Am 11. Juni 2026 wurde bundesweit der Hitzeaktionstag unter dem Motto „Gemeinsam vorsorgen für Extremhitze“ begangen. Für den Hochbau ist das keine Nebensache: Wenn sich Baustellenflächen aufheizen, der Asphalt flimmert und selbst am Morgen die Luft kaum abkühlt, geraten Beschäftigte, Abläufe und Gesundheit schnell unter Druck.

Initiiert wurde der Aktionstag vom AWO Bundesverband, der Bundesärztekammer, der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), der Deutschen Krankenhausgesellschaft, dem Deutschen Pflegerat, dem GKV-Spitzenverband und der Klima-Allianz Deutschland. Mehr als 100 weitere Institutionen und Verbände aus Deutschland und Österreich schlossen sich an. Angeboten wurden Informationen zum Hitzeschutz für Familien und ältere Menschen, Vernetzungsveranstaltungen für Einrichtungen und Vereine sowie Fachforen.

Extremhitze als Krisenlage

Das Bündnis bezeichnet Hitze als größtes durch die Klimakrise bedingtes Gesundheitsrisiko in Deutschland. Hitzewellen treten häufiger und intensiver auf und dauern länger an. Aufgrund des Klimawandels ist mit einer weiteren Zunahme extremer Hitze zu rechnen.

In einem Positionspapier warnt das Bündnis, Deutschland sei auf Krisenlagen durch Extremhitze bislang nicht ausreichend vorbereitet. Lang anhaltende stabile Hochdrucklagen, sogenannte Hitzedome, können ohne nächtliche Abkühlung das Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen sowie kritische Infrastrukturen stark belasten. Die Folgen entwickeln sich häufig schleichend, kumulativ und zeitverzögert – zunächst ein brummender Schädel, dann Kreislaufprobleme, später vielleicht ein Rettungseinsatz.

Hitze beeinträchtigt Gesundheit und Wohlbefinden, belastet das Gesundheitssystem und kann bestehende Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Atemwege und der Nieren verschlimmern. In Verbindung mit bestimmten Medikamenten sind schwerwiegende Nebenwirkungen möglich. Während Hitzeperioden steigt die Gesamtzahl der Sterbefälle teilweise deutlich an. Gefährdet ist die gesamte Bevölkerung; individuelle Risikofaktoren und eine erhöhte Hitzeexposition können sich jedoch verstärken. Auf einer Baustelle treffen beides mitunter zusammen: körperliche Arbeit, direkte Sonne und wenig Schatten.

Für mehr Krisenresilienz nennt das Bündnis vier Voraussetzungen: klare Zuständigkeiten sowie die Einbindung von Extremhitze in Krisenvorsorge und Katastrophenschutz, wirksame soziale Schutzstrukturen für Risikogruppen, ein vorbereitetes und gestärktes Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen sowie die Finanzierung resilienter Prozesse, Belegschaften, Einrichtungen, Quartiere und Infrastrukturen.

Warnungen müssen in Entscheidungen münden

Hitzeaktionspläne sollen verbindlich mit Warnstufen verknüpft werden. Bund, Länder und Kommunen sollen Verantwortlichkeiten eindeutig festlegen, Warn- und Eskalationslogiken weiterentwickeln, diese mit konkreten Entscheidungswegen verbinden, belastbare Lagebilder erstellen, abgestimmte Kommunikationsstrukturen aufbauen und regelmäßig Übungen durchführen.

Internationale Empfehlungen sehen Hitzeaktionspläne als geeignetes Instrument vor. Sie sollen zentral koordiniert, ressortübergreifend umgesetzt und mit verschiedenen Maßnahmen zur Gesundheitsprävention und -förderung verbunden werden. Pflege und Soziale Arbeit sollen in Hitze-Krisenstäbe und den Katastrophenschutz integriert werden.

Kommunen und soziale Infrastrukturen sollen besonders gefährdete Menschen besser erreichen. Gefordert werden zielgruppenspezifische und mehrsprachige Kommunikation, freiwillige Registrierungsmöglichkeiten für vulnerable Haushalte sowie barrierefreie, kühle Notunterkünfte als fester Bestandteil kommunaler Krisenpläne.

Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, ambulante Versorgung, Arztpraxen, Rettungsdienste und soziale Dienste benötigen einrichtungsspezifische Hitzepläne, Schulungen und vorbereitete Abläufe für Belastungsspitzen. Auch am Bau braucht es klare Regeln: Wer entscheidet, wann Pausen verlängert, Arbeiten verlegt oder Bereiche gesperrt werden? Eine Warnung allein kühlt noch keinen Baucontainer.

