Tankrabatt startet: Preisrutsch an Bremens Zapfsäulen, doch ab 12 Uhr droht der nächste Sprung
Heute, am 1. Oktober 2026, ist der neue Tankrabatt gestartet – und an vielen Zapfsäulen in Deutschland war der Preisrutsch sofort sichtbar. Bereits um Mitternacht wurden Benzin und Diesel abrupt günstiger. Nach Angaben des Spritpreisportals Tankerkönig sanken die deutschlandweiten Durchschnittspreise zwischen 23:41 und 0:41 Uhr um etwa 10 bis 11 Cent je Liter.
Auch in Bremen und Bremerhaven standen am Morgen wiederholt lange Schlangen vor den Tankstellen. Pendler und andere Autofahrer nutzten die niedrigeren Preise, manche offenbar mit dem festen Vorsatz: Wenn’s schon billiger ist, dann jetzt. Der ADAC ermittelte um 8 Uhr bundesweit für Super E10 einen Durchschnittspreis von 2,062 Euro je Liter – 14,5 Cent weniger als am Mittwochmorgen. Diesel kostete im Mittel 2,209 Euro, also 15,2 Cent weniger als 24 Stunden zuvor.
In Bremen und Bremerhaven ging es schon zuvor abwärts
In Bremen fiel der Preis für E5 zwischen dem 24. und 30. September von 2,29 auf 2,25 Euro je Liter. E10 sank von 2,32 auf 2,29 Euro, Diesel von 2,40 auf 2,35 Euro. Das Wochenmittel am 1. Oktober lag bei E5 bei 2,28 Euro, bei E10 bei 2,22 Euro und bei Diesel bei 2,37 Euro – jeweils mit fallendem Trend.
Ähnlich sah es in Bremerhaven aus. E5 verbilligte sich im genannten Zeitraum von 2,28 auf 2,24 Euro je Liter, E10 von 2,31 auf 2,28 Euro. Diesel ging von 2,41 auf 2,38 Euro zurück. Die Wochenmittel betrugen am 1. Oktober 2,29 Euro für E5, 2,24 Euro für E10 und 2,36 Euro für Diesel; auch hier zeigte die Entwicklung jeweils nach unten.
Der Zeitpunkt bleibt trotzdem entscheidend. Seit Einführung der 12-Uhr-Regel ist der Vormittag häufig ein vergleichsweise günstiger Tankzeitpunkt. Spätvormittags sinken die Preise oft weiter, mittags steigen sie dagegen nicht selten um mehr als 20 Cent je Liter. Am Donnerstag kletterten die Preise nach 12 Uhr ungefähr auf das Niveau vom Mittwochabend. Wer da gerade an der Zapfsäule stand, dürfte sich kurz gefragt haben, ob die Uhr wirklich richtig geht.
Mit dem Tankrabatt senkt die Bundesregierung die Energiesteuer und gewährt Autofahrern 17 Cent Rabatt je Liter. Die politische Zustimmung dazu hält sich allerdings in Grenzen: In einer Befragung befürworteten 24 Prozent die Maßnahme, 70 Prozent lehnten sie ab. Über den Start wurde am 1. Oktober 2026 unter anderem bei Bremen Eins und in der Rundschau berichtet.
Die 12-Uhr-Regel macht den Tankkalender komplizierter
Der ADAC fordert die Abschaffung der seit April 2026 geltenden 12-Uhr-Tankregelung. Zwar ist die Zahl der täglichen Preisänderungen laut Automobilclub deutlich gesunken, außerdem wurde der Zeitpunkt von Preiserhöhungen vorhersehbarer. Gleichzeitig hat sich die Preisdifferenz innerhalb eines Tages deutlich vergrößert.
ADAC-Verkehrspräsident Peter König kritisiert, dass Menschen, die nach 12 Uhr tanken müssen, erhebliche und nicht gerechtfertigte Zusatzkosten tragen. Eine Tankkundin aus Düsseldorf berichtete, dass die Preise nach 12 Uhr teilweise um 20 bis 30 Cent pro Liter gestiegen seien. An manchen Tagen kostet der Liter um 12:01 Uhr mehr als 10 Cent mehr als um 11:59 Uhr. Je nach Tankfüllung kann daraus ein Mehrbetrag von über 10 Euro entstehen – für denselben Kraftstoff, nur ein paar Minuten später.
Experten hatten genau dieses Muster bereits vor der Einführung erwartet: Tankstellen könnten die Preise um 12 Uhr stark erhöhen und im Tagesverlauf wieder senken. Nachmittags liegen die Preise tendenziell über dem Tagesdurchschnitt, vormittags darunter. Johannes Giewald von der ADAC-Regionalredaktion NRW sagt, die Regelung habe nicht dazu geführt, dass die Preise dauerhaft günstig blieben.
