Tankrabatt gestartet, Spritpreise bleiben in Bewegung
Seit dem 1. Oktober 2026 gilt in Deutschland erneut ein dreimonatiger Tankrabatt. Beim Tanken soll die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14 Cent je Liter sinken. Weil dadurch auch die Umsatzsteuer niedriger ausfällt, ergibt sich rechnerisch eine Entlastung von rund 16,7 beziehungsweise 17 Cent pro Liter. Der Rabatt läuft bis Ende Dezember 2026.
Bund und Länder rechnen mit einer Entlastung von insgesamt rund 2,5 Milliarden Euro für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen. Die Länder sollen sich mit 1,25 Milliarden Euro über einen Umsatzsteuerfestbetrag beteiligen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete die Summe angesichts angespannter Haushalte als erheblich. Gerade Menschen, die täglich auf ihr Auto angewiesen sind, sollen kurzfristig Luft bekommen – auch mittelständische Betriebe, wie der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) betonte.
Warum der Sprit so teuer ist
Als Hauptursache der hohen Preise wird der seit Februar 2026 andauernde Krieg der USA und Israels gegen Iran genannt. Der Konflikt beeinträchtigt den weltweiten Ölhandel, Lieferengpässe treten wiederholt auf. An der Zapfsäule kommt aber mehr zusammen als nur der Rohölpreis: Einkauf, Transport und Weiterverarbeitung des Öls, Gewinnabsichten der Mineralölkonzerne, Dollarkurs und Konjunktur, die geopolitische Lage sowie Steuern und Abgaben spielen hinein.
Die aktuellen Zahlen machen den Druck sichtbar. Diesel kostete laut ADAC im bundesweiten Tagesdurchschnitt zuletzt 2,471 Euro je Liter – rund zwei Cent mehr als am Vortag. Super E10 sank nach mehreren Rekordwerten leicht auf 2,308 Euro. Nach der Einführung des neuen Rabatts gingen die Spritpreise zunächst zurück, stiegen danach aber wieder leicht an. Zuvor hatte es bereits im Mai und Juni 2026 eine vergleichbare Entlastung gegeben; im September erreichten die Preise anschließend einen Rekordstand.
Der ADAC verwies auf teilweise schwer nachvollziehbare Preisschwankungen. Das könne auf Preissetzungsspielräume der Ölkonzerne hindeuten. Die Mineralölwirtschaft weist dagegen zurück, dass sie Steuerrabatte nicht vollständig an die Kundschaft weitergebe. Die Monopolkommission und das Bundeskartellamt kamen mit Blick auf die frühere Senkung zu dem Ergebnis, dass sie im Mai und Juni weitgehend bei den Verbrauchern ankam und Preisspitzen abfing. Trotzdem hängt der konkrete Preis weiterhin von Mineralölkonzernen, Tankstellenbetreibern, Rohöl- und Transportkosten ab; regional gibt es deutliche Unterschiede.
Rabatt heute, Preisdeckel morgen
Die Einigung von Bund und Ländern geht über die kurzfristige Steuersenkung hinaus. Spätestens am 1. Januar 2027 soll ein Spritpreisdeckel eingeführt werden, ein früherer Termin ist noch offen. Vorbilder sind Luxemburg und Belgien. Der zulässige Höchstpreis soll sich unter anderem an Ölpreisen, Transport- und Vertriebskosten sowie einer Händlermarge orientieren. Damit sollen die Versorgungssicherheit gewährleistet und missbräuchliche Preisaufschläge verhindert werden.
Die SPD fordert den Preisdeckel seit längerem, Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte ihn abgelehnt. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) erklärte, die Regierung wolle gegen hohe Aufschläge an Tankstellen vorgehen und Krisengewinne der Mineralölkonzerne an die Bevölkerung zurückgeben. Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) kündigte neben der kurzfristigen Preissenkung weitere Entlastung durch den Deckel an und sprach sich für eine Übergewinnsteuer aus, mit der die Ölkonzerne an der Finanzierung beteiligt werden könnten.
Für besonders betroffene Bürger und Unternehmen sollen zusätzliche, gezielte Maßnahmen geprüft werden. Die Bundesregierung will dafür die Voraussetzungen für ein einkommensbezogenes Direktzahlungssystem schaffen. Als Alternative zum nicht zielgenauen Tankrabatt hatten Kritiker solche Direktzahlungen an einkommensschwache Haushalte bereits genannt. Für Anfang 2027 sind weitere gezielte Entlastungen vorgesehen; außerdem plant die Koalition zum 1. Januar 2027 eine Einkommensteuerreform zur dauerhaften Entlastung kleinerer und mittlerer Einkommen.
Kontrolle an der Zapfsäule
Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen – um 12 Uhr. Senkungen bleiben jederzeit möglich. Vorher wurden die Preise im Durchschnitt bis zu 22-mal am Tag geändert. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 100.000 Euro. Nach einem Jahr soll die Bundesregierung prüfen, wie wirksam die Regel in der Praxis ist.
Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt überwacht die Preisdaten von rund 15.000 Tankstellen. Preisänderungen müssen innerhalb von fünf Minuten gemeldet werden; zugelassene Preis-Apps und Serviceportale erhalten diese Daten ebenfalls. Verstöße gegen die 12-Uhr-Regel werden an die zuständigen Landesbehörden weitergeleitet. Bekannt ist die Zusammenarbeit mit Behörden aus Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, dem Saarland, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen. Mit den übrigen Ländern steht das Amt in Kontakt.
Am 4. August teilte das Bundeskartellamt mit, dass die Zahl der Abweichungen weiterhin hoch sei. Gegen alle Raffineriebetreiber in Deutschland wurden Verfahren eingeleitet, zugleich wurde die kartellrechtliche Missbrauchsaufsicht gegenüber Mineralölkonzernen verschärft. Bei Verdacht auf missbräuchlich überhöhte Preise müssen Unternehmen deren Rechtfertigung darlegen. Die Regeln sollen vor allem überhöhte Preise gegenüber freien Tankstellen verhindern und strukturelle Wettbewerbsstörungen schneller beheben. Schärfere Kontrollen können Preise dämpfen, sorgen aber nicht automatisch für sinkende Beträge an jeder Zapfsäule.
Mit der 12. Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen sollen künftig auch Preiserhöhungen bei Super Plus gemeldet werden. Raffinerien und Kraftstoffgroßhändler sollen zusätzliche Daten an die Markttransparenzstelle liefern. So lässt sich besser prüfen, ob sinkende Rohstoffpreise zeitnah bei den Verbrauchern ankommen – oder irgendwo auf dem Weg dorthin hängen bleiben.
Europäische Ebene bleibt offen
Die EU-Kommission fordert eine gemeinsame europäische Lösung. Sie kritisiert, dass ein Tankrabatt keinen Anreiz zum Spritsparen bietet und langfristig sogar ein Versorgungsengpass drohen könne. Auf EU-Ebene sollen deshalb Maßnahmen gegenüber der Mineralölwirtschaft nach dem Vorbild des EU-Energiekrisenbeitrags von 2022 geprüft werden. Die Bundesregierung unterstützt diese Beratungen.
Kritiker bemängeln neben der fehlenden Zielgenauigkeit vor allem die hohen Kosten für den Staat. Die Wirkung an der Tankstelle bleibt zudem abhängig von Konzernen, Händlern und dem internationalen Ölmarkt. Für heute, den 6. Oktober 2026, bedeutet das: Der Rabatt ist da, die Preise bleiben trotzdem in Bewegung.
