Hohe Spritpreise treffen auch das Baugewerbe direkt: Jeder zusätzliche Cent an der Zapfsäule landet irgendwann in den Transportkosten, in der Baustellenlogistik oder schlicht im Monatsbudget eines Betriebs. Seit dem 1. Oktober gilt deshalb der Tankrabatt. Der Bund verzichtet auf Energie- und Mehrwertsteuer von insgesamt rund 16,7 Cent je Liter; einschließlich Umsatzsteuer entspricht die Entlastung rund 17 Cent.

Nur: An der Tankstelle kommt davon bislang nicht überall alles an. Das Ifo-Institut und der ADAC kommen zu dem Ergebnis, dass der Rabatt nur teilweise an die Verbraucher weitergegeben wird. In den ersten fünf Tagen wurden nach Berechnungen des Ifo durchschnittlich 15 von 17 Cent beim Diesel weitergereicht, bei Super E5 gut 16 Cent und bei Super E10 ebenfalls 15 Cent je Liter.

Bei E10 bleibt eine auffällige Lücke

Der ADAC sieht vor allem bei E10 eine deutliche Differenz zum rechnerisch möglichen Preisrückgang von rund 17 Cent je Liter. Beim Diesel kommt die steuerliche Entlastung dem Automobilclub zufolge zu einem großen Teil bei den Verbrauchern an. Spielraum für weitere Preissenkungen sieht der ADAC trotzdem.

Wie stark der Rabatt an der Zapfsäule ankommt, änderte sich zudem von Tag zu Tag. Am 1. Oktober wurde er vollständig weitergegeben. Am Wochenende blieb die Weitergabe teilweise aus. Bei E10 sank sie von Donnerstag bis Sonntag um rund 7 Cent, ehe am Montag wieder mehr als 15 Cent weitergegeben wurden. Beim Diesel verlief die Entwicklung ähnlich, allerdings mit geringeren Schwankungen. Für Autofahrer ist das die Sorte Auf-und-ab, bei der man vor dem Tanken noch rasch aufs Handy schaut.

Zuletzt gaben die Preise nach. E10 kostete am Dienstag bundesweit durchschnittlich 2,126 Euro je Liter – 0,6 Cent weniger als am Montag, aber noch mehr als am ersten Tag des Tankrabatts. Diesel lag bei 2,233 Euro je Liter, 1,2 Cent unter dem Montagspreis und zugleich unter dem Niveau des ersten Rabatttags. Daten des Portals Tankerkönig deuteten am Mittwoch auf weitere Preisrückgänge hin.

Warum Ifo und ADAC zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen

Die Abweichungen zwischen den Einschätzungen haben mit unterschiedlichen Zeiträumen und Methoden zu tun. Der ADAC betrachtet die Preisentwicklung in Deutschland unter den aktuellen Marktbedingungen. Das Ifo vergleicht deutsche Preise mit jenen in Frankreich, um allgemeine Schwankungen – etwa durch den Ölpreis – herauszurechnen. Frankreich dient dabei als Maßstab für die Entwicklung, die in Deutschland ohne Tankrabatt zu erwarten gewesen wäre.

Genau diesen Ansatz nutzt der ifo Tankrabatt-Tracker. Er untersucht, ob und in welchem Umfang Mineralölkonzerne den Rabatt an Autofahrer weitergeben, und beobachtet dafür Diesel, Super E5 und Super E10 in Deutschland. Mithilfe statistischer Verfahren wird geschätzt, wie stark die Steuersenkung an den Zapfsäulen ankommt. Neue Zahlen erscheinen an jedem Werktag und bilden die Entwicklung bis zum Vortag ab.

Gemessen wird die Preiswirkung als Veränderung der Preisdifferenz zwischen Deutschland und Frankreich. Eine vollständige Weitergabe würde einem Rückgang der deutschen Preise gegenüber Frankreich um 17 Cent je Liter entsprechen. Der Tracker setzt dabei den 23. April 2026 als Stichtag an, also den Tag vor dem Beschluss von Bundestag und Bundesrat. Die damalige Preisabweichung lag ungefähr auf Höhe des Wochendurchschnitts.

Der Rechenweg ist zweistufig: Zunächst wird täglich die Differenz zwischen den durchschnittlichen Kraftstoffpreisen in Deutschland und Frankreich ermittelt. Danach wird diese Differenz um den Wert am Stichtag bereinigt. So bleiben dauerhafte Unterschiede im Preisniveau beider Länder berücksichtigt.

Ein simpler Vorher-Nachher-Vergleich würde andere Einflüsse nicht sauber herausrechnen. Kraftstoffpreise schwanken wegen veränderter Ölpreise, Transport- und Beschaffungsbedingungen sowie der Nachfrage. Frankreich ist im Modell das Kontrafaktum: Ohne Rabatt wären die deutschen Preise nach dem 1. Mai 2026 entsprechend dem französischen Preistrend verlaufen.

