In Dummerstorf bei Rostock soll ein großes Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe entstehen. Bis zu 5,6 Milliarden Euro will das Unternehmen dafür investieren. Rund 200 Einwohner kamen zu einer Informationsveranstaltung in der Aula der Grundschule – für eine Gemeinde dieser Größe kein kleiner Termin.

Das geplante Gelände liegt im Gewerbegebiet Ostsee, direkt neben dem Amazon-Logistikzentrum. Rund 350.000 Quadratmeter sind dafür vorgesehen. Der Baubeginn ist für Ende 2027 oder Anfang 2028 geplant. Entscheidend ist, ob die benötigte Strominfrastruktur rechtzeitig ausgebaut werden kann.

Baustart mit Strom-Vorbehalt

Das Rechenzentrum soll 2032 ans Netz gehen, der vollständige Aufbau ist bis 2033 vorgesehen. Bis dahin sollen Gebäude für die Rechenzentren, ein Verwaltungsgebäude und ein drei Meter hoher Sicherheitszaun entstehen. Die Anlage soll bis 2033 zunächst eine Kapazität von 240 Megawatt erreichen. Langfristig ist eine Erweiterung auf bis zu ein Gigawatt möglich – nach den vorliegenden Plänen könnte dieser Ausbau bis 2045 erfolgen.

Nach Angaben der Projektverantwortlichen soll das Vorhaben keine Auswirkungen auf das Grundwasser haben. Vorgesehen ist ein geschlossener Wasserkreislauf. Das Land Mecklenburg-Vorpommern stellt Fördermittel von bis zu 120 Millionen Euro bereit.

Wirtschaftsminister Wolfgang Blank bezeichnete das Projekt als bislang größte Einzelinvestition des Landes. Bürgermeister Jürgen Sprank sagte, in der Gemeindevertretung bestehe ein großes Einvernehmen über das Vorhaben. Dummerstorf erwartet durch die Schwarz-Gruppe zudem einen bedeutenden Gewerbesteuerzahler.

Cloud und künstliche Intelligenz aus Deutschland

Die Schwarz-Gruppe und ihre IT-Sparte Schwarz Digits haben ihren Sitz bei Heilbronn in Baden-Württemberg. Neben Lidl und Kaufland betreibt die Gruppe bereits sieben Rechenzentren in Deutschland und Österreich. Zu den Digital-Kunden gehören unter anderem Versicherungen, Krankenkassen und Polizeibehörden.

Das neue Rechenzentrum soll Cloud- und KI-Lösungen nach deutschem Recht ermöglichen. Damit will das Unternehmen die Wertschöpfung in Deutschland und Europa stärken. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig erklärte, die Landesregierung wolle Mecklenburg-Vorpommern unabhängiger von ausländischen Rechenzentrumsanbietern machen.

Vorgestellt wurden die Pläne von Schwarz-Chef Chrzanowski und Schwesig bei einer gemeinsamen Pressekonferenz Ende August. Für die Schwarz-Gruppe ist Dummerstorf nicht das einzige Großprojekt: 2025 hatte sie angekündigt, elf Milliarden Euro in ein neues Rechenzentrum in Lübbenau im Spreewald zu investieren. Dieses soll im Regelbetrieb vollständig mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden.

Ein Handelskonzern als großer IT-Anwender

Weltweit gehören rund 14.200 Filialen zur Schwarz-Gruppe. Lidl und Kaufland machen den Konzern zu einem großen IT-Anwender im Handelssektor – entsprechend wächst der Bedarf an Rechenleistung, Cloud-Diensten und Anwendungen für künstliche Intelligenz.

Die Angaben aus einer Bundestagsquelle, die für die Einordnung herangezogen wurde, enthalten dagegen keine lesbaren Nachrichteninhalte, sondern komprimierte PDF-Rohdaten. Für das Dummerstorfer Projekt bleiben damit vor allem die offenen praktischen Fragen: Stromausbau, Bauablauf und der genaue Weg von der ersten Baustelle bis zum geplanten Netzstart 2032.