Am In-Via-Quartier wird über neue Bebauung gesprochen – konkrete Pläne fehlen noch
Mitten in Paderborn könnte sich am In-Via-Quartier etwas bewegen. In der Nähe des Detmolder Tors steht ein unbebautes Grundstück zwischen Giersmauer, Uhlenstraße und Heierstraße im Mittelpunkt möglicher Gespräche zwischen In Via und dem Spar- und Bauverein. Beschäftigte hatten nach anonymen Hinweisen offenbar befürchtet, dass sogar das gesamte Quartier abgerissen werden könnte.
Bestätigt ist bislang deutlich weniger: Andrea Heim, Vorständin von In Via Deutschland, spricht von einem ersten, unverbindlichen Gespräch mit Vertretern des Spar- und Bauvereins über eine mögliche Bebauung der freien Fläche. Thorsten Mertens, Vorsitzender des Spar- und Bauvereins, bestätigte ebenfalls den Austausch. Konkrete Bebauungspläne gibt es aktuell nicht.
Hotel und Akademie bleiben bestehen
Das In-Via-Hotel und die In-Via-Akademie waren laut Heim nicht Gegenstand des Gesprächs. Beide Einrichtungen sollen unverändert weiterbetrieben werden. Das Hotel wird derzeit renoviert und soll danach mehr Betten haben. Das Jahresprogramm für das kommende Jahr ist bereits geplant, Reservierungen liegen laut Heim sogar bis 2028 vor.
Bei der freien Fläche handelt es sich vermutlich um den In-Via-Parkplatz an der Uhlenstraße. Fällt er weg, müssten etwa 50 Mitarbeiter und Hotelgäste andere Parkmöglichkeiten nutzen. Eine Tiefgarage ist derzeit laut Heim nicht vorgesehen. Sollte es später zu einer Bebauung kommen, müssten die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden – auch die erforderliche Zahl an Stellplätzen.
Ganz neu ist der Gedanke an Veränderungen dort nicht. Bereits 2021 hatten die In-Via-Akademie und das Meinwerk-Institut über weitere Bauvorhaben gesprochen. Entlang der Heierstraße sollte anstelle der Gebäude aus den 1950er-Jahren ein Neubau entstehen. Auch der Parkplatz am Ükernplatz/Uhlenstraße war für eine Überbauung vorgesehen. Der rund 2.900 Quadratmeter große Komplex sollte eine Tiefgarage erhalten. Umgesetzt wurden die Pläne jedoch nicht.
Die gGmbH In-Via-Akademie/Meinwerk-Institut gehört zum Verein In Via Deutschland. Aus der öffentlich zugänglichen Bilanz lassen sich zugleich Hinweise auf die finanzielle Situation der Paderborner Gesellschaft ablesen. In Via Deutschland verzeichnete 2024 einen Jahresfehlbetrag von rund 372.000 Euro, 2025 waren es rund 266.000 Euro.
In der Bilanz werden im In-Via-Quartier unter anderem das Gebäude Giersmauer 35, das Gebäude Heierstraße 32 sowie jeweils ein Grundstück an der Giersmauer und an der Heierstraße genannt. Die Mieteinnahmen aus der Überlassung von Grundstücken an die In-Via-Akademie betrugen 174.951,32 Euro im Jahr 2024 und 165.170,86 Euro im Jahr 2025. Ein Verkauf einzelner Immobilien oder Grundstücke könnte die finanzielle Lage von In Via Deutschland verbessern. Ob es dazu kommt, ist offen.
Der Bauverein macht bereits Tempo
Der Spar- und Bauverein ist in diesem Teil der Stadt längst aktiv. An der Nordstraße realisiert er ein Bauprojekt, sein Sitz befindet sich an der Giersmauer. Außerdem hat die Genossenschaft eine weitere Immobilie an der Giersmauer erworben. Wie viel Potenzial im Neubau steckt, zeigt derzeit das Vorhaben am Querweg.
Dort hat der Tiefbau für ein neues Klimaquartier begonnen. Geplant sind 51 Wohnungen, die Gesamtinvestition beträgt 18 Millionen Euro. Zum Projekt gehört außerdem eine Nahwärmeversorgung für insgesamt 200 Wohnungen. Der Baustart ist für September vorgesehen; laut Bildbeschreibung soll das Klimaquartier bis Anfang 2027 fertiggestellt werden.
