Der Neubau des Krematoriums am Lahrer Bergfriedhof kann weitergehen. Der Kläger hat seine Berufung gegen das Urteil des Landgerichts Offenburg auf Hinweis des Oberlandesgerichts Karlsruhe zurückgenommen. Damit zog er auch seinen Antrag auf eine einstweilige Verfügung für einen Baustopp zurück. Ein gerichtlicher Baustopp ist damit auch in zweiter Instanz abgewendet.

Die Stadt Lahr teilte dies in einer Presseinformation vom 1. Oktober 2026 mit. Der Neubau durch die Krematorium Stadt Lahr GmbH liegt weiterhin im Zeit- und Kostenplan. Die Inbetriebnahme ist für Oktober 2027 vorgesehen.

Oberlandesgericht sieht keinen Anspruch auf Baustopp

In der mündlichen Verhandlung erklärte das Oberlandesgericht Karlsruhe, aus dem Pachtvertrag über das bisherige Krematorium lasse sich kein Anspruch auf einen Baustopp ableiten. Der Vertrag zwischen der Stadt Lahr und dem Kläger endet am 1. Oktober 2027. Zugleich stellte das Gericht klar: Aufgrund ihrer Aufgabe der Daseinsvorsorge hat die Stadt grundsätzlich das Recht, ein Krematorium zu errichten und zu betreiben.

Das bisherige Krematorium ist seit 1939 in Betrieb und wird aktuell von einem privaten Betreiber geführt. Dessen Vertrag endet im Oktober 2027. Eine direkte Weiterverpachtung an ihn ist aus vergaberechtlichen Gründen nicht zulässig. Danach übernimmt die Stadt den Betrieb selbst – über eine kommunale GmbH, die im Januar 2026 gegründet wurde.

Arbeiten am Bergfriedhof laufen an

Die abschließenden Prüfungen für die Baugenehmigung laufen derzeit. Erste Vorarbeiten haben bereits begonnen: Landschaftsgärtnerische Arbeiten wurden durchgeführt, die Planungen für die weiteren Arbeiten sind abgeschlossen. Die Umsetzung soll zeitnah in mehreren Bauabschnitten erfolgen; parallel laufen die Vorbereitungen, der Spatenstich soll bald stattfinden.

Das neue Krematorium wird in ein anderes bestehendes Gebäude des Friedhofs verlagert. Die Bauarbeiten sollen den laufenden Friedhofsbetrieb nicht beeinträchtigen. Auch die Angebote für die Ofentechnik werden derzeit geprüft, die Aufträge sollen in den kommenden Wochen vergeben werden.

Nach seiner Fertigstellung soll das Krematorium am Lahrer Bergfriedhof für längere Zeit der einzige Krematoriumsbetrieb in der näheren Region sein. Die neue Anlage soll dem aktuellen Stand der Technik entsprechen und hohe Umweltstandards erfüllen.

Mehr Raum für Abschied und Trauer

Für Angehörige sind erweiterte Möglichkeiten vorgesehen. Verabschiedungen sollen künftig auch außerhalb der bisherigen Zeiten möglich sein. Außerdem ist ein Trauercafé geplant – ein ruhiger Ort für Abschiede, aber auch für Veranstaltungen zu Tod, Abschied, Trauer und Leben.

Verändert werden soll ebenso der Ablauf rund um die Trauerfeiern. Bestattungsfahrzeuge müssen künftig nicht mehr über den Friedhofsvorplatz fahren, wo sie bisher teilweise Trauerfeiern störten. Eine separate Ein- und Ausfahrt soll solche Störungen vermeiden und die Arbeitsbedingungen für Friedhofspersonal und Bestattungsinstitute verbessern.

Für das Projekt heißt es damit: kein Baustopp, kein Zurück auf Anfang. Der Betrieb soll im Oktober 2027 starten – zu einem Zeitpunkt, an dem der bisherige Pachtvertrag endet und die Stadt Lahr die Verantwortung für die neue Anlage übernimmt.