Was Hitze mit Körper und Stadt macht

Hohe sommerliche Lufttemperaturen können Menschen und Umwelt schädigen. Der Klimawandel führt häufiger zu extremer Hitze am Tag und in der Nacht; gesundheitlich relevant sind vor allem mehrtägige Phasen. Der Deutsche Wetterdienst definiert einen „Heißen Tag“ als einen Tag mit einer Tageshöchsttemperatur über 30 °C. Eine „Tropennacht“ liegt vor, wenn die Tiefsttemperatur mindestens 20 °C erreicht.

Zwischen 2000 und 2024 gab es besonders viele Heiße Tage und Tropennächte in den Hitzesommern 2003, 2015, 2018 und 2022. 2015 wurden bis zu 40 Heiße Tage in Süddeutschland und bis zu 18 in Norddeutschland registriert; im Südwesten gab es bis zu 13 Tropennächte. 2018 und 2019 waren unter anderem das obere Rheintal, das Rhein-Main-Gebiet, Mittel- und Ostdeutschland, Südbrandenburg und Sachsen betroffen, mit bis zu 45 Heißen Tagen und 13 Tropennächten. 2022 verzeichneten die Oberrheinische Tiefebene zwischen Basel und Frankfurt am Main sowie weitere süddeutsche Ballungsräume deutlich mehr als 30 Heiße Tage. 2024 lag der Schwerpunkt mit bis zu 30 Heißen Tagen erneut in Brandenburg und Sachsen, Tropennächte traten dort nur vereinzelt auf. Für 2025 wurden deutschlandweit im Flächenmittel 11 Heiße Tage registriert.

Klimamodelle erwarten künftig wärmere und heißere Sommer mit mehr Heißen Tagen und Tropennächten. Extreme Hitzeereignisse dürften häufiger, intensiver und länger anhaltend werden. Messdaten zeigen bereits eine Verschiebung der maximalen Lufttemperaturen in Deutschland in Richtung extremer Hitze. Die Zahl der Heißen Tage im Deutschlandmittel schwankt von 1951 bis 2025 stark, weist aber einen deutlichen Aufwärtstrend auf; der Wert für 2025 ist vorläufig.

Der Körper kommt dabei ordentlich ins Schwitzen. Hitze belastet den Organismus und kann insbesondere das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigen. Hohe Temperaturen und intensive Sonneneinstrahlung fördern außerdem die Bildung gesundheitsschädlichen bodennahen Ozons. Bei anhaltender Hitze kann das körpereigene Kühlsystem überlastet werden. Mögliche Folgen sind Regulationsstörungen, Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen, Erschöpfung und Benommenheit. Besonders gefährdet sind ältere Menschen und Personen mit chronischen Erkrankungen, etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Während extremer Hitze werden mehr Rettungseinsätze registriert.

In den Hitzesommern 2018 und 2019 starben in Deutschland schätzungsweise 15.600 Menschen zusätzlich an den Folgen der Hitzebelastung. Modellrechnungen erwarten bei einem Anstieg der Temperatur um 1 °C eine Zunahme der hitzebedingten Sterblichkeit um 1 bis 6 Prozent; bis Mitte des Jahrhunderts könnten dadurch jährlich mehr als 5.000 zusätzliche Todesfälle auftreten.

In dicht bebauten Städten bleibt die Wärme länger hängen. Eine Untersuchung von vier Berliner Messstationen für 2001 bis 2015 zeigte zwar eine vergleichbare Zahl Heißer Tage, Tropennächte traten an einer dicht bebauten innerstädtischen Station jedoch mehr als dreimal so häufig auf wie auf Freiflächen. Innenstädte speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts nur eingeschränkt ab; die nächtliche Tiefsttemperatur kann dort bis zu 10 °C über der am Stadtrand liegen.

Besonders belastend sind längere Phasen, in denen Heiße Tage mit Tropennächten kombiniert auftreten. Tagsüber brennt die Sonne, nachts bleibt die Wohnung oder der Schlafraum warm – ausreichende Erholung ist dann kaum möglich. Ein DWD-Vergleich für Hamburg, Berlin, Frankfurt am Main und München zeigte, dass es in Frankfurt während der Hitzesommer 2003 und 2015 jeweils sechs mehrtägige Phasen mit mindestens drei aufeinanderfolgenden Heißen Tagen und unmittelbar anschließenden Tropennächten gab. Vergleichbare Belastungen wurden dort auch in den Sommern 2003, 2006, 2015 und besonders 2018 beobachtet. Mit der weiteren Klimaerwärmung wird eine zunehmende Gesundheitsbelastung durch das gemeinsame Auftreten von Heißen Tagen und Tropennächten erwartet, vor allem für Menschen in dicht bebauten Innenstädten.

Baustellen brauchen eigene Hitzepläne

Die BG BAU und die Innungskrankenkassen veranstalteten ein Online-Seminar zum Hitzeschutz auf Baustellen. Thema waren die gesundheitlichen Auswirkungen hoher Temperaturen und Schutzmaßnahmen für Betriebe. Die BG BAU stellt Handlungshilfen, Checklisten