Ganz einig sind die Tankkunden trotzdem nicht. Eine andere Kundin hält die Kritik für unbegründet und verweist darauf, dass man vor 12 Uhr tanken könne – morgens fahren schließlich ohnehin viele Menschen zur Arbeit oder Schule. Praktisch ist das nicht für alle. Wer Schicht arbeitet, Kinder bringt oder schlicht erst am Nachmittag loskommt, kann sich den günstigen Zeitpunkt nicht aus dem Ärmel schütteln.
Ursprünglich sollte die Regel durch mehr Transparenz und Vergleichbarkeit den Wettbewerb stärken und dauerhaft niedrigere Preise fördern. Vor ihrer Einführung gab es laut Bundeskartellamt bis zu 50 Preisänderungen pro Tag. Dieses Transparenzziel wurde laut Bericht erreicht: Verbraucher können beispielsweise gegen 11 Uhr per App Preise vergleichen und kurz vor 12 Uhr tanken.
Der ADAC bewertet den Effekt dennoch kritisch. Eine Untersuchung des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, kurz ZEW, kam im April zu dem Ergebnis, dass die Durchschnittspreise seit der Einführung nicht niedriger seien als zuvor. Das ZEW hält zudem dagegen, dass es vor der Regelung den ganzen Tag über Gelegenheiten für günstiges Tanken gegeben habe. Als Quellen nennt der Bericht die dpa, das Bundeskartellamt, ein WDR-Interview mit Johannes Giewald sowie Interviews an einer Tankstelle in Düsseldorf-Düsseltal.
September war der teuerste Tankmonat
Der Preisrutsch zum Monatswechsel kommt vor einem ausgesprochen teuren Hintergrund. Der September 2026 war laut ADAC bislang der teuerste Tankmonat. Super E10 kostete durchschnittlich 2,266 Euro pro Liter, Diesel 2,386 Euro. Die bisherigen Höchststände lagen bei 2,145 Euro für E10 und 2,263 Euro für Diesel.
Als Gründe für das hohe Preisniveau werden ein Krieg mit Beteiligung des Iran, der Ölexporte aus der Golfregion beeinträchtigt, sowie begrenzte Raffineriekapazitäten genannt. Der teuerste Tanktag für Super E10 war der 16. September mit durchschnittlich 2,314 Euro je Liter. Diesel erreichte seinen Monats-Höchststand am 17. September mit 2,471 Euro.
Der Blick zurück macht die aktuelle Belastung noch greifbarer. Das teuerste Tankjahr seit Beginn der Aufzeichnungen war 2022: Super E10 kostete im Jahresdurchschnitt 1,860 Euro je Liter, Diesel 1,946 Euro. E10 lag damit rund 27 Cent über dem bisherigen Rekordjahr 2012, Diesel fast 47 Cent.
2024 war E10 im Jahresmittel rund 12 Cent je Liter günstiger als 2022 und zugleich billiger als 2023. Diesel kostete fast 30 Cent weniger als 2022. Trotzdem war 2024 das drittteuerste Tankjahr. Im Jahr 2025 lag E10 bei durchschnittlich 1,688 Euro je Liter und damit rund 17 Cent unter dem Wert von 2022. Diesel war rund 33 Cent günstiger als 2022. Das Tankjahr 2025 fiel damit günstiger aus als 2024 und 2023.
Vom Pfenniggefühl zur App-Kontrolle
Anfang 1999 kostete ein Liter Super durchschnittlich weniger als 79 Cent beziehungsweise 1,54 DM. Zur Verteuerung trugen unter anderem die Ökosteuer mit jährlichen Erhöhungen von 1999 bis 2003, die Mehrwertsteuererhöhung 2007, höhere Rohölpreise und dadurch gestiegene Produktkosten bei. In jüngerer Zeit spielte insbesondere der Krieg in der Ukraine eine Rolle.
Kraftstoffpreise sind Marktpreise; der Wettbewerb beeinflusst den konkreten Preis an der jeweiligen Tankstelle. Für Benzin werden seit dem 1. März 2011 die Preise für Super E10 angegeben. Die DM-Preise für 2000 und 2001 wurden zur Vergleichbarkeit in Euro umgerechnet. Seit 1986 beziehen sich die Angaben auf bleifreies Benzin.
Und so stehen heute Autofahrer mit dem Handy in der Hand an der Zapfsäule, vergleichen Preise gegen 11 Uhr und rechnen im Kopf, ob noch ein paar Minuten bis 12 Uhr drin sind. Der Tankrabatt drückt den Preis zunächst kräftig, während die Uhr weiterläuft und die nächste Preiskurve schon wartet.
