Baumaschinen auf die Zugspitze: Millimeterarbeit durch Tunnel und Hochgebirge
Auf 2.600 Metern Höhe wird jeder Handgriff zur kleinen logistischen Operation. Auf dem Zugspitzplatt kamen ein Hitachi-ZX210-LCN-Raupenbagger und zwei Bell-B30-ENB-Dumper zum Einsatz. Die Maschinen stammen aus dem Kiesel-Mietpark; eingesetzt wurden dort zwei Bell-B30E-Muldenkipper und ein Hitachi ZX210-7 LCN.
Felsiger Untergrund, niedrige Temperaturen und Wetter, das innerhalb kurzer Zeit umschlagen kann, machten die Arbeiten anspruchsvoll. Für Baumaschinen ist das Zugspitzplatt ausschließlich über die Zahnradbahn erreichbar. Das klingt zunächst simpel, ist es aber nicht: Enge Tunnel, begrenzte Platzverhältnisse und teilweise nur wenige Zentimeter Spielraum ließen keinen Fehler zu.
Per Zahnradbahn ins Hochgebirge
Im Betriebswerk der Bayerischen Zugspitzbahn wurden die Maschinen zerlegt, für den Transport vorbereitet und auf Güterwaggons verladen. Der Ablauf bestand aus Demontage im Tal, Verladung und erneuter Montage am Berg. Jeder Abschnitt musste sorgfältig geplant werden, zudem lief der Transport außerhalb des regulären Gästeverkehrs und exakt abgestimmt mit dem Bahnbetrieb.
Die Maße passten gerade noch ins enge Korsett der Strecke: Das Laufwerk des Hitachi-Baggers war 2,50 Meter breit, die beiden Bell-Dumper jeweils 2,70 Meter. Damit blieben alle drei Maschinen innerhalb der für den Zahnradbahntransport erforderlichen Abmessungen. Bei jedem Arbeitsschritt war Präzision gefragt – bei den Tunneln ebenso wie bei den Waggons und den Rangierbewegungen.
Die Reise begann am Bahnhof Grainau, führte über den Eibsee und durch den rund 4,5 Kilometer langen Zugspitztunnel. Ziel war das Zugspitzplatt auf 2.588 Metern Höhe. Für erfahrene Kiesel-Servicetechniker war dieser Transport trotzdem eine ungewöhnliche Aufgabe. Sie begleiteten den Einsatz von Beginn an und machten die Maschinen nach der Ankunft rasch wieder einsatzbereit.
Wenig Platz, viel Vorbereitung
Neben der technischen Eignung zählten vor allem kurzfristige Verfügbarkeit und ein Transport ohne Verzögerung. Teilweise wurde bis spät in die Nacht gearbeitet, weil Wartungs- und Servicearbeiten mit dem Bahnbetrieb zusammenpassen mussten. Die enge Zusammenarbeit zwischen Bayerischer Zugspitzbahn, Kiesel-Monteuren und weiteren Beteiligten half, praktische Lösungen direkt vor Ort zu finden.
Ein ähnliches Geduldsspiel war der Transport einer Planierraupe Cat D4M und eines Walzenzugs Cat CP 14 für Erd- und Verdichtungsarbeiten. Die tonnenschweren Maschinen wurden von Zeppelin Rental und der Zeppelin Baumaschinen GmbH für die Verladung auf die Transportwaggons angepasst. Zwischen Maschinen und Tunnelwänden blieben seitlich und nach oben nur wenige Zentimeter Abstand.
Beim Kettendozer mussten teilweise Kettenplatten entfernt werden, damit die Bauhöhe um wenige Zentimeter sank. Beim knapp 15 Tonnen schweren Walzenzug kamen die Reifen herunter. Auf dem Betriebshof in Garching wurden die Abmessungen vorab noch einmal kontrolliert; die Höhe der Walze prüfte man mit einem Höhenmesser. Erst danach ging es auf die Schiene.
Montage mit begrenzter Hubkraft
Oben wartete die nächste knifflige Etappe. Für die Montage der teilweise zerlegten Maschinen stand auf dem Zugspitzplatt nur eine maximale Hubkraft von 3,5 Tonnen zur Verfügung. Deshalb mussten Demontage, Transport und Wiederaufbau genau aufeinander abgestimmt sein – ein bisschen Improvisation vielleicht, aber bitte ohne Überraschungen.
Wegen des abgelegenen Einsatzortes wurden vollständig gewartete Neumaschinen eingesetzt, um technische Ausfälle möglichst zu vermeiden. Außerdem wurden die Maschinen winterfest betankt: Auf rund 2.600 Metern können die Temperaturen selbst im Sommer unter null Grad Celsius fallen. Kälte, Wind und wechselnde Witterung waren auf der Baustelle ständige Begleiter.
Die Planierraupe und der Walzenzug sind inzwischen angekommen, wieder montiert und sollen voraussichtlich drei Monate auf der Zugspitze eingesetzt werden. Der Bagger- und Dumper-Einsatz verlief planmäßig und ohne Maschinenausfälle. Entscheidend war das Zusammenspiel von Technik, passenden Abmessungen, Logistik, Verfügbarkeit und Service – und natürlich die Bahn, die das Ganze überhaupt erst möglich machte.
