Wer heute, am 30. September 2026, noch tanken muss, schaut vermutlich zweimal auf die Anzeigetafel. Ab Mitternacht gilt in Deutschland der zweite Tankrabatt des Jahres: Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel wird bis Jahresende gesenkt. Einschließlich der dadurch ebenfalls sinkenden Mehrwertsteuer ergibt sich eine mögliche Entlastung von bis zu 16,7 Cent je Liter.

Die Vergünstigung greift für Kraftstoff, der ab Mitternacht die Raffinerien oder Tanklager verlässt. An den Tankstellen könnte sich also schon sehr bald etwas bewegen. Tatsächlich fielen die Preise bereits vor dem Start: Super E10 war am Mittwoch um 10 Uhr nach ADAC-Angaben 4,2 Cent je Liter günstiger als am Dienstag, Diesel verbilligte sich um 3,9 Cent. Kurz vor Mittag lagen beide Sorten laut dem Spritpreisportal Tankerkönig sogar rund 5 Cent unter dem Vortagsniveau.

Preise sinken – aber nicht überall gleich

Auch die Tagesdurchschnittspreise waren zuvor zurückgegangen. E10 kostete am Dienstag bundesweit durchschnittlich 2,258 Euro je Liter und damit 1,8 Cent weniger als am Montag. Diesel lag bei 2,409 Euro je Liter, 1,6 Cent unter dem Preis des Vortags. Der übliche Preisanstieg zur Mittagszeit fiel am Mittwoch stärker aus als zuletzt.

Die Mineralölbranche rechnet damit, dass die Steuersenkung unmittelbar an den Tankstellen ankommt. Christian Küchen vom Wirtschaftsverband Fuels und Energie erklärte, die Entlastung werde ab Mitternacht vollständig und ohne Aufschläge weitergegeben. Der ADAC erwartet dagegen eher einen schrittweisen Preisrückgang und fordert eine möglichst schnelle und vollständige Weitergabe.

ADAC-Experte Christian Laberer befürchtet, dass ein Teil der Entlastung bei den Unternehmen verbleiben könnte. Der Branchenverband weist das zurück und verweist auf den Wettbewerb zwischen rund 14.000 Tankstellen. Bei der Bewertung müssten neben den Steuern auch andere schwankende Kosten berücksichtigt werden, sagte Küchen.

Beim ersten Tankrabatt im Mai und Juni kam die Entlastung laut Ifo-Institut, Monopolkommission und Bundeskartellamt überwiegend, aber nicht vollständig bei den Verbrauchern an. Die Mineralölwirtschaft widersprach dieser Einschätzung. Der ADAC kann den vorzeitigen Preisrückgang nicht eindeutig erklären und vermutet einen Zusammenhang mit der jüngsten Entspannung an den internationalen Ölmärkten. Der Rückgang zeige zugleich, dass angesichts des hohen Preisniveaus Spielraum für Preisnachlässe bestehe.

Was der erste Tankrabatt 2026 zeigte

Der erste Tankrabatt des Jahres war zum 1. Mai 2026 gestartet. Der Bundestag hatte ihn am 24. April 2026 beschlossen. Bis zum 30. Juni wurden die Energiesteuersätze auf Benzin und Diesel befristet um 14,04 Cent je Liter gesenkt; durch den niedrigeren Mehrwertsteueranteil ergab sich eine mögliche Gesamtentlastung von bis zu 17 Cent je Liter. Einschließlich Mehrwertsteuereffekt wurde die Bruttoentlastung mit 16,7 Cent je Liter angegeben.

Im Mai sanken die Benzinpreise nach der Steuersenkung bislang durchschnittlich um etwa 5 Cent je Liter. Diesel wurde im gleichen Zeitraum um etwa 17,7 Cent günstiger und lag wieder unter dem Preis von E10. Eine bessere Dieselverfügbarkeit spielte dabei eine Rolle, ebenso veränderte Absatzerwartungen: Man rechnete mit einer Entspannung für die Straße von Hormus, teilweise wurden Importe aus dem Nahen Osten durch Lieferungen aus EU-Staaten ersetzt – unter anderem aus Schweden, Polen und den Niederlanden. Für den Sommer wurde wegen der Urlaubssaison ein steigender Benzinabsatz erwartet.

Bis zum 26. Mai sanken die Rohölpreise um rund 11 Prozent beziehungsweise etwa 7 Cent je Liter. Die Großhandelspreise entwickelten sich weitgehend parallel, wobei Diesel im Großhandel stärker nachgab. Im Monatsdurchschnitt kostete Diesel 1,98 Euro je Liter, E5 2,04 Euro und E10 1,99 Euro.

