Australien baut seine eigene Antwort auf Chinas dominante Stellung bei Seltenen Erden. Im Northern Territory, nördlich von Alice Springs, steht dabei Arafura Rare Earths mit dem Nolans-Projekt im Mittelpunkt. Westliche Regierungen investieren derzeit umfangreich in unabhängige Lieferketten für kritische Mineralien – und Nolans soll dabei mehr sein als nur eine Mine.

Geplant ist Australiens erste integrierte Anlage, die Erz abbaut und direkt vor Ort zu Seltene-Erden-Oxiden verarbeitet. Nach der Inbetriebnahme könnte das Projekt die globale Beschaffung diversifizieren, bis zu fünf Prozent der weltweiten Nachfrage nach Magnet-Seltenerden abdecken und über die Betriebsdauer einen milliardenschweren Beitrag zur Wertschöpfung in Zentralaustralien leisten.

Staat trägt erheblichen Teil der Finanzierung

Arafura treibt das Vorhaben laut Ressourcenministerin Madeleine King seit vielen Jahren voran. Die zugesagte öffentliche Unterstützung Australiens beläuft sich insgesamt auf 1,2 Milliarden australische Dollar. Das Geld kommt vor allem aus nationalen Förder- und Infrastrukturprogrammen. Hinzu kommen öffentliche Kreditagenturen aus den USA, Kanada, Südkorea und Deutschland sowie private Investoren.

Für zusätzlichen Spielraum sorgt eine Vereinbarung mit der National Reconstruction Fund Corporation über 200 Millionen australische Dollar, rund 144 Millionen US-Dollar. Vorgesehen ist die Ausgabe von 200 Millionen unbesicherten Wandelschuldverschreibungen. Die gesamte Projektfinanzierung für Nolans steigt damit auf rund 911 Millionen US-Dollar. Weitere Zusagen über insgesamt 230 Millionen australische Dollar kamen bereits von internationalen Partnern, darunter die KfW und Export Finance Australia.

Die Ausgabe der Wandelschuldverschreibungen muss noch von den Aktionären genehmigt werden. Die Hauptversammlung mit der Abstimmung ist für Juni 2026 geplant. Nach dem Aktionärsvotum im Juli 2026 strebt Arafura die formelle finale Investitionsentscheidung an. Bei Zustimmung könnte anschließend die Bauphase des Projekts beginnen.

Die finale Investitionsentscheidung fiel allerdings bereits im Mai 2026 nach einer Vereinbarung im Rahmen der Critical Minerals Strategic Reserve. Die Finanzierung und die nächsten formellen Schritte laufen also parallel – bei Großprojekten dieser Größenordnung offenbar kein Widerspruch, eher Alltag mit vielen Aktenordnern.

NdPr für Motoren und Windkraftanlagen

Im Zentrum steht Neodym-Praseodym-Oxid, kurz NdPr. Das Material wird für Permanentmagnete in Elektromotoren und Windkraftanlagen gebraucht. Geplant sind jährlich 4.400 Tonnen NdPr-Oxid sowie 470 Tonnen gemischtes mittel- bis schweres Seltene-Erden-Oxid. Die Mine soll mindestens 38 Jahre laufen und rund vier Prozent des weltweiten Bedarfs an Praseodym-Neodym-Materialien decken.

Für 66 Prozent der geplanten Produktionskapazität bestehen bereits Abnahmeverträge. Arafura versucht, Kunden frühzeitig über langfristige Vereinbarungen zu binden. Eine Vereinbarung mit einem globalen Windkraftanlagenhersteller über jährlich bis zu 500 Tonnen Neodym-Praseodym-Oxidäquivalent wurde vor gut drei Wochen verlängert. Die Lieferverträge orientieren sich an internationalen Frachtpreisindizes und sollen mit der Inbetriebnahme der Anlage wirksam werden.

Der strategische Hintergrund ist klar: Laut Internationaler Energieagentur verfügt China über mehr als 90 Prozent der weltweiten Raffinationskapazitäten für Seltene Erden. Auch bei gesinterten Permanentmagneten entfallen mehr als 90 Prozent der Produktion auf China. Für westliche Schlüsselindustrien ist diese Abhängigkeit ein ziemlich enger Flaschenhals.

Baustart, aber keine Euphorie an der Börse

Die Aktie reagierte auf die Fortschritte bislang nicht mit Jubel. Am Freitag schloss sie bei 0,1050 Euro und lag damit 3,9 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 0,1011 Euro. Seit der Verlängerung der Abnahmevereinbarung verlor das Papier jedoch 11,5 Prozent.

Auch staatliche Garantien und industrielle Partnerschaften konnten die Börse nicht wirklich aufmuntern. Nach der vor rund zwei Wochen verlängerten handelspolitischen Pause zwischen Washington und Peking sank der Kurs um 9,5 Prozent. Die geopolitische Prämie auf Seltene-Erden-Werte nahm ab – sobald sich die Spannungen etwas lösen, verschwindet offenbar auch ein Teil der Fantasie.

Seit dem Baustart des Projekts vor rund einem Monat gab die Aktie 11,6 Prozent ab. Der Kurs erzählt damit eine andere Geschichte als die politischen Förderzusagen: Auf dem Papier wächst die Finanzierung, im Depot bleibt es nervös.

Für Arafura kommt es nun auf die planmäßige Bauphase und das Kostenmanagement im Northern Territory an. Die staatliche Beteiligung könnte weitere Zusagen von Geschäftsbanken und institutionellen Investoren erleichtern. Ob daraus am Ende eine robuste Lieferkette wird, entscheidet sich allerdings nicht in Pressemitteilungen, sondern auf der Baustelle – zwischen Hitze, Materiallieferungen und der ganz gewöhnlichen Mühsal eines Projekts, das viele Jahre tragen soll.