Bauturbo trifft Bauflaute: Warum genehmigte Wohnungen noch auf ihre Fertigstellung warten
Auf dem deutschen Wohnungsmarkt gibt es nach Einschätzung von Bundesbauministerin Verena Hubertz erste Anzeichen für eine Trendwende. Rund 52.100 bereits genehmigte Wohnungen befinden sich laut Bauministerium inzwischen in der Umsetzung. Gleichzeitig steigt die Zahl der Baugenehmigungen seit 14 Monaten kontinuierlich. Das klingt nach Bewegung auf den Baustellen – auch wenn zwischen Genehmigung, Rohbau und fertiger Wohnung bekanntlich noch etliche Schritte liegen.
Hubertz setzt dabei auf den „Bauturbo“ und die erleichterte Umwandlung von Gewerbe- in Wohnimmobilien. Die Bundesregierung plant außerdem die Einführung des Gebäudetyps E für einfacheres Bauen, eine bundeseigene Wohnungsbaugesellschaft und eine Absenkung bestehender Baustandards. Die Details zu den abgesenkten Standards sollen in den kommenden Tagen ausgearbeitet werden.
Mehr Tempo, weniger Vorschriften
Bei einem Wohngipfel stellte Justizministerin Stefanie Hubig vereinfachte rechtliche Vorgaben für kostengünstigeres Bauen vor. In der kommenden Woche will die Bundesregierung zudem bei einer Investorenkonferenz für Deutschland als Immobilienstandort werben. Hubertz sprach sich gegen Enteignungen aus.
Wie groß der politische Druck bei den Mieten ist, zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Deutschen Mieterbundes und des DGB: Neun von zehn Befragten befürworten härtere Strafen gegen Wuchermieten. Drei Viertel sprechen sich für eine Mietpreisbremse aus, zwei Drittel unterstützen einen Mietendeckel.
Parallel wird die Förderung für klimafreundliche Wohngebäude nach dem Standard EH55 wegen der hohen Nachfrage aufgestockt. Das ursprüngliche Budget von 800 Millionen Euro wäre vorzeitig ausgeschöpft worden. Nun soll die Förderung bis Ende 2026 verfügbar bleiben. Der Verband GdW rechnet mit zusätzlichen 250 Millionen Euro und bezeichnete die Aufstockung als wichtiges Signal.
Förderung mit Ablaufdatum
Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des ZDB, fordert dennoch eine verbindliche Übergangsregelung. Die EH55-Sonderförderung läuft spätestens Ende 2026 aus. Die Bauwirtschaft warnt deshalb vor einer möglichen Förderlücke bis Sommer 2027. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie verlangt eine zweite Stufe des Bauturbos.
Der Bedarf ist offenkundig, die Fertigstellungen hinken aber hinterher. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank die Zahl der Baufertigstellungen 2025 um 18 Prozent auf rund 206.600 Wohnungen. Damit wurde der niedrigste Fertigstellungsstand seit 2012 erreicht. Ende 2025 waren rund 761.000 genehmigte Wohnungen noch nicht fertiggestellt.
Für 2026 erwartet das ifo Institut rund 185.000 fertiggestellte Wohnungen – ein weiteres 15-Jahrestief. Immerhin verbesserte sich das Geschäftsklima im Wohnungsbau zuletzt von minus 29,0 auf minus 22,7 Punkte. Ein kleiner Schritt nach oben, mehr noch nicht.
Mieten ziehen weiter an
Während auf vielen Baustellen noch gewartet wird, steigen die Preise am Wohnungsmarkt weiter. Die Angebotsmieten erhöhten sich im dritten Quartal 2026 laut einer Auswertung des Kiel Instituts für Weltwirtschaft gegenüber dem Vorquartal um 1,2 Prozent.
Nach Angaben von Empirica Regio legten die Neubaumieten im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,8 Prozent zu. Noch stärker stiegen die Mieten für Bestandswohnungen: Sie erhöhten sich im gleichen Zeitraum um 10,2 Prozent.
Für den Hochbau bedeutet das einen Spagat: Genehmigte Projekte müssen tatsächlich auf die Baustelle kommen, Fördermittel dürfen nicht zwischen zwei Programmen verschwinden, und einfachere Regeln sollen die Kosten drücken, ohne den Wohnraum aus dem Blick zu verlieren. Auf dem Papier bewegt sich einiges. Vor Ort entscheidet sich die Sache zwischen Bauzaun, Betonmischer und dem nächsten Förderbescheid.
