zu teuer, solange Menschen weiterhin lange Autofahrten für Freizeitaktivitäten unternehmen. Als Gegenmaßnahme wurde vorgeschlagen, das Auto häufiger stehen zu lassen. Viele Nutzer stimmten außerdem der Aussage des letzten Interviewpartners aus der Umfrage von 1961 zu und hielten sie auch für die Gegenwart für zutreffend.
Ein kleiner Irrtum tauchte ebenfalls auf: Einige Nutzer erkannten im Profil des historischen Reporters Friedrich Merz. Der Artikel stellt klar, dass es sich nicht um ihn handelt. Das SWR lud zur Diskussion über Benzinpreise und das historische Video ein. Weitere historische Beiträge gibt es im Archivformat „SWR Retro“ in der ARD Mediathek.
Erstmals veröffentlicht wurde der Artikel am 22. September 2026; der angegebene Stand ist 25. September 2026, 11:37 Uhr. Das Thema war am 15. September 2026 um 15:20 Uhr in der Sendung „SWR3 Retro“ angekündigt.
2026 kratzt an den Rekordmarken
Die Zahlen des ADAC machen das aktuelle Gefühl an der Zapfsäule greifbar. Im August 2026 kostete Super E10 im Monatsdurchschnitt 2,145 Euro je Liter, Diesel durchschnittlich 2,223 Euro. Für Super E10 war das ein neues Allzeithoch beim Monatsdurchschnittspreis. Der teuerste Tanktag für beide Kraftstoffe war der 23. August: Super E10 kostete 2,188 Euro je Liter, Diesel 2,283 Euro. Nach dem Ende des Tankrabatts stiegen die Preise weiter.
Noch höher lagen einzelne Tageswerte. Diesel war am 7. April 2026 mit 2,446 Euro je Liter so teuer wie nie zuvor seit Beginn der Preisaufzeichnungen. Super E10 erreichte am 6. April 2026 einen Tagesdurchschnitt von 2,191 Euro je Liter. Das lag knapp unter dem bisherigen Allzeithoch von 2,203 Euro je Liter am 14. März 2022.
Das Jahr 2022 bleibt beim Blick auf die Jahresdurchschnittspreise das teuerste Tankjahr aller Zeiten: Super E10 kostete 186,0 Cent je Liter, Diesel 194,6 Cent. Super E10 war damit rund 27 Cent je Liter teurer als im bisherigen Rekordjahr 2012. Diesel lag fast 47 Cent je Liter über dem Wert von 2012.
2024 war Super E10 rund 12 Cent je Liter günstiger als 2022 und auch günstiger als 2023. Diesel kostete fast 30 Cent je Liter weniger als 2022. Trotzdem war 2024 das drittteuerste Tankjahr. 2025 kostete Super E10 durchschnittlich 1,688 Euro je Liter, rund 17 Cent weniger als 2022. Diesel war rund 33 Cent je Liter günstiger als im Rekordjahr 2022. Damit war 2025 günstiger als 2024 und 2023.
Von 79 Cent bis zur heutigen Anzeige
Anfang 1999 kostete ein Liter Super in Deutschland durchschnittlich weniger als 79 Cent beziehungsweise 1,54 DM. Danach zogen die Preise unter anderem durch die Ökosteuer mit jährlichen Erhöhungen von 1999 bis 2003 an, später durch die Mehrwertsteuererhöhung 2007 und deutlich gestiegene Rohölpreise. Zuletzt wird insbesondere der Ukraine-Krieg als Grund für Preissteigerungen genannt.
Kraftstoffpreise sind Marktpreise. Die konkrete Höhe an der Tankstelle wird durch den Wettbewerb bestimmt – deshalb kann sich der Blick auf mehrere Stationen durchaus lohnen, auch wenn niemand wegen ein paar Cent gern eine kleine Rundfahrt macht.
Für Benzin weist der ADAC seit 1. März 2011 die Preise für Super E10 aus. Die DM-Preise für 2000 und 2001 wurden zur Vergleichbarkeit in Euro umgerechnet, weil der Euro am 1. Januar 2002 eingeführt wurde. Seit 1986 werden Preise für bleifreies Benzin ausgewiesen. Übersichten zur Preisentwicklung stellt der ADAC für die Zeiträume 1950–1999, 2000–2010, 2011–2020 und 2021–2025 bereit.
Was Preisarchive neben Zahlen speichern
Auch Preisarchive im Internet gehören inzwischen zum Alltag rund ums Tanken. Verantwortliche Stelle von benzinpreis.de ist die factsoft AG, Hermann-Lingg-Str. 2, 80336 München, Deutschland; als E-Mail-Adresse ist [email protected] angegeben.
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