Zwischen der Provinz Vinh Long und der Stadt Can Tho nimmt ein großes Verkehrsprojekt Gestalt an: Die geplante Can-Tho-2-Brücke soll den Straßen- und Schienenverkehr über den Hau-Fluss bündeln. Nach den derzeitigen Planungen soll der Bau Ende 2026 beginnen und rund fünf Jahre dauern. In einer früheren Projektplanung war noch von einem voraussichtlichen Baubeginn im Jahr 2007 die Rede.

Mai Van Tan, Direktor des Bauamts von Can Tho, gab die Informationen am 8. Oktober auf einer Pressekonferenz des Volkskomitees von Can Tho bekannt. Vorgesehen ist das My Thuan Project Management Board des Bauministeriums als Investor. Die Projektdokumente werden derzeit vorbereitet beziehungsweise vom Ministerium für Bauwesen geprüft. Investitionsentscheidung, Projektgenehmigung und die Auswahl der Auftragnehmer sollen im Laufe des Jahres 2026 erfolgen.

Zwei Ebenen für Straße und Bahn

Die Can-Tho-2-Brücke soll Straßen- und Schienenverkehr auf zwei Ebenen kombinieren: Oben ist eine sechsspurige Straße mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von etwa 100 km/h vorgesehen, darunter eine zweigleisige Eisenbahnstrecke. Die Bahn wird mit einer Spurweite von 1.435 Millimetern geplant. Für die Strecke sind etwa 120 km/h vorgesehen; Personenzüge sollen bis zu 160 km/h erreichen können, Güterzüge bis zu 120 km/h.

Die Verbindung soll in die geplante Bahnstrecke Ho-Chi-Minh-Stadt–Can Tho integriert werden. Je nach Abgrenzung fällt ihre Länge unterschiedlich aus: Das eigentliche Projekt wird mit etwa 15,14 Kilometern angegeben, einschließlich der Anschlussstrecken sind es rund 17,5 Kilometer. Die Trasse beginnt am Knotenpunkt Cha Va in Vinh Long und führt bis zum Autobahnkreuz IC2 auf der Can-Tho-Seite. Dort besteht eine direkte Verbindung zur Schnellstraße Ho-Chi-Minh-Stadt–Ca Mau.

Der Hauptbrückenabschnitt ist als Schrägseilbrücke mit Spannweiten von 210 Metern, 450 Metern und 210 Metern geplant. Nach den vorliegenden Angaben soll dieser Abschnitt etwa 870 Meter lang und 30,5 Meter breit werden; an anderer Stelle wird das Hauptbauwerk als mehr als einen Kilometer lange Schrägseilbrücke beschrieben. Die Brücke soll ungefähr 4,5 Kilometer flussabwärts der bestehenden Can-Tho-Brücke entstehen. Für die Schifffahrt ist eine Durchfahrtshöhe von 300 Metern vorgesehen.

Milliardenprojekt mit mehreren Zahlen

Die derzeit geschätzten Gesamtinvestitionen belaufen sich auf etwa 27.050 Milliarden VND. Eine weitere aktuelle Schätzung nennt 29,525 Billionen VND, umgerechnet rund 1,12 Milliarden US-Dollar. In dieser Summe sind Bau und Ausrüstung ebenso enthalten wie Projektmanagement, Beratung, Grundstücksräumung und Umsiedlungen. Das ist viel Geld – und auf einer Baustelle am Mekong bleibt bekanntlich selten alles bei der ersten Kalkulation.

Auch die Zufahrtsstraßen gehören zum Vorhaben. Sie sollen über Notfallspuren verfügen. Im dritten Quartal 2027 sollen Grenzmarkierungen und Querschnittsunterlagen für die Landräumung an die lokalen Behörden übergeben werden. Danach sind Landbeschaffung und Räumungsarbeiten auf beiden Seiten der Brücke vorgesehen. Der Bau der Zufahrtsstraße soll voraussichtlich im vierten Quartal 2027 beginnen.

Entlastung für das Mekong-Delta

Can Tho 2 soll Teil des nord-südlichen Schnellstraßennetzes werden und außerdem die Korridore Chau Doc–Can Tho–Soc Trang sowie Ha Tien–Rach Gia–Bac Lieu anbinden. Nach Angaben der Behörden könnte die neue Verbindung die Nationalstraße 1 entlasten. Für Handel und regionale Logistik wäre das ein wichtiger zusätzlicher Korridor, gerade dort, wo Lastwagen, Pendler und Warenströme heute oft auf denselben überlasteten Strecken unterwegs sind.

Mit der Kombination aus Autobahnanschluss und Eisenbahn geht das Projekt über eine reine Flussquerung hinaus. Es soll die wirtschaftliche, soziale und sicherheitspolitische Entwicklung im Mekong-Delta unterstützen. Ob die Unterlagen bis Ende 2026 zur Vorlage der Investitionspolitik bereitstehen und der Zeitplan hält, wird sich nun in den Prüfungen des Bauministeriums zeigen. Der nächste große Schritt liegt bei den Behörden vor Ort – und bei den Vermessungsteams, die später die ersten Linien ins Gelände setzen.