Im Wohnungsbau in Deutschland kommt Bewegung auf. Die Zahl der Baugenehmigungen ist deutlich gestiegen – allerdings ausgehend von einem niedrigen Niveau. Das klingt zunächst nach einem kräftigen Signal, hat aber einen Haken: Nach Jahren des Rückgangs ist jeder Anstieg leichter sichtbar.

Bauministerin Hubertz will den Bau beschleunigen. Eine Bundesbaugesellschaft soll vor dem Start stehen. Ob damit tatsächlich schneller neue Wohnungen entstehen, wird sich erst auf den Baustellen zeigen – zwischen Genehmigungsordnern, Materiallieferungen und dem ganz normalen Hin und Her am Bau.

Mehr Genehmigungen, aber weiterhin großer Nachholbedarf

Wohnungsnot herrscht in Deutschland vor allem in den Großstädten, eine weitere Verschärfung wird erwartet. Das Ziel der Ampel-Koalition, jährlich 400.000 Wohnungen zu bauen, wurde verfehlt. 2024 wurden rund 216.000 Wohnungen fertiggestellt, knapp 14 Prozent weniger als im Vorjahr.

Auch bei den Genehmigungen bleibt die Lage angespannt. 2023 wurden insgesamt etwa 216.000 neue Wohnungen genehmigt. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland stark gesunken; für neue Wohngebäude wurde zuletzt der niedrigste Stand der vergangenen 30 Jahre erreicht. Mehr als zwei Drittel der Genehmigungen erteilten private Haushalte.

Baugenehmigungen gelten als wichtiger Indikator für die Entwicklung des Wohnungsmangels. Gehen sie zurück, folgen meist weniger Aufträge im Wohnungsbau. Steigende Baukosten haben in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, dass das Genehmigungsvolumen schrumpfte. Besonders deutlich war der Einbruch bei Einfamilienhäusern: 2024 wurden nur noch knapp halb so viele gebaut wie 2022.

Hohe Kosten bremsen Auftragseingang und Neubau

Die Gründe liegen nicht nur auf dem Papier. Höhere Baupreise, gestiegene Energiepreise, Inflation, Lieferengpässe und teureres Baumaterial haben Projekte verteuert oder gleich ganz ausgebremst. Als wesentlicher Grund für den Nachfrageeinbruch gilt der hohe Preis von Neubauten. Die Preise für Wohngebäude lagen zuletzt knapp 3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Den höchsten Preisanstieg gab es 2022 mit bis zu 16 Prozent.

Der Auftragseingang ging in den vergangenen zwei Jahren stark zurück. Für viele Bauunternehmen ist das spürbar: weniger neue Projekte, längere Pausen zwischen den Aufträgen, mehr Vorsicht bei der Kalkulation. Der Wohnungsbau bleibt gemessen am Umsatz dennoch eine bedeutende Sparte des deutschen Bauhauptgewerbes. Zuletzt entfiel knapp ein Drittel des Gesamtumsatzes auf diesen Bereich.

2024 sank der Umsatz im Wohnungsbau auf rund 51 Milliarden Euro. Bis 2022 war er kontinuierlich gestiegen, seitdem ging er jährlich zurück. Gleichzeitig lagen die Investitionen in den Wohnungsbau 2024 bei rund 281 Milliarden Euro. Mehr als 60 Prozent der Bauinvestitionen entfielen damit auf den Wohnungsbau – eine große Zahl, die den Mangel an fertigen Wohnungen allerdings nicht automatisch verschwinden lässt.

Bund will Verfahren verkürzen

Die neue Bundesregierung will bezahlbaren Wohnraum schaffen und den Bau von Miet- und Sozialwohnungen fördern. Verkürzte Genehmigungszeiten durch den sogenannten „Bau-Turbo“ sollen den Wohnungsbau erleichtern und der Wohnungsknappheit entgegenwirken.

In dieses Vorhaben passt der geplante Start einer Bundesbaugesellschaft. Bauministerin Hubertz setzt zudem darauf, dass Bauvorhaben schneller vorankommen. Für Menschen, die seit Monaten oder Jahren eine Wohnung suchen, zählt am Ende weniger der Name eines Programms als der Moment, in dem tatsächlich wieder Kräne stehen und in den Erdgeschossen Licht brennt.

Die aktuellen Zahlen liefern immerhin einen kleinen Hoffnungsschimmer: Die Baugenehmigungen steigen, wenn auch von einem niedrigen Ausgangspunkt. Der Artikel der Saarbrücker Zeitung wurde zuletzt am 16.10.2026 aktualisiert. Die ergänzenden Angaben zum deutschen Wohnungsbau stammen aus einem am 17. Dezember 2025 von René Muschter veröffentlichten Beitrag auf Statista.