Autofahrer in Deutschland dürfen auf eine spürbare Entlastung hoffen: Bundesregierung und Länder einigten sich am 18. September 2026 auf einen neuen Tankrabatt. Vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2026 soll die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14 Cent je Liter sinken. Weil darauf außerdem weniger Umsatzsteuer anfällt, ergibt sich rechnerisch eine Entlastung von 16,66 Cent, gerundet also knapp 17 Cent je Liter.

Ganz fix ist der Start am 1. Oktober allerdings noch nicht. Für das beschleunigte Verfahren müsste der Bundestag auf reguläre Fristen verzichten – dafür braucht es eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Wirksam wird das Gesetz erst nach seiner Verkündung. Wer ohnehin erst Anfang Oktober tanken muss, kann also noch abwarten. Der Zeitplan sieht vor, dass das Bundesfinanzministerium den Koalitionsfraktionen eine Formulierungshilfe übermittelt, der Entwurf am Mittwoch erstmals im Bundestag beraten und am Freitag nach Ausschussberatungen beschlossen werden könnte. Direkt anschließend könnte der Bundesrat zustimmen.

Knapp 17 Cent weniger – zumindest auf dem Papier

Die Maßnahme soll voraussichtlich 2,5 Milliarden Euro an Steuermindereinnahmen verursachen. Bund und Länder tragen die Summe jeweils zur Hälfte, auf die Länder entfallen damit 1,25 Milliarden Euro. Bezahlt wird der Rabatt aus Steuermitteln – also auch von Menschen, die kein Auto, Motorrad oder keinen Lastwagen nutzen.

Ob die gesamte Entlastung an den Zapfsäulen ankommt, entscheidet allerdings nicht allein der Staat. Tankstellenpreise legen die Anbieter fest. Beim Tankrabatt im Mai 2026 lagen die Preise am ersten Abend gegenüber dem Vorabend bei Super E10 um 12,8 Cent und bei Diesel um 12,7 Cent je Liter niedriger. Damit wurden zunächst gut drei Viertel des rechnerischen Rabatts von 16,7 Cent weitergegeben. Allerdings waren die Preise in den vier Tagen davor bereits um 2,5 bis 3,2 Cent gestiegen. Der Vergleich mit dem Vorabend überschätzt die Weitergabe deshalb leicht.

Bis zum 14. Tag sank der Dieselpreis insgesamt um 21,5 Cent; zusätzliche Marktbewegungen, etwa beim Ölpreis, spielten dabei eine Rolle. Nach Angaben des Handelsblatts kam der Rabatt bei Superbenzin nahezu vollständig an, bei Diesel waren es etwa 12 von 16,7 Cent. Eine Untersuchung des ifo-Instituts ermittelte eine Weitergabe von 82 bis 94 Prozent, für 2022 wurden 85 bis 100 Prozent genannt. Frühere Untersuchungen von Bundeskartellamt, Monopolkommission und ifo-Institut zeigen ebenfalls: Bei Super E5 und E10 kam der frühere Rabatt nahezu vollständig an, beim Diesel durchschnittlich nur 12 Cent je Liter, obwohl die Steuer um 16,7 Cent gesenkt worden war. Nach dem Auslaufen Ende Juni zogen die Preise wieder an.

Die rechnerische Höchstersparnis bei vollständiger Weitergabe ist überschaubar, aber nicht völlig belanglos: Wer 30 Liter tankt, spart 5,00 Euro, bei 50 Litern sind es 8,33 Euro, bei 60 Litern 10,00 Euro. Wer monatlich 60 Liter braucht, könnte rund 10 Euro im Monat beziehungsweise etwa 30 Euro über die drei Monate sparen. Bei höherem Verbrauch fällt die mögliche Ersparnis entsprechend größer aus. Profitieren würden damit vor allem Menschen mit langen Fahrstrecken, Fahrzeuge mit hohem Verbrauch und Speditionen.

Söder will mehr als einzelne Rabatte

CSU-Chef und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder begrüßt die geplante Senkung, hält sie aber nicht für ausreichend. Er fordert eine grundlegende Reform der deutschen Energiesteuern. Überarbeitet werden sollten aus seiner Sicht die CO₂-Bepreisung und weitere staatliche Preisregeln, die Energie in Deutschland verteuern. Statt immer wieder einzelner Entlastungen brauche es ein dauerhaftes Maßnahmenpaket. Die deutsche Politik solle nicht alle drei Monate zwischen Eingreifen und Nichtstun wechseln.

Mit einer automatischen Entspannung der Energiepreise rechnet Söder kurzfristig nicht – die Weltlage gebe dafür keinen Hinweis. Tanken müsse in Deutschland wieder bezahlbar werden. Auch die geplante Erhöhung der Pendlerpauschale im kommenden Jahr könne helfen, reiche allein aber nicht aus.