Die Bauarbeiten laufen bereits seit Frühjahr 2025. Die Fertigstellung der vier Gebäude ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen. 29 der 51 Wohnungen werden öffentlich gefördert, das Fördervolumen liegt bei rund 5,7 Millionen Euro. Drei Stadthäuser bieten jeweils neun frei finanzierte Wohnungen für Singles, Paare und Familien.
Gemeinsam mit Bethel.regional entstehen außerdem barrierefreie Wohnangebote: zwei Wohngruppen mit Gemeinschaftsräumen und Tagesstrukturangebot sowie vier betreute Appartements. Wärme liefert eine zentrale Holzhackschnitzel-Heizanlage. Sie versorgt die Neubauten und 153 benachbarte Altbauwohnungen. Eine Photovoltaikanlage mit integriertem Mieterstrommodell gehört ebenfalls zum Energiekonzept. Dazu kommen eine Quartiers-App und eine Paketstation – Kleinigkeiten vielleicht, aber im Alltag merkt man so etwas schnell.
Besuch aus dem Land am Querweg
Das Projekt wurde 2023 von der Landesregierung als „KlimaQuartier.NRW“ ausgezeichnet. Im Rahmen der landesweiten „WohneNRW-Tage“ besuchte Staatssekretär Daniel Sieveke das Vorhaben am Querweg in Paderborn. Die „WohneNRW-Tage“ fanden laut Artikel vom 27. bis 29. August statt und stellten öffentlich geförderten Wohnungsbau unter das Motto „modern, nachhaltig und bezahlbar“.
Bei dem Termin waren unter anderem Vertreter des Landes, des Kreises und der Stadt Paderborn, der Allianz für mehr Wohnungsbau NRW, von Haus & Grund sowie regionaler Partner dabei. Genannt werden Daniel Sieveke, Sabine Kramm, Henrik Egeler, Claudia Warnecke, Markus Tempelmann, Thorsten Mertens, Alexander Prior und Hubert Böddeker. Landesweit wurde der Termin von zahlreichen Projektträgern begleitet, in sozialen Medien lief die Aktion unter dem Hashtag #wohnenrw.
Sieveke bezeichnete das Quartier als Beispiel für geförderten Wohnraum mit hoher Qualität, Innovation, Technologieoffenheit, Klimagerechtigkeit, Generationenfestigkeit und Bezahlbarkeit. Vertreter von Kreis und Stadt Paderborn dankten dem Spar- und Bauverein für die Zusammenarbeit. Vorstandssprecher Thorsten Mertens erklärte, das Projekt solle Wohnraum und ein sozial sowie ökologisch ausgerichtetes Quartier schaffen.
In seiner Einordnung kritisierte Mertens zugleich, dass institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Versicherungen und Vermögensverwalter den geförderten Wohnungsbau verstärkt als Anlageform entdeckten. Wohnraumfördermittel sollten seiner Einschätzung nach nicht Projekte finanzieren, die im frei finanzierten Bereich wirtschaftlich nicht mehr tragfähig seien. Geförderte Wohnungen dürften keine Spekulationsobjekte werden, sagte er sinngemäß, und forderte stabile Eigentümer mit langfristigem gesellschaftlichem Engagement.
Als Probleme des Wohnungsbaus nannte Mertens Überregulierung, langwierige Genehmigungsverfahren und hohe Baukosten. Seine Forderungen: eine Entbürokratisierung der Bauordnungen, die Überprüfung und Senkung von Standards sowie verlässliche Förderprogramme. Beim Querweg arbeitet der Spar- und Bauverein erstmals mit einem Generalunternehmen zusammen; regionale Handwerksbetriebe sollen trotzdem weiterhin eingebunden werden.
Die sozial orientierte Wohnungsbaugenossenschaft sieht sich in der Verantwortung, Wohnkonzepte für Menschen unabhängig von Alter, Herkunft oder Einschränkungen zu entwickeln. Am Querweg wird das gerade sichtbar – während an der Giersmauer zunächst weiter geredet wird. Für das Grundstück am In-Via-Quartier gibt es bislang weder einen konkreten Entwurf noch einen Zeitplan.
