27 geförderte Wohnungen in Bruckmühl – 200 Bewerber auf der Warteliste
In Bruckmühl ist bezahlbarer Wohnraum knapp. Hohe Grundstücks- und Immobilienpreise, dazu ein begrenztes Angebot: Der Bedarf lässt sich damit längst nicht decken. Wie groß der Druck ist, zeigt die Nachfrage am Rübezahlweg im Ortsteil Hinrichssegen. Auf 27 sozialgeförderte Wohnungen bewarben sich rund 200 Menschen mit Wohnberechtigungsschein (WBS).
Das Projekt der Schwaiger Wohnbau und Immobilienverwaltungs eGbR ist das dritte soziale Wohnungsbauprojekt des Unternehmens in Bruckmühl. Die Wohnungen haben unterschiedliche Größen und werden ausschließlich an Menschen mit WBS vermietet. Fast ausschließlich Einheimische seien als Mieter ausgewählt worden, sagt Geschäftsführer Franz-Josef Schwaiger. Das Vorhaben sollte vor allem Bruckmühler Bürgern zugutekommen.
27 Wohnungen, drei Gebäude und eine lange Warteliste
Insgesamt entstehen drei Gebäude mit 1.930 Quadratmetern Wohnfläche. Die Gesamtkosten liegen bei rund 6,5 Millionen Euro. Das erste Gebäude sollte am 1. Oktober 2026 bezogen werden; am heutigen 2. Oktober 2026 war dieser Termin also gerade erreicht. Die beiden weiteren Gebäude befanden sich noch in der Bauphase und sollen im Januar 2027 bezugsfertig sein.
Wer eine der Wohnungen bekommt, hängt nicht allein vom Wunsch nach einer günstigen Miete ab. Es gibt drei WBS-Einkommensstufen, wobei Stufe eins für den höchsten Förderbedarf steht. Die konkrete Berechtigung richtet sich unter anderem nach Einkommen, Miethöhe und Wohnungsgröße. In die neuen Wohnungen ziehen vor allem WBS-Inhaber der Einkommensstufe eins ein, weil dort nach Angaben des Landratsamts aktuell der größte Bedarf besteht.
Der WBS für den Landkreis Rosenheim wird beim Sozialamt des Landratsamts beantragt und gilt ein Jahr. Je nach Verfügbarkeit können Personen mit einem WBS des Landratsamts auch Wohnungen außerhalb der Landkreisgrenzen zugewiesen bekommen. Ein kleines Detail mit großer Bedeutung, wenn vor Ort nichts frei ist.
Finanziert beziehungsweise bezuschusst wird das Vorhaben durch die einkommensorientierte Förderung der Regierung von Oberbayern. Sie umfasst zinsgünstige Darlehen und Zuschüsse. Im Gegenzug gilt für die Wohnungen eine Sozialbindung.
Wohnungsmangel reicht weit über Bruckmühl hinaus
Bürgermeister Richard Richter bezeichnete die Wohnungsknappheit als bekanntes Problem und kritisierte die aus seiner Sicht unzureichenden Bundesmittel für den sozialen Wohnungsbau. Der Deutsche Mieterbund verweist ebenfalls auf eine zunehmende Wohnraum- und Mieterkrise sowie auf sinkende Zahlen neu geförderter Wohnungen.
2025 wurden in Deutschland so wenige Wohnungen fertiggestellt wie seit mehr als zehn Jahren nicht. Für 2026 wird kein deutlicher Anstieg erwartet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lebten im September 2026 rund 3,8 Millionen Menschen in Haushalten mit Zahlungsrückständen bei Versorgungsunternehmen. Viele dieser Menschen könnten grundsätzlich Anspruch auf Wohnraumförderung haben. Fehlen passende Sozialwohnungen, bleiben Betroffene laut dem Bericht von finanziellen Notlagen und Armut bedroht.
Der soziale Wohnungsbau besteht in Deutschland seit 1950. Gefördert werden Mietwohnungen für Haushalte mit geringem Einkommen, aber auch Studierendenwohnheime, Wohnungen für Auszubildende, preisgünstiger Wohnraum in Innenstädten sowie Neubau und Modernisierung. Die Bundesregierung plant, bis 2029 insgesamt 23,5 Milliarden Euro für die soziale Wohnraumförderung bereitzustellen. Das Geld soll in den Neubau bezahlbarer Wohnungen, in die Unterstützung von Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen und in die Modernisierung bestehender Wohnungen fließen.
Die Idee dahinter ist ziemlich bodenständig: Beschäftigte sollen nahe an ihrem Arbeitsplatz wohnen können, ältere Menschen in ihrer vertrauten Umgebung bleiben und Familien geeignete Wohnungen finden. Auch Senioren, Studierende und Auszubildende sollen an ihrem Wohn- oder Ausbildungsort bezahlbar unterkommen. Fördermittel vergibt der Bund über mehrere Jahre an die Länder. Langfristige Finanzierung schafft dabei Planungssicherheit für die Bauwirtschaft und eröffnet kommunalen sowie privaten Wohnungsunternehmen, Genossenschaften und privaten Vermietern Investitionsmöglichkeiten.
