HORNBACH baut Vorsprung aus und übernimmt sechs Hellweg-Standorte
Die HORNBACH Gruppe hat im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026/27 spürbar zugelegt. Im zweiten Quartal, vom 1. Juni bis 31. August 2026, stieg der Nettoumsatz um 7,3 Prozent auf 1.813,7 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal waren es 1.689,9 Millionen Euro. Eine robuste Kundennachfrage und ein positiver Kalendereffekt mit 1,3 zusätzlichen Verkaufstagen schoben das Geschäft an.
Auch saisonale Ware lief gut: Klimageräte, Produkte zur Verschattung und Bewässerungsprodukte waren gefragt. Das merkt man im Sommer schnell – wenn die Hitze steht, greifen viele dann doch noch zum Sonnenschutz oder zur Bewässerung. Nach Unternehmensangaben legten sämtliche Sortimentskategorien zu. Preispolitik, Sortiment und digitale Angebote nennt HORNBACH als wichtige Gründe für die Kundenentwicklung.
Mehr Umsatz, höheres Ergebnis
Von März bis August 2026 wuchs der Umsatz der Gruppe um 6,0 Prozent auf 3.816,2 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr des Vorjahres waren es 3.599,1 Millionen Euro. Damit entwickelte sich HORNBACH in seinem europäischen Geschäftsgebiet besser als die DIY-Branche und gewann Marktanteile – und zwar trotz gedämpfter Konsumstimmung in Europa sowie laufender Investitionen in die Expansion und in das Wachstum auf bestehender Verkaufsfläche.
Beim bereinigten EBIT meldet der Konzern im zweiten Quartal einen Anstieg um 12,8 Prozent beziehungsweise 14,1 Millionen Euro auf 124,6 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte das bereinigte EBIT bei 110,5 Millionen Euro gelegen. Laut Unternehmen wurde das Wachstum durch ein höheres Rohergebnis trotz anhaltenden Kostendrucks getragen. Für das erste Halbjahr ergibt sich ein bereinigtes EBIT von 285,6 Millionen Euro, ein Plus von 4,9 Prozent gegenüber 272,2 Millionen Euro.
Die bereinigte EBIT-Marge lag bei 7,5 Prozent, nach 7,6 Prozent im Vorjahreszeitraum. Bereinigt wurden positive nicht-operative Ergebniseffekte von 0,3 Millionen Euro. Gleichzeitig sank die Handelsspanne wegen höherer Einkaufs- und Logistikkosten auf 34,6 Prozent; im Vorjahr waren es 34,9 Prozent. Das umsatzbedingte Rohertragswachstum von 5,0 Prozent glich höhere Personalkosten von 4,9 Prozent sowie gestiegene Instandhaltungs- und IT-Kosten aus.
Baumarktgeschäft mit Rückenwind
Der größte operative Teilkonzern, die HORNBACH Baumarkt AG, steigerte seinen Nettoumsatz im ersten Halbjahr um 5,9 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. Flächen- und währungsbereinigt betrug das Wachstum 4,0 Prozent. Der Online-Handel einschließlich Click & Collect kam auf 13,5 Prozent des Umsatzes, nach 13,1 Prozent im Vorjahr. Der Online-Umsatz selbst stieg um 8,6 Prozent auf 485,8 Millionen Euro.
Von Januar bis Juli 2026 erhöhte HORNBACH seine Marktanteile in allen genannten Ländern: In Deutschland ging es von 15,5 Prozent im Jahr 2025 auf 15,9 Prozent, in den Niederlanden von 28,8 auf 29,8 Prozent, in Österreich von 17,7 auf 18,0 Prozent, in der Schweiz von 14,8 auf 15,4 Prozent und in Tschechien von 38,5 auf 40,1 Prozent. Die GfK-Daten beziehen sich auf Bau- und Gartenmärkte mit mehr als 1.000 Quadratmetern in Deutschland, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Tschechien.
Das Filialnetz wuchs im April 2026 mit einem Bau- und Gartenmarkt in Trnava in der Slowakei. Im September 2026 kam ein weiterer Bau- und Gartenmarkt in Graz, Österreich, hinzu. Für den weiteren Jahresverlauf ist außerdem ein Fachmarkt für Bodenbeläge in den Niederlanden geplant.
