Fallende Immobilienpreise und steigende Baukosten setzen Deutschlands Baustellen unter Druck
Auf vielen Baustellen ist die Luft dünn geworden. Die Stimmung in der Bau- und Immobilienbranche bleibt gedrückt, während die Immobilienpreise weiter fallen. Für die Unternehmen ist das eine unangenehme Mischung: laufende Projekte müssen finanziert, geplante Vorhaben neu kalkuliert und Kunden trotz hoher Kosten bei der Stange gehalten werden.
Optimismus ist derzeit eher Mangelware. Nur 23–25 Prozent der Unternehmen blicken zuversichtlich auf die Geschäftsentwicklung. Hohe Zinsen und Baukosten belasten sowohl laufende als auch geplante Projekte. Aus der Branche werden deshalb Forderungen nach staatlicher Unterstützung laut. Francesco Fedele erklärt, die Branche müsse sich an die veränderten Bedingungen anpassen, um zu überleben.
Was bei Baukosten und Baupreisen oft durcheinandergerät
Bei Gesprächen über Milliarden für Bauprojekte fällt häufig der Begriff „Baukostenindex“. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist damit jedoch meist der „Baupreisindex“ gemeint. Das Statistische Bundesamt weist bei Anfragen nach dem „Baukostenindex“ darauf hin, dass vermutlich der Baupreisindex gesucht wird; in den meisten Fällen wird das bestätigt.
Ganz dasselbe ist es trotzdem nicht. Das Statistische Bundesamt berechnet neben dem Baupreisindex auch einen zentral ermittelten Baukostenindex. Dieser misst die Entwicklung der Preise ohne Umsatzsteuer für die Produktionsfaktoren, die Bauunternehmen beim Neubau von Wohngebäuden einsetzen – insbesondere Arbeit und Material. Veränderungen der Produktivität und der Gewinnmargen von Bauunternehmen bleiben dabei unberücksichtigt.
Baupreisindizes zeigen dagegen die Entwicklung der Verkaufspreise des Baugewerbes. Aus Sicht der Käufer beziehungsweise Bauherren entsprechen sie deren Einkaufspreisen. Baukostenindizes blicken auf die von Bauunternehmen eingekauften Kosten für Material, Löhne, Ausrüstung und Energie. Wer also wissen will, warum eine Rechnung steigt, sollte genau hinschauen, welcher Index gemeint ist. Weitere Informationen zum Baupreisindex finden sich in den „Erläuterungen zum Baupreisindex“.
Preisindizes und Veränderungsraten für Wohnimmobilien stehen im Datenangebot des Statistischen Bundesamtes sowie in der GENESIS-Online-Datenbank unter dem Tabellencode 61262 zur Verfügung.
Indizes als Werkzeug für Markt und Finanzstabilität
Immobilienpreisindizes gehören zur statistischen Berichterstattung über Immobilienmärkte. Sie werden für makroökonomische Untersuchungen und für Analysen der Finanzstabilität genutzt – also auch dort, wo nicht die einzelne Wohnung, sondern das große Bild zählt.
Das Angebot an Preisindizes für Wohnimmobilien in Deutschland wurde in den vergangenen Jahren erweitert. Neben den amtlichen Häuserpreisindizes (HPI) werden insbesondere die Preisindizes des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp) sowie die Wohnimmobilienpreisindizes der Deutschen Bundesbank herangezogen, die auf Preisangaben der bulwiengesa AG beruhen.
Die verschiedenen Indizes sind allerdings nicht einfach austauschbar. Sie unterscheiden sich unter anderem bei Periodizität und zeitlicher Aktualität, bei der regionalen und objektspezifischen Untergliederung, beim Preiskonzept, bei Erhebung und Aufbereitung, bei der Gewichtung sowie bei der regionalen und objektspezifischen Abdeckung. Das klingt trocken, entscheidet aber darüber, welche Bewegung am Markt tatsächlich sichtbar wird.
Was Bauleistungen über den Druck auf Immobilienpreise verraten
Die amtliche Statistik veröffentlicht Preisindizes für zahlreiche Bauleistungen. Sie dienen der Untersuchung der Baukonjunktur und helfen dabei, kostenseitige Einflüsse auf Immobilienpreise zu messen. Wenn Material, Löhne oder Energie teurer werden, landet das nicht automatisch am selben Tag in einem Immobilienpreisindex – irgendwann kommt der Druck aber auf der Baustelle an.
Die vierteljährlichen Bauleistungspreisindizes zeigen die Preisentwicklung gegenüber dem Basisjahr. Erfasst werden der konventionell gefertigte Neubau ausgewählter Bauwerksarten des Hoch- und Tiefbaus sowie Instandhaltungsmaßnahmen an Wohngebäuden. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht zusätzlich eine detaillierte Aufschlüsselung nach einzelnen Bauleistungen.
Die Bundesbank berechnet daraus einen Gesamtindex. Dafür werden die Indizes der einzelnen Bauwerksarten entsprechend deren Anteilen am baugewerblichen Umsatz im Basisjahr gewichtet. Auf dem Papier ist das eine Rechenmethode; auf der Baustelle sind es Materiallieferungen, Lohnabrechnungen, Verzögerungen – und die bange Frage, ob die Finanzierung noch trägt.
Heute, am 12.10.2026, bleibt deshalb ein widersprüchliches Bild: Die Immobilienpreise fallen weiter, gleichzeitig drücken hohe Zinsen und Baukosten auf neue und bereits gestartete Vorhaben. Zwischen Excel-Tabelle, Betonmischer und Förderforderung muss die Branche einen Weg finden, mit den veränderten Bedingungen klarzukommen.
