IG BAU fordert 400.000 Wohnungen jährlich und mehr soziale Verantwortung im Wohnungsbau
Der deutsche Wohnungsbau steckt fest. Die IG BAU fordert deshalb einen Kurswechsel in der Wohnungspolitik: Jährlich sollen 400.000 neue Wohnungen entstehen, darunter mindestens 100.000 Sozialwohnungen und zusätzlich mindestens 60.000 bezahlbare Wohnungen für Haushalte mit mittleren Einkommen. Beschlossen wurde das mit großer Mehrheit auf dem Gewerkschaftstag der IG BAU in Kassel.
Wie weit die Realität davon entfernt ist, zeigen die aktuellen Zahlen: 2025 wurden bundesweit nur rund 206.000 Wohnungen fertiggestellt. Gleichzeitig fehlten laut Pestel-Institut im Januar bundesweit rund 1,4 Millionen Wohnungen. Um das Defizit abzubauen und den laufenden Bedarf zu decken, müssten nach Einschätzung des Instituts jedes Jahr zwischen 310.000 und 410.000 Wohnungen gebaut werden.
Mehr öffentliche Verantwortung, weniger Spekulation
Den Wohnungsbau allein privaten Investoren zu überlassen, lehnt die Gewerkschaft ab. Bund, Länder und Kommunen müssten stärker selbst Verantwortung übernehmen. Dazu zählen eine Weiterentwicklung der Wohngemeinnützigkeit, eine bessere Förderung von Wohnungsgenossenschaften und eine gemeinwohlorientierte Vergabe öffentlicher Grundstücke.
Kommunen sollen außerdem mehr Möglichkeiten gegen Bodenspekulation erhalten – etwa durch Vorkaufsrechte, Erbbaurechte und Bodenfonds. Auch die Entwicklung auf dem Bau- und Immobilienmarkt macht der IG BAU Sorgen: Die nominalen Wohnungsbauaufträge sanken im Juli laut Statistischem Bundesamt erneut um 3,6 Prozent.
Ende 2025 gab es bundesweit nur noch rund eine Million Sozialwohnungen. Bis 2030 soll dieser Bestand nach dem Willen der Gewerkschaft auf mindestens zwei Millionen steigen. Dafür seien jährlich mindestens 13,5 Milliarden Euro von Bund und Ländern notwendig. Geförderte Wohnungen sollen dauerhaft sozial gebunden bleiben: „Einmal gefördert – immer sozial gebunden“.
Für Menschen mit mittleren Einkommen fordert die IG BAU jährlich mindestens 60.000 zusätzliche Wohnungen. Die Nettokaltmiete soll dort zwischen 8,50 und 12 Euro pro Quadratmeter liegen. Das klingt auf dem Papier nach einer engen Spanne; in vielen Städten entscheidet sie aber darüber, ob eine Wohnung noch ins Haushaltsbudget passt.
Mietrecht und altersgerechtes Wohnen
Zur Reform des Mietrechts gehören nach den Vorstellungen der Gewerkschaft eine verschärfte und dauerhaft geltende Mietpreisbremse, ein stärkerer Schutz vor der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen sowie Maßnahmen gegen Mietwucher und spekulativen Leerstand. Auch gegen die Zweckentfremdung von Wohnraum soll es strengere Regeln geben.
Besonders groß ist die Lücke beim altersgerechten Wohnen. In Deutschland fehlen laut IG BAU bereits rund 2,1 Millionen altersgerechte Wohnungen. Bis 2040 müssten jährlich etwa 170.000 Wohnungen neu gebaut oder umgebaut werden. Zunächst seien dafür mindestens 500 Millionen Euro pro Jahr für Sanierung und Umbau nötig.
Die finanzielle Seite trifft viele ältere Menschen empfindlich. 2022 gab es unter den über 65-Jährigen rund 5,5 Millionen Haushalte mit weniger als 2.000 Euro monatlichem Nettoeinkommen. Die IG BAU weist darauf hin, dass Mieterhöhungen diese Haushalte besonders stark belasten können. Ein Aufzug, breite Türen oder ein stufenloses Bad sind dann nicht bloß Komfortfragen, sondern entscheiden darüber, ob jemand in der eigenen Wohnung bleiben kann.
Klimaschutz braucht verlässliche Förderung
Klimaschutz und sozialer Wohnungsbau sollen nach Ansicht der Gewerkschaft miteinander verbunden werden. Der Gebäudebestand müsse energetisch saniert, zugleich der Ausbau von Fern- und Nahwärmenetzen vorangetrieben werden. Damit solche Vorhaben nicht zwischen Förderstopp und Neustart ins Stocken geraten, verlangt die IG BAU verlässliche öffentliche Förderprogramme.
Diese Programme sollen auch dem Bauhandwerk und der Baustoffindustrie Planungssicherheit geben. Ohne klare Perspektive werden Aufträge verschoben, Fachkräfte fehlen irgendwann an allen Ecken – und auf den Baustellen bleibt es stiller, als es angesichts des Wohnungsbedarfs sein dürfte.
Die zusätzlich übermittelte Studie des Deutschen Mieterbundes liefert in der vorliegenden Form keine verwertbaren Ergänzungen: Der Inhalt besteht aus technischen PDF-Rohdaten und komprimierten Binärdaten. Ein lesbarer Nachrichtenartikel oder überprüfbarer Text ist darin nicht enthalten.
Stand dieses Berichts ist der 2. Oktober 2026. Die Zahlen liegen weit auseinander: 400.000 geforderte Neubauten pro Jahr auf der einen Seite, rund 206.000 fertiggestellte Wohnungen im Jahr 2025 auf der anderen. Dazwischen stehen fehlende Sozialwohnungen, teure Grundstücke, Sanierungsbedarf und die ganz praktische Frage, ob am Monatsende noch genug Geld für die Miete bleibt.