En2x widerspricht – und verweist auf den Rhein

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie, kurz en2x, widerspricht den Berechnungen von Ifo und ADAC. Nach Angaben des Verbands kommen die 17 Cent Steuerentlastung je Liter vollständig bei den Tankkunden an: 14 Cent Energiesteuer und knapp 3 Cent Mehrwertsteuer. Preisabweichungen könnten unter anderem durch schwankende Kosten für die gesetzliche Bioquote, Transporte und das aktuelle Niedrigwasser des Rheins entstehen.

Dass sich die exakte Rabattweitergabe über einen Auslandsvergleich bestimmen lässt, bezweifelt der Verband ebenfalls. Marktbedingungen und Regulierung seien in Deutschland und Frankreich unterschiedlich. Schon deshalb könne der Vergleich aus Sicht von en2x nicht die ganze Geschichte erzählen.

Die deutschen Preisdaten des Trackers stammen von der Markttransparenzstelle des Bundeskartellamts. Jede Tankstelle in Deutschland muss Preisänderungen dorthin melden; der Datenzugang erfolgt über die Preisvergleichsseite „tankerkoenig.de“. Für Frankreich greift das Ifo auf die Online-Datensammlung „Le prix des carburants“ des französischen Wirtschaftsministeriums zurück.

Für beide Länder liegen minutengenaue Preise für Super E5, Super E10 und Diesel an sämtlichen Tankstellen vor. Für jede Station wird zunächst ein zeitlich gewichteter Tagesdurchschnitt berechnet, danach der Mittelwert über alle Tankstellen. Berücksichtigt werden Preise zwischen 6 und 22 Uhr; maßgeblich ist, wie lange ein Preis jeweils gültig war. Die resultierenden Werte sollen abbilden, welchen Betrag eine Person bei einem beliebigen Tankvorgang an einer beliebigen Tankstelle durchschnittlich zahlen musste.

Ein Rabatt mit Nebenwirkungen

Ifo-Experte Florian Neumeier bewertet den Tankrabatt kritisch. Hohe Preise hätten normalerweise eine dämpfende Wirkung auf den Verbrauch. Der Rabatt könne Kaufentscheidungen verzerren und dazu beitragen, dass sich Käufer von Benzinfahrzeugen stärker von Ölimporten aus der Golfregion abhängig machen.

Christian Gréus vom Ifo-Institut bezeichnet die Maßnahme als wenig zielgenau. Haushalte mit geringem Einkommen, kleinen Autos und geringer Fahrleistung profitierten laut Gréus kaum davon. Für einen Betrieb mit mehreren Transportern sieht die Rechnung natürlich anders aus als für jemanden, der nur gelegentlich zum Einkauf fährt.

Bereits im Mai und Juni war das Ifo zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Tankrabatt nicht vollständig weitergegeben wurde. En2x hatte dieser Einschätzung damals ebenfalls widersprochen. Das Institut will erneut einen Online-Tracker zur Weitergabe des Rabatts veröffentlichen.

Die zeitliche Einordnung ist allerdings nicht ganz geradlinig: Ein vergleichbarer Tankrabatt galt bereits von Anfang Mai bis Ende Juni. Der Koalitionsausschuss mit CDU, CSU und SPD verständigte sich am 13. April 2026 auf die neuerliche Maßnahme; Bundestag und Bundesrat beschlossen sie am 24. April. Nach den Angaben zum aktuellen Tankrabatt gilt die Regelung ab dem 1. Mai 2026 und ist zunächst bis zum 30. Juni 2026 befristet. Der nun geltende Schritt ab 1. Oktober geht auf die Vereinbarung von Bund und Ländern zurück und läuft bis Ende 2026.

Die Bundesregierung senkte als Reaktion auf gestiegene Spritpreise die Energiesteuersätze für Diesel und Benzin. Zusammen mit der niedrigeren Umsatzsteuer sinken die Kraftstoffsteuern dadurch um etwa 17 Cent brutto je Liter. Laut Gesetzentwurf verursacht der Tankrabatt im Jahr 2026 Steuermindereinnahmen von 1,6 Milliarden Euro. Der Artikel zum Tracker bezeichnet die gestiegenen Spritpreise als Folge des Iran-Kriegs und weist zugleich auf den Konflikt der Maßnahme mit umweltpolitischen Zielen hin.

Was danach kommen soll

Bund und Länder haben zusätzlich einen Spritpreisdeckel vorgesehen. Der genaue Starttermin ist noch offen, spätestens soll er am 1. Januar 2027 kommen. Als Vorbilder gelten Regelungen in Luxemburg und Belgien. Die Versorgungssicherheit soll gewährleistet und missbräuchliche Preisaufschläge sollen verhindert werden. Der Höchstpreis soll sich unter anderem an Ölpreisen, Transport- und Vertriebskosten sowie einer Händlermarge orientieren.

Die SPD fordert den Spritpreisdeckel seit längerer Zeit, während Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ihn abgelehnt hatte. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete die geplante Entlastung angesichts angespannter Haushalte als erheblich. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) kündigte an, gegen hohe Preisaufs