Besonders die sogenannte 12-Uhr-Regel an Tankstellen ist Söder ein Dorn im Auge. Sie habe keine ausreichende Entlastung gebracht und sei gescheitert. Bayern unterstützt deshalb einen Antrag, die Regel abzuschaffen. Gesenkt habe sie die Preise zwar nicht, die Häufigkeit der Preisänderungen aber deutlich reduziert. Für Autofahrer wurde dadurch die Zeit zwischen 10 und 12 Uhr zuverlässig zur günstigsten Tankzeit.

Die Daten des ADAC passen zu diesem Alltagseindruck: Ab 12 Uhr steigen die Preise im Durchschnitt um etwa 14,6 Cent bei E10 und 18,4 Cent bei Diesel. Preisvergleiche und Tanken vor der Mittagszeit bleiben daher unabhängig vom neuen Rabatt sinnvoll. Umwege oder eine zusätzliche Reservefahrt lohnen sich dagegen nicht – der Sprit ist schließlich nicht gratis, nur weil man ihm hinterherfährt.

Preisdeckel soll spätestens 2027 folgen

Parallel will die Bundesregierung mit der Mineralölwirtschaft über einen befristeten, krisenbedingten Spritpreisdeckel sprechen. Er soll spätestens am 1. Januar 2027 gelten. Nach den Plänen soll der Staat vorübergehend Höchstpreise für Benzin und Diesel festlegen; eine Behörde würde die maximal erlaubten Preise regelmäßig berechnen. In die Rechnung sollen unter anderem Brennstoff-, Transport-, Lagerungs- und Versicherungskosten sowie Verluste einfließen. Den Mineralölunternehmen soll eine bestimmte Gewinnspanne bleiben, der Deckel soll gelten, solange die Krise anhält.

Wie genau die Grenze berechnet wird, ist noch offen. Vergleichbare Regelungen gibt es laut den vorliegenden Angaben in Belgien und Luxemburg. Die Bundesregierung möchte den Deckel voraussichtlich über die Gewinnmargen der Mineralölkonzerne finanzieren, sodass die Allgemeinheit nicht belastet wird. Für den Start besteht weniger Zeitdruck als beim Tankrabatt; der Bund will zunächst Gespräche mit der Mineralölwirtschaft über die Höchstpreise führen.

Söder hat gegen einen Spritpreisdeckel grundsätzlich nichts einzuwenden. Fachleute äußerten jedoch wiederholt Zweifel an seiner Funktionsfähigkeit. Liegt der staatlich festgelegte Preis unter dem Marktpreis, könnten Verkäufe und Importe unrentabel werden. Im ungünstigen Fall drohen Versorgungsprobleme.

Auch eine Übergewinnsteuer befürwortet Söder grundsätzlich – allerdings nur, wenn sie auf europäischer Ebene umgesetzt werden kann. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) müsse nachweisen, dass das funktionieren könne.

Kritik von Ökonomen, Grünen und FDP

Die Einwände gegen den Tankrabatt kommen aus mehreren Richtungen. ifo-Präsident Clemens Fuest bezeichnete ihn als Fehler. Ralf Dewenter von der Helmut-Schmidt-Universität hält die Entlastung für zu gering und zu kurzfristig. Die FDP lehnt den Tankrabatt ab und fordert umfassendere Steuersenkungen. Der Deutsche Bauernbund bewertet 17 Cent je Liter grundsätzlich positiv, aber ebenfalls als nicht ausreichend.

Wirtschaftsweise Veronika Grimm kritisierte die Subventionierung von Verbrennern auf Kosten der jungen Generation als „zynisch“. Monika Schnitzer sprach sich gegen Steuerentlastungen nach dem „Gießkannenprinzip“ aus und forderte gezielte Direktzahlungen. Die Grünen nannten die Tankrabatt-Pläne „Wahnsinn“ und warnten vor zusätzlichen Profiten der Ölkonzerne. FDP-Chef Wolfgang Kubicki bezeichnete den Preisdeckel als „planwirtschaftliches Instrument“.

Tankrabatt und Preisdeckel setzen laut den Berichten keinen Anreiz zum Spritsparen. Von einer Steuersenkung profitieren alle, die tanken; wer mehr einfüllt, erhält auch mehr Entlastung. Für Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen sowie für energieintensive Unternehmen sind Anfang 2027 weitere Entlastungen angekündigt beziehungsweise sollen gezielte Hilfen geprüft werden. Ob und wie sie aussehen, ist noch offen.

Wenn der Rabatt am 31. Dezember endet, könnten die Preise zum 1. Januar 2027 wieder entsprechend steigen – sofern keine Verlängerung und kein Spritpreisdeckel greifen. Beim früheren zweimonatigen Tankrabatt im Frühsommer kostete allein der Bund etwa 1,6 Milliarden Euro. Die tatsächlichen Kosten hängen unter anderem von der getankten Menge und einer rechtzeitigen Umsetzung ab.

Warum Diesel derzeit so empfindlich reagiert

Als Hintergrund für den starken Preisanstieg wird der Iran-Krieg genannt. Seit dem Angriff Israels und der USA auf Iran sei die Straße von Hormus faktisch blockiert