Bosch-Chef Christian Fischer setzt auf Start-ups, neue Ventures und Wohnungen in Deutschland
Am 12. Oktober 2026 spricht Christian Fischer, der neue Chef von Bosch, in Räumen neben der Villa des Firmengründers über die Zukunft des Konzerns. Von dort geht der Blick über Stuttgart – und auf eine Aufgabe, die kaum kleiner sein könnte: Fischer will den 140 Jahre alten Bosch-Konzern neu ausrichten.
Sein Bild dafür ist ungewöhnlich klar. Bosch brauche ein „verbessertes Betriebssystem“, sagt Fischer, damit der Konzern schneller und entscheidungsfreudiger werde. Gleichzeitig soll Bosch neue Wachstumsfelder außerhalb der Auto- und Hausgerätesparte erschließen. Das klingt nach Aufbruch, fällt aber in eine unruhige Zeit: Während in Deutschland umfangreich Personal abgebaut wird, will Fischer positive Signale für den Standort setzen.
100 Millionen Euro für deutsche Start-ups
Ein solches Signal ist der geplante Einsatz von 100 Millionen Euro für deutsche Start-ups. Bosch bewertet Deutschland als gereifte Gründungsszene – mit einem breiten Technologiespektrum sowie starken industriellen und wissenschaftlichen Wurzeln. Auch unter den derzeit anspruchsvollen wirtschaftlichen Bedingungen sieht der Konzern in diesem Innovationsökosystem gute Voraussetzungen für Investitionen.
Bosch zählt zu den größten Unternehmensinvestoren Europas. Über seine bisherigen Fonds stellte der Konzern insgesamt mehr als eine Milliarde Euro Wagniskapital bereit. Bosch Ventures legte 2025 seinen inzwischen sechsten Fonds auf. Der neue Fonds „Spark“ soll am 1. Januar 2027 starten und sich an Deep-Tech-Start-ups in Deutschland in allen Entwicklungsphasen richten. Im Mittelpunkt stehen Seed- und Frühphaseninvestitionen; erfolgreiche Portfoliounternehmen sollen auch bei späteren Finanzierungsrunden Unterstützung erhalten.
Investiert werden soll bundesweit, zugleich gezielt in Start-ups aus Baden-Württemberg. „Spark“ ergänzt die globalen Investmentplattformen von Bosch Ventures um ein eigenständiges Finanzierungsangebot für deutsche Start-ups. Die Themen reichen bei Bosch Ventures von Automatisierung und Elektrifizierung über künstliche Intelligenz bis zur Medizintechnik. Weltweit investiert die Einheit in junge Unternehmen mit Technologien, die die Lebensqualität verbessern sollen.
Seit der Gründung von Bosch Ventures im Jahr 2007 floss Geld in deutlich mehr als 100 Start-ups. Derzeit umfasst das Portfolio rund 70 aktive Beteiligungen. Zu den deutschen zählen Ferroelectric Memory aus Dresden mit Speichertechnologien, Qdrant aus Berlin im Bereich Vektor-Datenbanken und 4screen aus München, das digitale Mobilitätslösungen entwickelt.
Vom Kontakt zur eigenen Geschäftsidee
Kapital allein soll es nicht richten. Im Programm „Open Bosch“ bringt Bosch Ventures seit 2018 frühzeitig Start-ups mit operativen Bosch-Geschäftseinheiten zusammen. Für die jungen Unternehmen können daraus Chancen entstehen, Zulieferer, Kunden oder Technologiepartner von Bosch zu werden. Außerdem erhalten sie Zugang zu Industrieexpertise. Mehrere hundert Partnerschaften mit Start-ups unterhält Bosch im Rahmen des Programms, mehr als ein Viertel davon besteht mit deutschen Start-ups.
Darüber hinaus entwickelt Bosch als Corporate Venture Builder eigene Geschäftsideen außerhalb des bisherigen Kerngeschäfts und gründet daraus neue Start-ups. Diese sollen systematisch zur Marktreife geführt werden und zur Entwicklung neuer führender Geschäftsmodelle für Bosch beitragen. Genau dort liegt die Verbindung zu Fischers Forderung nach einem „verbesserten Betriebssystem“: weniger Umwege, mehr Tempo – zumindest ist das der Anspruch.
Für neue Geschäftsfelder außerhalb des bisherigen Kerngeschäfts will Bosch in den kommenden fünf Jahren rund 200 Millionen Euro in seine Tochtergesellschaft Bosch Business Innovations investieren. Ziel ist es, neue Geschäftsideen zu entwickeln, Deep-Tech-Start-ups aufzubauen und neue Geschäftsmodelle bis zur Marktreife zu führen.
20 neue Ventures bis 2030
Bis 2030 plant Bosch, insgesamt 20 neue Ventures beziehungsweise erfolgreiche Start-ups aufzubauen. Bosch Business Innovations verbindet dafür technologische Expertise und Patente des Konzerns mit der Geschwindigkeit und Flexibilität von Start-ups. Der Aufbau erfolgt in einem partnerschaftlichen Modell – also nicht bloß am Reißbrett in der Konzernzentrale.
Zu den anfänglichen Investitionsbereichen gehören softwaregestützte Fertigung, die Fernüberwachung der Gesundheit sowie Technologien zur Abscheidung, Nutzung und Speicherung von Kohlenstoff, kurz CCUS. Bosch Business Innovations soll damit zu einer weiteren zentralen Innovationssäule des Bosch-Konzerns werden.
Und dann ist da noch der Wohnungsbau. Fischer kündigt an, Wohnungen bauen zu lassen. Für einen Konzern, der parallel in Deutschland Personal abbaut, ist das ein auffälliger Akzent: Neben Start-up-Kapital und neuen Geschäftsideen soll offenbar auch ganz konkret Raum zum Wohnen entstehen.