Zusätzliche Bewegung soll durch die geplante Übernahme von sechs Hellweg-Standorten entstehen. Vorbehaltlich der Prüfung durch das Bundeskartellamt sollen die Standorte zum 1. Dezember 2026 übernommen, zu HORNBACH Bau- und Gartenmärkten umgestaltet und im Frühjahr 2027 neu eröffnet werden. Geplant sind außerdem die Expansion in bestehenden Ländern, zusätzliche Standorte in Deutschland und der Markteintritt in Serbien. Die europäische Präsenz soll damit weiter wachsen.
Cashflow steigt, Kosten bleiben ein Thema
Der Jahresüberschuss erhöhte sich im ersten Halbjahr um 1,8 Prozent auf 182,2 Millionen Euro. Belastet wurde das Finanzergebnis durch höhere Zinsaufwendungen und negative Währungseffekte. Das Ergebnis je Aktie der HORNBACH Holding stieg dennoch auf 10,93 Euro, nach 10,74 Euro im Vorjahr.
Deutlich kräftiger entwickelte sich der operative Cashflow: Er kletterte von 271,6 Millionen Euro auf 352,0 Millionen Euro. Als Gründe nennt HORNBACH positive Working-Capital-Effekte und das verbesserte operative Ergebnis. Die Investitionsauszahlungen stiegen von 106,7 Millionen Euro auf 121,0 Millionen Euro, vor allem wegen der Expansion im bestehenden Geschäftsgebiet und der Erschließung Serbiens als neuem Markt. Nach Dividende blieb ein Free Cashflow von 194,9 Millionen Euro, nach 129,6 Millionen Euro im Vorjahr.
Prognose bestätigt
Die Umsatz- und Ergebnisentwicklung liegt nach Unternehmensangaben im Rahmen der am 19. Mai 2026 veröffentlichten Jahresprognose. Für das Geschäftsjahr 2026/27 erwartet HORNBACH weiterhin einen Nettoumsatz auf oder leicht über dem Vorjahresniveau von 6.433,9 Millionen Euro. Beim bereinigten EBIT wird ein Wert auf dem Niveau des Geschäftsjahres 2025/26 von 264,7 Millionen Euro erwartet.
In die Prognose fließen das Umsatzwachstum durch neue Märkte, das Wachstum auf bestehender Verkaufsfläche und weitere Zuwächse im Onlinehandel ein. Gleichzeitig bleiben geopolitische Risiken ein Unsicherheitsfaktor: Sie können die Konsumstimmung sowie Einkaufs- und Logistikkosten beeinflussen. Hinzu kommen moderate Kostensteigerungen durch Lohnerhöhungen und IT-Projekte.
HORNBACH definiert „auf dem Niveau“ beim Umsatz als minus 2 bis plus 2 Prozent, „leicht“ als mehr als minus beziehungsweise plus 2 bis 6 Prozent und „deutlich“ als mehr als minus beziehungsweise plus 6 Prozent. Beim bereinigten EBIT reicht „auf dem Niveau“ von minus 5 bis plus 5 Prozent, „leicht“ von mehr als minus beziehungsweise plus 5 bis 12 Prozent und „deutlich“ über mehr als minus beziehungsweise plus 12 Prozent.
Die Zahlen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem der Markt für Heimwerken und Bauen ohnehin breit aufgestellt ist. Zur Do-it-yourself-Branche zählen Bau- und Heimwerkermärkte, Gartencenter und Baustoffhändler. Baumärkte gehören in Deutschland zum großflächigen Einzelhandel; neben Bau- und Heimwerkerbedarf liegen dort auch Haushaltswaren in den Regalen. Typische Abteilungen reichen von Baustoffen und Bauelementen über Eisenwaren, Sanitär, Leuchtmittel, Farben und Tapeten bis hin zu Gartenabteilungen. Teilweise gibt es auch Nautic-Abteilungen.
Bauhaus ist in Deutschland die marktführende Baumarktkette, die größten Konkurrenten sind Obi und HORNBACH. Obi gehört zur Tengelmann-Gruppe, viele Obi-Märkte werden als Franchisebetriebe geführt. Alle Bauhaus-Niederlassungen befinden sich dagegen im Eigentum des Konzerns und sind über Landes- und Regionalgesellschaften organisiert. Für HORNBACH geht es nun darum, den Vorsprung aus dem laufenden Halbjahr über die nächsten Monate zu bringen – mit neuen Märkten, Online-Angeboten und sechs ehemaligen Hellweg-Standorten, die erst noch nach HORNBACH aussehen müssen.