Vom Studentenapartment bis zum inklusiven Quartier
Wie breit das Feld inzwischen ist, zeigen geförderte Projekte in ganz Deutschland. Im Quartier Kommissbrotbäckerei in Mainz wird ein denkmalgeschütztes ehemaliges Garnisonsbäckerei-Ensemble umgenutzt und durch Neubauten ergänzt; vorgesehen sind Wohnungen und gewerblich genutzte Flächen. In Hannover-Limmer gehört die Villa ganZ zu einer neu entstehenden „Wasserstadt“ mit zunächst 550 Wohneinheiten. Dort erhalten Alleinerziehende und Alleinlebende dauerhaft mietpreisgebundenen Wohnraum.
Der Ellener Hof in Bremen verbindet günstige Wohnungen mit Unterstützung für Auszubildende beim Einstieg ins Berufsleben. Betrieb und Service sind als Inklusionsbetrieb organisiert, die Bewohner werden pädagogisch begleitet. Außerdem gibt es Wohnraum für Studierende, Familien sowie ältere und sozial benachteiligte Menschen.
In Aachen wurde das Studierendenwohnheim Nizzaallee 2022 fertiggestellt. Die vollmöblierten Ein- und Zwei-Personen-Apartments werden zu einem All-inclusive-Preis angeboten, der Miete, Energie, Internet, Fernsehen und überdachte Fahrradstellplätze umfasst. Gemeinschafts- und Lernräume, begrünte Dächer und die Nähe zum Lousberg gehören ebenfalls dazu.
Im Brandenburgischen Viertel in Eberswalde sind neun von elf Objekten saniert. Die Modernisierung an der Cottbuser Straße wurde 2023 abgeschlossen. Die Gebäude erhielten eine energetische Sanierung und neue Gebäudetechnik, teilweise wurden sie barrierefrei erschlossen. Gemeinschaftsräume und neu gestaltete Außenanlagen ergänzen das Projekt; an der Oderbruchstraße wird die Sanierung fortgesetzt.
Rathausstraße 27 in Niebüll wurde 2023 nach dem Housing-First-Ansatz umgesetzt. Wohnraum wird zunächst bedingungslos bereitgestellt und durch wohnbegleitende Hilfen ergänzt. Gefördert wurde das Projekt über das schleswig-holsteinische Sonderprogramm „Wohnraum für besondere Bedarfsgruppen“. Wegen des zusätzlichen Verwaltungs- und Instandhaltungsaufwands beträgt die Bewilligungsmiete 8,50 Euro.
Auf dem ehemaligen Siemens-Areal in Frankfurt am Main entsteht seit 2022 das Schönhof-Viertel mit Wohnungen, Grundschule, Kitas, Einzelhandel, Gewerbe und Studierendenhostel. Vorgesehen ist auch inklusiver Wohnraum. Zwei Drittel der Wohnungen sind Mietwohnungen, rund 30 Prozent davon werden öffentlich gefördert.
In Ilmenau wird ein Wohnhaus aus den 1960er-Jahren umfassend saniert und energetisch modernisiert. Geplant sind Ein- und Zweiraumwohnungen für 102 Studierende. Eine Aufstockung in Holzbauweise ersetzt das bestehende Satteldach.
Am Hörn-Areal in Kiel entsteht auf einem ehemaligen Industrie- und Werftgelände ein gemischtes Quartier zum Wohnen und Arbeiten am Wasser. Im Rahmen von „PluSWohnen“ wurde eine inklusive Wohngruppe für Menschen mit und ohne Behinderung geschaffen. Bewohner ohne Behinderung können durch Betreuungsstunden ihre Miete teilweise oder vollständig finanzieren.
Auch in Garmisch-Partenkirchen geht es um leistbares Wohnen im Alter: Durch Neubau und Sanierung des denkmalgeschützten Alten Finanzamts entstanden 24 barrierefreie Wohnungen für 33 Senioren. Die 38 bis 55 Quadratmeter großen Wohnungen kosten je nach Größe und Einkommen zwischen 220 und 465 Euro Nettokaltmiete. Ein Servicedienst unterstützt die Hausgemeinschaft.
Am Ryck in Greifswald wird auf 7,5 Hektar ein gemischtes Quartier nahe dem Fluss und der Innenstadt entwickelt. Kommune, Genossenschaften, kommunale Wohnungsunternehmen, Baugruppen und Bauträger sind beteiligt; die soziale Mischung war von Beginn an ein Planungsgrundsatz.
Das größte Neubauprojekt der sozialen Wohnraumförderung in Rheinland-Pfalz liegt am Erfurter Ring in Ludwigshafen. Dort entstehen acht Mehrfamilienhäuser auf rund 15.000 Quadratmetern. Von den 146 Wohnungen sind 20 barrierefrei und rollstuhlgerecht.
Im Hamburger Pergolenviertel in Winterhude entstehen auf 27 Hektar rund 1.700 Wohneinheiten in zehn Baufeldern. Neben Miet- und Eigentumswohnungen sind Angebote für Studierende, Baugemeinschaften sowie Pflege- und Assistenz-Wohngemeinschaften vorgesehen. In Berlin-Lichtenrade wiederum entstehen in der Alten Mälzerei im Lichtenrader Quartier 78 miet- und belegungsgebundene Wohnungen für unterschiedliche Einkommensgruppen. Drei öffentliche Plätze, Gemeinschaftsräume und Einrichtungen wie ein Kiezschwimmbad gehören zum Quart
