Tankrabatt senkt Spritpreise um rund 15 Cent – doch der Ölpreis erschwert die Bilanz
Am ersten Tag des Tankrabatts sind die Kraftstoffpreise in Deutschland deutlich gefallen – allerdings nicht überall gleich stark. An manchen Tankstellen kostete Super E10 wieder weniger als zwei Euro je Liter. In Flensburg berichtete eine Regionalzeitung sogar von Rückgängen um bis zu 50 Cent. Die Folge: Schlangen vor den Zapfsäulen.
Auch andernorts ging es spürbar abwärts. Der RWI-Ökonom Manuel Frondel beobachtete eine Tankstelle, an der Diesel am Mittwochabend noch 2,34 Euro je Liter kostete. Am Donnerstagmorgen waren es 2,16 Euro – ein Minus von 18 Cent.
Rund 15 Cent weniger an der Zapfsäule
Der ADAC verglich die Preise deutschlandweit am Donnerstag um 8 Uhr mit denen des Vortags. Super E10 war demnach 14,5 Cent je Liter günstiger: von 2,207 Euro am Mittwoch auf 2,062 Euro am Donnerstag. Diesel verbilligte sich um 15,2 Cent, von 2,361 auf 2,209 Euro je Liter.
Der Vergleich zur gleichen Uhrzeit ist nicht bloß Zahlenspielerei. Tankstellenpreise sinken über Nacht üblicherweise. Erhöhungen sind nach der geltenden Regel nur mittags erlaubt, ansonsten dürfen die Preise lediglich gesenkt werden. Am Donnerstagmittag zogen die Preise dann wieder an. Gegenüber dem Vortag zur gleichen Uhrzeit blieb der Rückgang laut ADAC aber bei etwa 14 bis 15 Cent je Liter.
Beobachter und das Bundeskartellamt kamen zunächst zu dem Ergebnis, dass der Tankrabatt weitgehend bei den Verbrauchern angekommen war. Eine vollständige Weitergabe hätte rechnerisch 16,7 Cent je Liter bedeutet. Tatsächlich sanken die Preise um rund 15 Cent – also nur wenig weniger. Einen Teil des Rabatts behielten die Ölunternehmen ein. Ifo-Ökonom Florian Neumeier hatte genau das vorab erwartet und eine Weitergabe von etwa 15 statt 16,7 Cent prognostiziert.
Rohöl, Erwartungsdruck und die Frage nach dem Maßstab
Zusätzlich spielte der Rohölpreis hinein. Nach einem teuren Montag notierte Rohöl am Dienstag und Mittwoch schwächer. Am Donnerstag stieg der Preis für Nordseeöl Brent wieder auf etwas über 100 Dollar je Barrel. An der Zapfsäule liefen also mehrere Bewegungen gleichzeitig – da wird die Rechnung schnell etwas knifflig.
Die Ökonomin Monika Schnitzer erklärte, eine besonders starke Weitergabe am ersten Tag sei bei Tankrabatten typisch. Die Preisgestaltung werde dann besonders aufmerksam beobachtet. In den folgenden Tagen könne die Weitergabe nachlassen, weil Verbraucher schwerer erkennen, ob eine Preissteigerung auf höhere Kosten oder auf größere Gewinnmargen zurückgeht. Wie vollständig der Rabatt tatsächlich weitergereicht wurde, lasse sich daher erst später beurteilen.
Frühere Untersuchungen zu Tankrabatten 2022 sowie im Mai und Juni dieses Jahres führten zu unterschiedlichen Ergebnissen. Das Ifo-Institut und der ADAC stellten eine unvollständige Weitergabe fest. Das RWI und die Monopolkommission bewerteten sie dagegen als weitgehend gelungen. Eine entscheidende Rolle spielt der gewählte Vergleichszeitpunkt.
Werden Preise vor Beginn eines Tankrabatts angehoben und am Stichtag stark gesenkt, kann ein Vergleich zwischen Vortag und Stichtag irreführend sein. Vergleiche über die gesamte Rabattdauer wiederum werden durch andere Einflüsse erschwert, vor allem durch Veränderungen beim Ölpreis. Als weitere Methode bietet sich der Blick auf ein Land ohne Tankrabatt an, etwa Frankreich. Doch auch dort können landesspezifische Gründe die Kraftstoffpreise bewegen. Eine gewisse Unsicherheit bei der Berechnung der tatsächlichen Weitergabe bleibt deshalb bestehen.
Monopolkommission verfolgt die Entwicklung
Die Monopolkommission veröffentlichte vom 20. Mai bis 12. Juni 2026 täglich aktualisierte Auswertungen zur Entwicklung der Kraftstoffpreise nach Einführung des Tankrabatts. Grundlage waren jeweils die Preise des Vortags. Die Grafiken stellten Deutschland, Frankreich und Großbritannien gegenüber und zeigten zugleich, in welchem Umfang die Steuersenkung an Verbraucher weitergegeben wurde.
Die Auswertungen wurden laufend ergänzt. So ließ sich die Preisentwicklung über den Zeitverlauf beobachten, statt nur auf einen einzelnen hektischen Tankrabatt-Tag zu schauen. In den Darstellungen machte Orange die Weitergabe der Steuersenkung sichtbar. Graue Linien markierten die Zeit vor Ausbruch des Krieges sowie die Einführung der 12-Uhr-Regel.
Diese Vergleichslinien halfen dabei, die allgemeine Marktentwicklung einzuordnen. Erst die gemeinsame Betrachtung der Grafiken sollte zeigen, welche Faktoren die Kraftstoffpreise in Deutschland beeinflussten – Rabatt, Ölmarkt, Tageszeit und der Blick über die Grenze, alles nebeneinander.
