Mehr Menschen, mehr Aussteller, mehr Fläche – und trotzdem lag an der Expo Real 2026 in München eine gewisse Vorsicht in der Luft. Vom 5. bis 7. Oktober traf sich die Immobilien- und Bauwirtschaft, doch die Marktbedingungen ließen die Gespräche selten leichtfüßig werden. Investoren prüften wieder mehr Projekte, gleichzeitig bremsen hohe Finanzierungs- und Baukosten sowie regulatorische Vorgaben weiterhin die Umsetzung.

1.777 Aussteller aus 37 Ländern waren dabei. Im Vorjahr hatten 1.742 Aussteller aus 34 Ländern teilgenommen. Mehr als 42.000 Besucherinnen und Besucher aus 74 Ländern kamen nach München – leicht mehr als 2025. Die Messe erstreckte sich über 76.000 Quadratmeter in sieben Hallen. Viel Betrieb also, aber kein sorgloses Gedränge.

Wohnungsbau zwischen Bedarf und Bremsen

Im Wohnungsbau drehte sich vieles um die alte, aber ungelöste Frage: Wie lässt sich zusätzlicher leistbarer Wohnraum schaffen, wenn Kosten steigen und Planungs- sowie Genehmigungsverfahren lange dauern? Diskutiert wurden Neubau, Aufstockungen und Umnutzungen ebenso wie serielles und modulares Bauen.

Gerade bei Projekten in Deutschland sei der Druck weiterhin erheblich, sagte Stefan Rummel, Geschäftsführer der Messe München. Gleichzeitig gebe es Signale, dass sich die Lage 2027 verbessern könnte. Ein vorsichtiger Hoffnungsschimmer, mehr nicht. Bundesbauministerin Verena Hubertz bezeichnete die Expo Real als Treffpunkt verschiedener Gewerke und verwies auf die Komplexität der Herausforderungen.

Investment und Finanzierung standen neben dem Wohnungsbau und der Infrastruktur im Mittelpunkt. Der Zugang zu Kapital blieb ein zentrales Messethema. Auf den Gängen wurde wieder mehr über konkrete Vorhaben gesprochen, doch bis aus einer Prüfung ein Baustart wird, ist es noch ein ordentliches Stück Weg.

Infrastruktur rückt näher an die Immobilie

Neu war der Bereich „InfrastructureNow“. Dort ging es um Energieinfrastruktur, digitale Infrastruktur, soziale Infrastruktur und Verteidigung. Die Trennlinie zwischen klassischer Immobilie und Infrastruktur wird dabei zunehmend unscharf.

Michael Henn von Commerz Real erklärte, die Grenzen zwischen Immobilien und Infrastruktur würden immer stärker verschwimmen. Der Wert eines Assets entstehe zunehmend auch durch die dahinterliegende Infrastruktur. Ein Gebäude ist eben nicht nur Beton, Glas und Haustechnik – ohne Energie, Datenverbindungen oder funktionierende soziale Strukturen bleibt manches schöne Projekt ziemlich blass.

Im Bereich „Transform & Beyond“ präsentierten Unternehmen Lösungen für Dekarbonisierung, Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Energieversorgung. Matthias Zühlke, Co-Founder und CEO von syte, beobachtete, dass Besucher zunehmend aktiv nach konkreten Lösungen suchten. Nicht bloß Folien und große Versprechen, sondern Dinge, die sich im Projekt tatsächlich einsetzen lassen.

Für die Einordnung des Gewerbeimmobilienmarkts werden Marktgrößen nach einem Bottom-up-Ansatz ermittelt. Datengrundlage ist der Wert von Gewerbeimmobilien; herangezogen werden Daten nationaler statistischer Ämter sowie Angaben länderspezifischer Verbände. Eine Rolle spielen außerdem der Anteil von Industrie, verarbeitendem Gewerbe und Dienstleistungssektor am Bruttoinlandsprodukt, der Preisniveauindex und das BIP.

Je nach Marktverhalten kommen unterschiedliche Prognoseverfahren zum Einsatz, beispielsweise exponentielle Trendglättung. Der Markt wird zweimal jährlich aktualisiert, sofern sich die Marktdynamik verändert. Auch regionale Entwicklungen fließen ein: Die Auswirkungen des Russland-Ukraine-Kriegs werden auf Länderebene berücksichtigt.

Am Abend des 7. Oktober bleibt damit ein Messebild, das gut zur Branche passt: mehr Bewegung, mehr Gesprächsbereitschaft, aber weiterhin reichlich Reibung zwischen Bedarf, Kapital, Kosten und Vorschriften.