Emden im Rennen um neuen Marinehafen am Rysumer Nacken
Emden könnte einen zweiten Marinehafen an der deutschen Nordseeküste bekommen. Bislang verfügt die Deutsche Marine dort nur über den Standort Wilhelmshaven. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gilt der ostfriesische Hafen als möglicher Standort für einen neuen Marinestützpunkt; auch der NDR berichtet, Emden sei offenbar Favorit. Der genaue Standort und der Zeitpunkt eines möglichen Baus sind allerdings noch offen.
Am 5. Oktober sollen Verteidigungsminister Boris Pistorius und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies in Emden das weitere Vorgehen zu einem möglichen neuen Marinestützpunkt erläutern. Teilnehmen sollen außerdem der Marineinspekteur, Vizeadmiral Wilhelm Tobias Abry, und Emdens Erster Stadtrat Horst Jahnke. Pistorius hatte sich bei einem Termin in Bremen zunächst nicht zu einer möglichen Standortentscheidung geäußert. Die Stadt Emden und das Bundesverteidigungsministerium wollten sich zu dem geplanten Besuch nach NDR-Informationen nicht äußern. Pistorius hatte im Vormonat angekündigt, noch in diesem Jahr über den Standort zu entscheiden.
Rysumer Nacken bietet viel Platz
Für den geplanten Ausbau der Marine braucht die Bundeswehr eine Fläche von 40 Hektar, außerdem soll eine Option auf weitere 10 Hektar bestehen. Vorgesehen wären Liegeplätze für sieben Fregatten, zehn Minensucher und zehn Schlepper. Mehrere tausend Soldaten und zivile Beschäftigte könnten dort voraussichtlich arbeiten. Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg soll der Hafen dauerhaft rund 1.500 Soldaten und zivile Beschäftigte nach Emden bringen und Standort für fünf Fregatten werden.
Als möglicher Bauplatz gilt der Rysumer Nacken, eine Hafenerweiterungsfläche an der Ems westlich von Emden. Das Gelände gehört dem Land Niedersachsen. Stadt Emden, Niedersachsen Ports und das Land prüfen seit Jahren, wie es künftig genutzt werden kann; bisher war dort eine zivile Nutzung vorgesehen. Am Rysumer Nacken wäre ausreichend Platz für den Bau eines entsprechenden Stützpunkts.
Der Emder Hafen verfügt laut Niedersachsen Ports über das größte ungenutzte Flächenpotenzial aller niedersächsischen Häfen. Genau das macht die Fläche für die Marine interessant. Hinzu kommt nach NDR-Informationen die strategisch günstige Lage Emdens. Die niedersächsische Landesregierung hatte sich für die Stadt eingesetzt und hält sie für einen geeigneten Marine-Standort. Niedersachsen bezeichnet sich als Bundeswehrland Nummer eins und hat ein großes Interesse an einem starken Bundeswehrstandort in Emden.
Die IHK sprach sich in der Vorwoche für Emden aus. Sie rechnet mit einer Investition im Milliardenbereich und erwartet erhebliche wirtschaftliche Vorteile für die Region. Das klingt nach großen Zahlen, und es wären tatsächlich große Veränderungen für den Hafen und sein Umfeld – vom Baugeschehen bis zu den Arbeitsplätzen.
Bremerhaven bleibt im Rennen
Die Marine hatte in den vergangenen Monaten mehrere Küstenorte geprüft, darunter Bremerhaven. Als mögliche Standorte gelten weiterhin Emden und Bremerhaven. In beiden Häfen werden bereits militärische Güter umgeschlagen, etwa für Truppentransporte und Verlegeübungen.
Für Bremerhaven spricht laut Bremer Regierung eine schnelle Realisierbarkeit. Ein möglicher Marinehafen könnte im Bereich des Fischereihafens entstehen. Für dieses Gebiet liegen bereits Voruntersuchungen, Planungsunterlagen und rechtskräftige Bebauungspläne vor. Bislang ist dort allerdings ein „Energy Port“ als Industrie- und Hafengebiet für die Energiewende geplant. Diese Pläne stocken seit Jahren und könnten zurückgestellt werden, falls der Marinehafen tatsächlich gebaut würde. Der Bremer Senat und die niedersächsische Staatskanzlei werben jeweils für ihren Hafen.
Details zum Auswahlverfahren, zu den Kriterien und zu den geprüften Orten wurden bislang nicht veröffentlicht. Marine und Bundesverteidigungsministerium bestätigten die Überlegungen zu einem weiteren Militärhafen, nannten aber keine konkreten Einzelheiten. Die Marine untersucht maritime Standorte und verschiedene Häfen darauf, ob sie ihren Bedarf rechtzeitig decken können. Prüfungen und Entscheidungsprozesse sind noch nicht abgeschlossen. Mehrere Medien hatten zuvor über die Pläne berichtet.
Wilhelmshaven bleibt zentraler Marine-Standort
Der zusätzliche Bedarf wird mit neuen Standort- und Liegenschaftserfordernissen infolge des geplanten Aufwuchses der Streitkräfte begründet. Die Bundeswehr plant den Ausbau der Marine; dafür wird ein weiterer Militärhafen an der Nordseeküste geprüft. Noch ist also nichts gebaut, nicht einmal der genaue Bauplatz entschieden.
Der derzeit einzige Marinehafen an der Nordseeküste liegt in Wilhelmshaven. Die Stadt ist zugleich der größte Bundeswehrstandort Deutschlands. Neben dem Marinestützpunkt gehören dort unter anderem ein Marinearsenal und ein Logistikzentrum zum Standort. Stationiert ist außerdem die Einsatzflottille 2, einer von drei Großverbänden der Deutschen Marine. Zu ihr gehören Fregatten, Einsatzgruppenversorger und Flottentanker.
In Emden bestand bis 1997 bereits ein Marinestützpunkt. Nun könnte am Wasser, auf bislang für zivile Zwecke vorgesehener Fläche und mit viel Platz für neue Infrastruktur, wieder ein militärischer Schwerpunkt entstehen. Wann gebaut wird und wie der Standort am Ende aussieht, bleibt offen.
