Vom Vereinslokal am Ostorfer See zur Drachenboot-Weltmeisterschaft in Taiwan
Am Ostorfer See in Schwerin ist das „Seeydill“ nicht mehr nur Restaurant. Der Baulöwen Handballclub e. V. hat das Lokal an der Rogahner Straße als neues Vereinslokal übernommen. Seit dem 1. September wurde mit Unterstützung vieler Helfer renoviert. Jetzt macht ein beleuchtetes Schild auf das „Vereinslokal Seeidyll“ aufmerksam – ein kleiner Blickfang, gerade wenn es draußen schon dämmert.
Das Restaurant liegt dort seit 1990. Zum ersten Netzwerktreffen des Breitensportvereins „Die Baulöwen“ kamen Vereinsmitglieder, Unterstützer und Gäste zusammen. Zwischen Gesprächen über Sport, Räume und die nächsten Schritte ging es auch um zwei Menschen, die seit Jahren auf dem Wasser unterwegs sind: Anne und Sebastian Pingel.
Erfolge im Drachenboot
Beide gehören seit rund 15 Jahren Drachenboot-Teams an. Vier Wochen vor dem Treffen waren sie bei der 15. Club-Weltmeisterschaft auf dem Liyu-See im Osten Taiwans dabei. Sebastian Pingel startete in der Altersklasse Senior A für die Neckardrachen aus Heilbronn und holte im Smallboat über 500 Meter ebenso den Vizeweltmeistertitel wie über 2.000 Meter. Im Mixed über 200 Meter kam Bronze dazu.
Mehr als 5.500 Sportler aus 21 Nationen nahmen laut Pingel an der Weltmeisterschaft teil. Anne Pingel, die 2025 drei deutsche Meistertitel gewonnen hatte, trat in Hualien für das Hannoveraner Team „BlackWave“ an. Bei ihren drei Starts blieb ihr das Podium verwehrt. Die Bedingungen machten es den Teilnehmern nicht gerade leicht: 35 Grad und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit, dazu die körperliche Belastung auf dem Wasser. Da kommt der Schweiß nicht erst nach dem Rennen.
Burkhardt Jeratsch, der den Verein „Die Baulöwen“ 2008 gründete, überreichte dem Drachenboot-Paar einen Scheck über 500 Euro. Anreisen zu Wettkämpfen und Material finanzieren die Sportler nach Angaben von Anne Pingel selbst. Das Geld kann also direkt dort helfen, wo es im Sport oft knapp wird.
Ein Teil der Vorgeschichte spielte im Juni 2025 in Halle (Saale). Von Freitag bis Sonntag, 20.–22. Juni 2025, wurde dort die Deutsche Drachenboot-Meisterschaft ausgetragen – erstmals auf der neu gebauten Regattastrecke am Osendorfer See. Rund 120 Clubteams aus knapp 30 Vereinen und mehr als 100 Sportlerinnen und Sportler waren dabei. Gefahren wurde über 200, 500 und 2.000 Meter; je nach Klasse standen bis zu sieben Rennen pro Tag an.
Die Regatten waren zugleich Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2026 in Taiwan. Für den Kanu-Club Konstanz starteten Jasmin Schlinker, Antje, Lisa und Jessica Böhme sowie Marius und Thomas Maier. Sie verstärkten die Renngemeinschaft Neckardrachen aus Heilbronn beim Paddeln, Steuern und Trommeln. Jessica Böhme und Lisa gingen zusätzlich für die Stuttgart Broncos an den Start.
Viele Läufe wurden erst auf dem Zielfoto entschieden. Auf den langen Strecken zählten taktisches Können und Ausdauer, wenn die Arme längst schwer wurden. Die Renngemeinschaft Neckardrachen qualifizierte zahlreiche Boote für die Weltmeisterschaft 2026 und brachte 26 deutsche Meistertitel, acht Vizemeistertitel sowie fünf dritte Plätze mit nach Hause. Sonniges Wetter, professionelle Organisation und faire Wettkampfbedingungen prägten die Meisterschaft. Thomas Maier nannte sie die bestorganisierte deutsche Meisterschaft der vergangenen Jahre.
Handballpläne im Vereinslokal
Im Seeidyll ging es allerdings nicht nur um Paddel, Trommeln und Medaillen. Auch die Pläne des Handballclubs standen auf dem Programm. Der künftige Trainer Marius Poschmann stellte sich erneut vor. Die Zusammenstellung des Teams für den geplanten Start ab der Saison 2027 nimmt laut Poschmann im Hintergrund Formen an.
Mike Haupert, Gründungsmitglied des Handballclubs, lobte die rechtzeitig abgeschlossenen Arbeiten an Elektrik, Dach und Wänden. Vieles davon sieht man später kaum – solange alles funktioniert. Für den Verein war es trotzdem ein ordentliches Stück Arbeit. Künftig wollen die Baulöwen das renovierte Vereinsheim auch für Firmenveranstaltungen vermieten.
Für Anne und Sebastian Pingel ist der nächste große Termin bereits gesetzt: Sie planen die Teilnahme an der Nationen-Weltmeisterschaft 2027 in Hongkong. Bis dahin bleibt im Vereinslokal am Ostorfer See Platz für Trainingserzählungen, neue Kontakte und vermutlich manche Diskussion darüber, wer beim nächsten Rennen den besseren Start erwischt hat.
