Australien baut an einer neuen Lieferkette für Seltene Erden – und an der Börse kommt das bisher nicht gut an. Im Zentrum steht Arafura Rare Earths mit dem Nolans-Projekt im Northern Territory, nördlich von Alice Springs. Westliche Regierungen investieren derzeit kräftig in unabhängige Versorgungswege für kritische Mineralien. Nolans soll dabei Australiens erste integrierte Anlage werden, in der Erz abgebaut und vor Ort zu Seltene-Erden-Oxiden verarbeitet wird.

Die Aktie schloss am Freitag bei 0,1050 Euro. Das waren 3,9 Prozent mehr als das 52-Wochen-Tief von 0,1011 Euro. Vom Baustart des Projekts vor rund einem Monat gerechnet, steht allerdings ein Minus von 11,6 Prozent zu Buche. Auch staatliche Garantien und industrielle Partnerschaften konnten die Anleger bislang nicht wirklich aus der Reserve locken.

Große Pläne im Northern Territory

Ressourcenministerin Madeleine King zufolge treibt Arafura das Vorhaben seit vielen Jahren voran. Nach der Inbetriebnahme soll die Mine die globale Beschaffung von Seltenen Erden breiter aufstellen, bis zu fünf Prozent der weltweiten Nachfrage nach Magnet-Seltenerden abdecken und über ihre Betriebsdauer einen milliardenschweren Beitrag zur Wertschöpfung in Zentralaustralien leisten. Das klingt auf dem Papier gewaltig. Vor Ort geht es zunächst um Baustellen, Kosten und die ganz praktische Frage, ob alles planmäßig vorankommt.

Nolans soll jährlich 4.400 Tonnen Neodym-Praseodym-Oxid, kurz NdPr-Oxid, sowie 470 Tonnen gemischtes mittel- bis schweres Seltene-Erden-Oxid produzieren. NdPr wird für Permanentmagnete in Elektromotoren und Windkraftanlagen gebraucht. Die geplante Minenlaufzeit beträgt mindestens 38 Jahre. Damit könnte das Projekt rund vier Prozent des weltweiten Bedarfs an Praseodym-Neodym-Materialien abdecken.

Die zugesagte öffentliche Unterstützung Australiens summiert sich auf 1,2 Milliarden australische Dollar. Das Geld kommt vor allem aus nationalen Förder- und Infrastrukturprogrammen. Hinzu kommen öffentliche Kreditagenturen aus den USA, Kanada, Südkorea und Deutschland sowie private Investoren. Für das Nolans-Projekt wurde außerdem eine staatliche Finanzierung über 200 Millionen australische Dollar, rund 144 Millionen US-Dollar, mit der National Reconstruction Fund Corporation vereinbart.

Vorgesehen ist die Ausgabe von 200 Millionen unbesicherten Wandelschuldverschreibungen. Sie sollen Arafura bis zur endgültigen Bauentscheidung zusätzlichen finanziellen Spielraum verschaffen. Die gesamte Projektfinanzierung beläuft sich damit nun auf rund 911 Millionen US-Dollar. Weitere Zusagen über insgesamt 230 Millionen australische Dollar kamen bereits von internationalen Partnern, darunter die KfW und Export Finance Australia. Arafura hofft, dass die staatliche Beteiligung auch Geschäftsbanken und institutionelle Investoren leichter an Bord holt.

China bleibt der große Schatten

Die finale Investitionsentscheidung fiel im Mai 2026 nach einer Vereinbarung im Rahmen der Critical Minerals Strategic Reserve. Der politische Druck dahinter ist erheblich: Laut Internationaler Energieagentur verfügt China über mehr als 90 Prozent der weltweiten Raffinationskapazitäten für Seltene Erden. Auch bei gesinterten Permanentmagneten entfallen mehr als 90 Prozent der Produktion auf China. Für westliche Schlüsselindustrien ist das eine Abhängigkeit, die sich nicht mit einem Schulterzucken erledigen lässt.

Arafura versucht deshalb, die künftigen Abnehmer frühzeitig mit langfristigen Verträgen zu binden. Für 66 Prozent der geplanten Produktionskapazität bestehen bereits Abnahmeverträge. Eine Vereinbarung mit einem globalen Windkraftanlagenhersteller über jährlich bis zu 500 Tonnen Neodym-Praseodym-Oxidäquivalent wurde vor gut drei Wochen verlängert. Die Lieferverträge orientieren sich an internationalen Frachtpreisindizes und sollen mit der Inbetriebnahme der Anlage wirksam werden.

Komischerweise half diese Nachricht der Aktie nicht. Seit der Verlängerung der Abnahmevereinbarung verlor sie 11,5 Prozent. Nach der vor rund zwei Wochen verlängerten handelspolitischen Pause zwischen Washington und Peking sank der Kurs um 9,5 Prozent; die geopolitische Prämie auf Seltene-Erden-Werte nahm ab. Wenn sich die Großmächte kurzfristig wieder etwas näherkommen, wird an der Börse offenbar schnell weniger für das Thema bezahlt.

Entscheidende Abstimmungen stehen noch aus

Die Ausgabe der Wandelschuldverschreibungen muss noch von den Aktionären genehmigt werden. Die Hauptversammlung mit der Abstimmung ist für Juni 2026 geplant. Nach dem Aktionärsvotum im Juli 2026 strebt Arafura die formelle finale Investitionsentscheidung an. Bei Zustimmung könnte anschließend die Bauphase des Projekts beginnen – wobei der Baustart in den vorliegenden Angaben bereits als Ereignis vor rund einem Monat genannt wird. Für Anleger bleibt also nicht nur die Finanzierung, sondern auch der genaue Ablauf der nächsten Projektschritte wichtig.

Die weitere Entwicklung hängt nun von der planmäßigen Bauphase und dem Kostenmanagement im Northern Territory ab. Hitze, lange Wege und eine aufwendige Verarbeitung machen das Vorhaben nicht gerade zu einem Spaziergang. Gleichzeitig sitzt der Bedarf an NdPr tief in mehreren Industrien: in Elektromotoren ebenso wie in Windkraftanlagen. Arafura baut damit an mehr als einer Mine – und muss trotzdem jeden Bauabschnitt, jede Zusage und jeden Dollar zusammenhalten.