Die ersten Tage waren allerdings ein ziemliches Auf und Ab. Vom 30. April bis 6. Mai sanken die Preise an Tankstellen im Durchschnitt bei E5 und E10 um knapp 12 Cent je Liter, bei Diesel um knapp 15 Cent. Die Netto-Großhandelspreise gingen im selben Zeitraum bei Benzin um knapp 17 Cent und bei Diesel um etwa 24 Cent zurück. Gleichzeitig war der Rohölpreis vom 19. April bis 6. Mai um mehr als 14,4 Prozent gestiegen – von 47,57 auf 54,42 Cent je Liter. Vom 30. April bis 6. Mai bewegten sich die Rohölpreise dann seitwärts oder gingen leicht zurück. Eine abschließende Bewertung der Weitergabe war wegen der stark schwankenden Kostenfaktoren zunächst nicht möglich.

Am 1. Mai fielen die Preise nach Mitternacht zunächst durchschnittlich um etwa 10 Cent, im Laufe des Vormittags folgten weitere rund 5 Cent. Gegen 10 Uhr waren sie im Durchschnitt um etwa 14 Cent gesunken. Der erste Eindruck war allerdings davon beeinflusst, dass nachts vor allem große Ketten und nur wenige Tankstellen geöffnet hatten. Viele Tankstellen starteten erst am Vormittag mit niedrigeren Preisen.

Um die Mittagszeit drehte sich das Bild. Diesel stieg etwa 13 Cent von 2,04 auf rund 2,17 Euro, E5 ungefähr 12 Cent von 2,01 auf 2,13 Euro und E10 rund 12 Cent von 1,95 auf 2,07 Euro. Um 14 Uhr lagen die Durchschnittspreise bei 2,12 Euro für Diesel, 2,08 Euro für E5 und 2,02 Euro für E10. Am günstigsten war das Tanken nach den vorliegenden Daten meist am Vormittag.

Am 2. Mai gegen 10:30 Uhr wurden durchschnittlich 2,06 Euro für Diesel, 2,03 Euro für E5 und 1,97 Euro für E10 verlangt. Kurz nach 14 Uhr lagen die Werte bereits bei 2,15 Euro für Diesel, 2,11 Euro für E5 und 2,05 Euro für E10 – rund 4,5 beziehungsweise etwa 4 Cent mehr als am Vortag zur gleichen Zeit. Die mittägliche Preissteigerung betrug durchschnittlich etwa 14 Cent bei Diesel auf rund 2,20 Euro, 12,5 Cent bei E5 auf rund 2,15 Euro und 12,7 Cent bei E10 auf rund 2,10 Euro.

Bis 14 Uhr waren die Preise nach der 12-Uhr-Spitze schon wieder um 4 bis 5 Cent gefallen. Nach dem Mittagshoch sanken sie im Durchschnitt bis zum nächsten Vormittag um etwa 15 Cent. Die Tankstellen erhöhten ihre Preise unterschiedlich stark, bei manchen gab es kaum Veränderungen. Auch am 4. Mai gegen 10 Uhr lagen die Durchschnittspreise mit 2,08 Euro für Diesel, 2,05 Euro für E5 und 1,99 Euro für E10 wieder niedriger.

Regional ging es ebenfalls auseinander. Vom 30. April auf den 1. Mai sanken die Preise im Durchschnitt um knapp 13 Cent. Bei Diesel lagen die regionalen Rückgänge durchschnittlich zwischen 9,5 und 16 Cent, bei E5 zwischen 10 und 15,5 Cent. In Süddeutschland war das Preisniveau teilweise 5 bis 7 Cent niedriger als in Mittel- und Norddeutschland. Als Ursache galten regionale Unterschiede bei Raffinerie- und Großhandelspreisen. Preisvergleichs-Apps waren da kein Luxus, sondern schlicht praktisch.

Kontrolle durch Kartellamt und Länder

Das Bundeskartellamt überwacht, in welchem Umfang die Steuersenkung an Verbraucher und Wirtschaft weitergegeben wird. Präsident Andreas Mundt wies darauf hin, dass neben der Steuersenkung auch sinkende Rohölpreise die Kraftstoffpreise beeinflussten. Eine allgemeine gesetzliche Pflicht, die Entlastung bei Benzin und Diesel vollständig weiterzugeben, besteht nicht.

Das Bundeskartellamt setzt keine Preise fest und ist keine Preisbehörde. Es prüft vielmehr, ob Unternehmen mit Marktmacht – etwa Raffinerien oder Großhändler – ihre Stellung missbräuchlich ausnutzen. Hohe Gewinne allein sind noch kein Wettbewerbsverstoß. Entscheidend ist, ob sie durch Wettbewerb oder durch den Missbrauch von Marktmacht entstehen. Eine pauschale Grenze für missbräuchlich überhöhte Preise gibt es nicht; jeder Fall muss einzeln geprüft werden.

Seit dem 1. April 2026 kann das Bundeskartellamt detailliertere Informationen zur Preisbildung von Unternehmen verlangen. Die Erhebung und Auswertung dieser Daten braucht Zeit. Zum Inkrafttreten der neuen Vorsch