Der neue Tankrabatt hat die Kraftstoffpreise an vielen deutschen Tankstellen zum Start deutlich gedrückt. In Troisdorf-Spich kostete Super an der Tankstelle Mundorf am Morgen 2,15 Euro pro Liter, Diesel 2,29 Euro. Das waren fast 20 Cent weniger als am Vortag.

Autofahrer Thomas Richter hatte mit dem Volltanken gewartet. Bei einer jährlichen Fahrleistung von 30.000 bis 40.000 Kilometern zählt schließlich jeder Cent – und an der Zapfsäule läppert sich das schnell.

Preisrückgang schon am frühen Morgen

Seit Mitternacht gilt für Benzin und Diesel, die Tanklager und Raffinerien verlassen, ein Steuernachlass von 16,7 Cent pro Liter. Eine gesetzliche Verpflichtung, diese Entlastung vollständig an die Kundinnen und Kunden weiterzugeben, gibt es allerdings nicht.

Der ADAC ermittelte um 8 Uhr bundesweite Durchschnittspreise von 2,062 Euro pro Liter für Super E10. Das waren 14,5 Cent weniger als 24 Stunden zuvor. Diesel kostete im Schnitt 2,209 Euro pro Liter – ein Rückgang um 15,2 Cent.

Nach Einschätzung des ADAC kam damit bereits am Vormittag ein großer Teil der steuerlichen Entlastung von rund 17 Cent bei den Verbrauchern an. An den Zapfsäulen war der Unterschied für viele Autofahrer unmittelbar spürbar, auch wenn der Blick auf die Preistafel weiterhin nicht gerade für gute Laune sorgte.

Alte Bestände bremsen die Weitergabe

Tankstellenbetreiber Frank Körschen aus Essen wollte seine Preise zunächst nicht senken. Der Grund: Der Steuerrabatt gilt nur für neu eingekauften Kraftstoff. In seinen Tanks befanden sich noch teurer eingekaufte Bestände. Körschen sagte, seine Marge betrage etwa sieben Cent pro Liter.

Als benachbarte Tankstellen ihre Preise reduzierten, senkte Körschen schließlich ebenfalls. Kundinnen und Kunden vergleichen eben – oft direkt an der nächsten Kreuzung. Die Mineralölwirtschaft wies den Vorwurf zurück, die Steuersenkung werde nicht vollständig weitergegeben.

Beim vorherigen Tankrabatt hatte das Bundeskartellamt festgestellt, dass rund 80 Prozent der ersten Vergünstigungen weitergegeben wurden. 20 Prozent kamen damals nicht bei den Verbrauchern an.

Bundeskartellamt beobachtet den Markt

Das Bundeskartellamt will die Preisentwicklung über einen längeren Zeitraum verfolgen. Präsident Andreas Mundt erklärte, der Tankrabatt sei nach dem Stand am ersten Morgen weitergegeben worden. Hinweise auf Preisabsprachen gebe es derzeit nicht.

Über die Markttransparenzstelle erhält das Kartellamt laufend Preisdaten sämtlicher Tankstellen in Deutschland. Dass an vielen Stationen häufig nahezu einheitliche Preise zu sehen sind, erklärte Mundt unter anderem mit dem Beobachten und Nachahmen von Wettbewerbern.

Ob die niedrigeren Preise über mehrere Wochen Bestand haben, lässt sich am ersten Tag allerdings noch nicht beurteilen. Dafür ist der Markt zu beweglich – und die Preistafeln ändern sich mitunter schneller, als man den Tankdeckel wieder schließt.

Kritik an der Entlastung

Der Vorsitzende der Monopolkommission, Tomaso Duso, kritisierte die Maßnahme. Bund und Länder gäben erneut etwa 2,5 Milliarden Euro aus, die Entlastung sei aber nicht gezielt auf Menschen mit niedrigen Einkommen ausgerichtet. Besonders Menschen mit hoher Fahrleistung und großen Fahrzeugen profitierten.

Der Einwand trifft einen wunden Punkt: Wer beruflich oder privat sehr viel unterwegs ist, spart an jeder Tankfüllung stärker als jemand, der sein Auto nur gelegentlich bewegt. Thomas Richter gehört mit seinen 30.000 bis 40.000 Kilometern im Jahr zu jener Gruppe, bei der sich die Ersparnis rasch bemerkbar macht.

Für die weitere Einordnung veröffentlichte die Monopolkommission vom 20. Mai bis 12. Juni 2026 täglich aktualisierte Auswertungen zur Entwicklung der Kraftstoffpreise nach Einführung des Tankrabatts. Die Auswertungen basierten jeweils auf den Preisen des Vortags und wurden fortlaufend ergänzt.

Die dazugehörigen Grafiken verglichen die Preisentwicklung in Deutschland mit jener in Frankreich und Großbritannien. Außerdem zeigten sie, in welchem Umfang die Steuersenkung an Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurde. Orange Darstellungen machten diese Weitergabe sichtbar, graue Linien markierten die Zeit vor Ausbruch des Krieges sowie die Einführung der 12-Uhr-Regel.

Die Vergleichswerte halfen dabei, die allgemeine Marktentwicklung und jene Faktoren einzuordnen, die die Kraftstoffpreise in Deutschland beeinflussten. Die Zapfsäule in Troisdorf-Spich liefert also nur eine Momentaufnahme – am nächsten Morgen kann die Rechnung schon wieder anders aussehen.