Steigende Spritpreise könnten die deutsche Inflationsrate im September auf 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat getrieben haben. Das wäre der höchste Wert seit knapp drei Jahren; zuletzt wurde Ende 2023 eine höhere Teuerungsrate verzeichnet. Im August hatte sie noch 2,9 Prozent betragen.

Eine erste Schätzung für September will das Statistische Bundesamt am Mittwoch veröffentlichen. Ökonomen rechnen damit, dass der Anstieg nahezu ausschließlich auf höhere Energiepreise zurückgeht. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt von Bantleon, führt den erwarteten Sprung ebenfalls fast vollständig auf diesen Faktor zurück.

Ölpreis über 100 Dollar, Rekord an der Zapfsäule

Der Konflikt im Nahen Osten trieb den Ölpreis zeitweise auf mehr als 100 US-Dollar je Barrel. In Deutschland mussten Autofahrer im September laut ADAC mehrfach Rekordpreise für Diesel und Benzin bezahlen. Wer tankte, spürte das sofort: Der Betrag auf der Anzeige kletterte, während die Literzahl quälend langsam nachzog.

Viele Haushalte sind bei Strom und Gas vorerst durch bestehende Festverträge geschützt. Das bremst den direkten Druck auf die monatlichen Rechnungen – zumindest noch. Bei den Kraftstoffpreisen half diese Schutzwirkung naturgemäß nicht. Der Iran-Krieg ließ die Preise für Benzin und Diesel zeitweise um 50 Prozent steigen. Für Autofahrer war das eine starke Belastung; vermeiden konnten sie sie nur, indem sie ihre Autos nicht nutzten.

Vom 1. Oktober bis zum Jahresende führt die Bundesregierung erneut einen Tankrabatt ein. Einen vergleichbaren Rabatt hatte es bereits im Mai und Juni gegeben. Nach Einschätzung der Helaba-Ökonomen kann die Maßnahme die Kraftstoffpreise um bis zu 17 Cent je Liter senken und die Inflationsraten in den folgenden drei Monaten dämpfen.

EZB vor weiteren Zinsschritten

Die Entwicklung bleibt auch für die Europäische Zentralbank heikel. Wegen einer voraussichtlich ebenfalls steigenden Inflation in der Eurozone rechnen Volkswirte mit weiteren Zinserhöhungen. Die EZB hat den Leitzins 2026 bereits zweimal von 2,00 auf 2,50 Prozent angehoben. Deutsche Bank Research erwartet für Dezember eine weitere Erhöhung auf 2,75 Prozent.

Die EZB strebt eine durchschnittliche Inflationsrate von höchstens 2,0 Prozent an. In der Euro-Zone lag die Inflationsrate im Mai bei 3,2 Prozent, nach 3,0 Prozent im April, wie Eurostat mitteilte. Deutschland kam im Mai auf 2,6 Prozent. Der Rückgang um 0,3 Prozentpunkte gegenüber dem Vormonat wurde laut dem Artikel auf den Tankrabatt zurückgeführt; dieser sollte Ende Juni auslaufen.

Inflation gilt vor allem dann als problematisch, wenn sie sich dauerhaft auf hohem Niveau festsetzt. Das Bonmot, Inflation sei „schleichender Taschendiebstahl“, wird dem Heilpraktiker Erhard Blanck zugeschrieben. Ein passendes Bild für den Alltag: An der Tankstelle merkt man den Griff ins Portemonnaie sofort, bei vielen anderen Preisen oft erst Wochen später – beim Einkauf, bei der nächsten Abrechnung oder wenn am Monatsende plötzlich weniger übrig ist.

Quelle: Wirtschaftswoche
Quelle: n-tv
Quelle: Süddeutsche Zeitung